FFFN Reviews: Witching and Bitching – Bibi Blocksberg in der Menopause

“The time has come for vengeance!”

Mein letzter Film bei den diesjährigen Fantasy Filmfest Nights ist WITCHING AND BITCHING vom spanischen Kultregisseur Álex de la Iglesia, den ich bisher nur vom Hörensagen kannte. Er hat mich in jedem Fall neugierig auf seine anderen Werke, insbesondere THE LAST CIRCUS gemacht. Denn ein Film muss es auch erstmal schaffen, nach einem Shootout zwischen einem silbernen Jesus, einem grünen Soldaten, Spongebob, Minnie Mouse und der Polizei nur immer noch verrückter zu werden.

Aber was hätte José (Hugo Silva) denn auch machen sollen? Ständig sitzt ihm seine Exfrau wegen dem Unterhalt für ihren gemeinsamen Sohn Sergio im Nacken. Die vernünftigste Lösung ist natürlich mit dem Steppke im Schlepptau einen Juwelier zu überfallen und sich nach Frankreich abzusetzen. Mit dabei Komplize Tony (Mario Casa) sowie ihr unglücklicher Taxifahrer plus zufälligem Passagier. Leider führt sie die Flucht durch das Dorf Zugarramurdi, in dem es laut Legenden früher Hexen gegeben haben soll. Aber Hexen gibt es ja gar nicht – oder etwa doch?

Wäre ich gezwungen, WITCHING AND BITCHING in einem Satz zusammenzufassen, würde ich wohl sagen: QUICK CHANGE (“Ein verrückt-genialer Coup) plus FROM DUSK TILL DAWN, aber mit Hexen anstatt Vampiren. De la Iglesia wirft seine hilflosen Hauptcharaktere mit diebischer Freude direkt in die Klauen einer verrückten Hexentriade, die den kleinen Sergio für ein uraltes Ritual opfern und die anderen Männer als Zwischenmahlzeit einwerfen wollen. Kreischend und stolpernd schaffen sie es irgendwie, sich aus scheinbar aussichtslosen Situationen zu befreien, nur um noch tiefer in das okkulte Chaos zu stürzen. Auch im Tumult gefangen: zwei ziemlich inkompetente Polizeibeamte und Josès wutentbrannte Exfrau.

Der Film ist nichts für empfindliche Gemüter – sowohl, was die Gruseleffekte angeht und die Art und Weise, wie de la Iglesia Rollenklischees zwischen Männern und Frauen ausspielt. Körperteile fliegen nur so herum, die Frauen sind alle überemotionale Biester und haben die unbeholfenen und schwachen Männer an der kurzen Leine, die wiederum eine dumme Entscheidung nach der nächsten treffen. Man muss das schon mit gehörig schwarzem Humor zu nehmen wissen.

Fazit: Eine abgedrehte, rasante Horrorkomödie, lustig, aber nicht sehr tiefgreifend. Sie lebt von ihrer Situationskomik, den bizarren Charakteren und Settings sowie tonnenweise Slapstick-Gore. Leichte Kost, die aber einen Abend lang hervorragend unterhält. Danach sieht man vielleicht einige der mächtigen Frauen der Weltgeschichte (darunter auch Angela Merkel, die kurz Szenenapplaus bekam) und ein bekanntes Fruchtbarkeitssymbol mit ganz anderen Augen.

7/10 Finger

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FFFN Reviews: Rigor Mortis – Asiahorror-Wundertüte

“All the vampires have vanished miraculously – along with the vampire hunters”

Ein Grund warum ich seit einigen Jahren so gerne zum Fantasy Filmfest und den Nights gehe ist, dass sie meinen filmischen Horizont auch über den europäischen und amerikanischen Tellerrand hin erweiterten. Ich muss zu meiner Schande geschehen, dass ich dort erst erfuhr, welche Perlen beispielsweise die koreanische und chinesische Filmszene birgt, gerade auch was Horrorfilme angeht. Der Trailer von RIGOR MORTIS versprach einen soliden, wenn auch nicht besonders originellen Gruselfim mit all dem, was Asia-Horror so zu bieten hat.

In der Tat kommt in RIGOR MORTIS ungefähr alles zum Zug, was ich je in asiatischen Horrorfilmen gesehen habe. Blasse Dämonenkinder, Rachegeisterfrauen mit langen Haaren und durch schwarze Magie wiedererweckte Untote spuken durch einen schimmligen, anonymen Apartmentkomplex mit seinen schrägen Bewohnern, die alle ein Geheimnis bergen. Hauptfokus liegt auf dem Schauspieler Chin Siu-ho, der eigentlich nur in das ruinöse Gebäude einzieht, um sich umzubringen. Gerettet wird er von Uncle Yau, dem man in seinem Outfit bestehend aus Bademantel und Feinripp seine Vergangenheit als Vampirjäger so gar nicht ansieht. Weitere Charaktere sind die gutmütige Auntie Mui, die für die Bewohner des Komplexes näht, ihr grummeliger Ehemann Uncle Tung, die verstörte Feng und ihr Sohn Pak, die nachts durch die Gänge schleichen und der sinistre Kau, der schwarze Magie praktiziert.

Nach Ende des Filmes hatte ich zwei Vermutungen: Erstens, dass mir nach dem doch recht überraschenden und emotionalen Twist der Film bei einem zweiten Durchgang sehr viel besser gefallen würde. Denn durch den absoluten Overkill an Tropen, Mythen und Horrorgestalten war er für mich sehr schwer verdaulich, obwohl sie für sich alle wunderbar inszeniert und gruselig waren – als würde einem drei verschiedene Lieblingsgerichte auf einmal serviert. Das Ende gibt aber zumindest einen Anhaltspunkt für dieses wirre Potpourri. Zweitens, dass mir höchstwahrscheinlich eine Menge Hintergrundwissen fehlt, mit dem der Film überhaupt erst lesbar ist. Tatsächlich bestätigte eine kurze Internetrecherche, dass RIGOR MORTIS eine Hommage an chinesische Vampirfilme der 80er im allgemeinen, der Serie MR VAMPIRE im speziellen und ohne Kenntnis der chinesischen Folklore und Mythen eigentlich nicht zu verstehen ist. Auch die Schauspieler hätten  bei einem chinesischen Publikum hohen Wiedererkennungswert – der aus den in den 80ern gefeierten Vampirfilmen bekannte Chin Siu-ho spielt sich in der Hauptrolle beispielsweise einfach selbst.

Fazit: Meine Wertung ist explizit aus meiner leider in dieser Hinricht recht ignoranten Warte als europäische Zuschauerin zu verstehen – ich bin mir sehr sicher, dass mir der Film in richtigem Kontext noch sehr viel besser gefallen hätte. Er hat mich auf jeden Fall sehr neugierig gemacht, denn all die Geschichten und Mythen, die dort angerissen wurden, waren sehr faszinierend – es war nur ein bisschen viel auf einmal.

7/10 Räucherstäbchen

Aside

FFFN Reviews: Snowpiercer – Dystopie im ÖPNV

“I belong to the front, you belong to the tail!”

SNOWPIERCER spielt in der nicht allzu fernen Zukunft. Eine  Maßnahme gegen die steigende globale Erwärmung ging leider voll nach hinten los und stürzte die Erde in eine neue Eiszeit. Die letzten Überlebenden der Menschheit fanden Zuflucht in einem Hightechzug der, unabhängig von externen Energiequellen, seither seine Bahnen durch die permagefrorene Welt zieht. Die Gesellschaft im Zug strukturiert sich nach den einzelnen Klassen: hinten im Zug fristet die Unterschicht ihr Dasein in engen, dreckigen Massenabteilen. Zuggeborene Kinder haben noch nie Sonnenlicht gesehen oder etwas anderes als die rationierten Proteinblöcke gegessen.

An der Zugspitze lebt die Elite, wohlgenährt und sauber. Sie bestimmt über alle wichtigen Ressourcen und setzt die Ordnung im Zug mit Gewalt und hohen Strafen durch. Doch eine Verschwörung ist im Gange, mit der die frustrierten Bewohner des Zugendes das brutale Regime umwerfen wollen. An der Front steht Curtis (Chris Evans, CAPTAIN AMERICA), ein von seinen Selbstzweifeln und einer dunklen Vergangenheit getriebener Mann, der mit seiner Rolle als Rebellenführer noch nicht wirklich einverstanden ist. An seiner Seite der weise, aber inzwischen gebrechliche Mentor Gilliam (britischer Topschauspieler John Hurt, der in Dystopien wie NINETEEN EIGHTY-FOUR und V FOR VENDETTA sowohl schon den Unterdrückten als den Unterdrücker spielen durfte) und der zuggeborene Edgar (Jamie Bell, BILLY ELLIOT), voll jugendlichem Tatendrang. Der erste Schritt zur Erstürmung des Zuges: Die Befreiung des Sicherheitstechnikers Namgoong Minsu (Song Kang-ho, THE HOST) aus dem Gefängniswagen – er soll den Rebellen die Tore zwischen den Waggons öffnen.

Sehr viel mehr braucht und sollte man von SNOWPIERCER gar nicht wissen, denn der Film besticht unter anderem durch sein exzellentes Storytelling. Obwohl der Film all das hat, was einen Hollywood-Blockbuster ausmacht – Action, High-Tech und eine prominente Besetzung –  stopft der koreanische Regisseur Boon Joon-ho dem Publikum in seinem ersten englischsprachigen Film Hintergrundgeschichte und Motivationen der Charaktere nicht  mit dem Löffel in den Mund. Anders als in so vielen belanglosen Hollywoodproduktionen vertraut er auf Beobachtungsgabe des Zuschauers und  spielt mit den Erwartungen des Publikums. So erlebt man tatsächlich nicht erst am Ende einige Überraschungen.

Fazit:  Bereits nach zehn Minuten hatte mich der Film mit seiner dynamischen Story und den charismatischen Persönlichkeiten so sehr am Schlaffittchen, dass ich unbedingt wissen musste, wie er weiterging. Mit jedem Tor, dass die Rebellen öffnen und mit jedem Waggon kommt ein Stück Geschichte zu Tage und gemeinsam mit Curtis staunt, leidet und kämpft man sich durch, bis zum Führerhaus wo der ominöse Wilson, Erbauer und Führer des Zuges, und die letzten zu lüftenden Geheimnisse befinden.

Ein spannender, facettenreicher Film, der trotz reichlich Action nie platt wirkt und auf tiefe Charaktere anstatt billiger Effekthascherei setzt. All das macht es auch einfacher, das bei näherer Betrachtung doch etwas wacklige Setting zu ignorieren und sich einfach mitreißen zu lassen. Allein wegen der großartigen Tilda Swinton als Ministerin Mason, der Margaret-Thatcher-esquen Exekutive von Wilson, sollte man ihn sich unbedingt ansehen.

9/10 Kakerlaken

FFFN Reviews: Enemy – Ich glaub’, ich spinne

“What is happening?”

Das Motiv des Doppelgängers ist in allen Genres gleichermaßen beliebt. Und so schrieb auch Literaturnobelpreisträger Josè Saramago einen Roman namens “Der Doppelgänger”, in dem ein Geschichtslehrer durch Zufall entdeckt, dass ein unbekannter Schauspieler genauso aussieht, wie er selbst. Der kanadische Regisseur Denise Villeneuve brachte das Buch als ENEMY auf die Leinwand und besetzte Jake Gyllenhaal mit der Doppelrolle.

Saramagos “Die Stadt der Blinden” zählt zu meinen Lieblingsbüchern und surreale Filme sehe ich ab und zu ganz gerne, also ließ ich mich auf dieses Experiment gerne ein. “Der Doppelgänger” kenne ich bisher nicht, habe aber bei dem (gescheiterten) Versuch, den Film besser zu verstehen die allwissende Müllhalde Wikipedia befragt. Anscheinend ist der Film eine stark verkürzte Version der Buchvorlage.

Geschichtslehrer Adam Bell (Gyllenhaal) lebt in einer abgehalfterten Wohnung, hat einen repetetiven Job und eine kalte, unpersönliche Beziehung in der zumindest das Sexleben stimmt. Durch Zufall entdeckt er in einem Film im Hintergrund einen Schauspieler, der ihm zum Verwechseln ähnlich sieht. Schon bald ist er in einer Spirale der Obsession mit seinem Doppelgänger und dessen Leben gefangen.

ENEMY ist sicher einer der surrealsten Filme die ich je gesehen habe (dazu zählt u. a. RUBBER). Jedesmal, wenn ich ungefähr dachte, herausgefunden zu haben worum es zum Teufel überhaupt geht, wurde wieder etwas eingeworfen, dass meine wirren Theorien völlig über den Haufen warf. Der Film will keine Geschichte erzählen, sondern malt lieber Szenen mit ruhiger Hand und langsamen, sorgfältig gestalteten Shots. Jedes  Gebäude, jede Requisite hat seinen Platz und so entsteht eine sehr dichte Atmosphäre. Der sehr verwirrende Plot wird durch traumartige Zwischensequenzen noch seltsamer, bei denen Arachnophobiker besser kurz die Augen schließen sollten. Dialoge und Informationen sind sehr rar gesät. Das Publikum soll entscheiden, was hier die Bedeutung ist und ob es am Ende überhaupt eine Lösung geben soll und muss.

Das für sich genommen würde ein schönes Stück Filmkunst ergeben, wenn hier die Regler nicht alle einfach zu weit aufgedreht worden wären. Der künstlerische Gelbstich wirkt wie der Alptraum eines Instagram-Hipsters. Das Cello im Soundtrack ist erst düster und verstörend, nervt aber nach einer Weile nur noch im Hintergrund herum. Die Besetzung ist erstklassig (Isabella Rossellini hat einen kleinen aber feinen Gastauftritt) aber so ganz ohne Dialoge kommen die bedeutsamen Blicke, die sie sich gegenseitig oder einfach nur in die Gegend werfen oft auch hilflos oder gelangweilt herüber. Und die Traumsequenzen sind derart bizarr, dass man sich die Frage stellt: Ist das Kunst oder kann das weg?

Fazit: Kunst liegt immer im Auge des Betrachters und daher tue ich mich schwer, diesen Film zu bewerten. Nur weil ich zu einem Stück surreale Kunst keinen Zugang finde, wertet es dieses ja nicht ab. Mich hat der Film oft an Kafkas Werke erinnert, die mich leider auch zwar beeindruckt aber nicht begeistert haben und im Endeffekt einfach zu sehr verwirren als dass ich sie wirklich genießen könnte.

5/10 Spinnen

FFFN Reviews: The Returned

Der Frühling naht und es ist somit Zeit, um rauszugehen, an den Blumen zu riechen oder ein ganzes Wochenende im Kino zu verbringen.

Die Fantasy Filmfest Nights sind ein kleiner Vorgeschmack auf das Fantasy Filmfest im September (das uns für 12 ganze Tage angekündigt wurde, ich bin gespannt). Zwei Tage lang gibt es die übliche Mischung aus “fear good movies”, die sich größtenteils aus Horrorfilmen und Thrillern und Dramen zusammensetzen, gespickt mit den ein oder anderen Genren-Ausflügen.

Meine FFF-Nights begannen am Samstag mit THE RETURNED von Marco Carballo, der die Gruselzene 2010 mit EXORCISMUS betrat.

“Those people are timebombs!”

 

Die meisten Zombiefilme beschäftigen sich entweder mit dem Ausbruch der Epidemie oder dem Überleben im postapokalyptischen Wasteland. Die Welt in THE RETURNED hat sich wieder berappelt und alles läuft seinen normalen Gang, denn das Virus konnte kontrolliert werden. Wer einen Biss und die Behandlung überlebt, wird zum “Returned”. Ab jetzt hält die tägliche Injektion mit einem Protein das Virus hinter Schloss und Riegel und man kann normal weiterleben.

Wären da nicht die üblichen Vorurteile und Panikmache in der Bevölkerung wie man sie von realen Krankheiten wie beispielsweise HIV kennt. Da wundert es nicht, dass Gitarrist Alex (gespielt von Kris Holden-Ried, den mancher aus “The Tudors” kennt) seinen Status als “Returned” lieber geheim hält. Nur seine Partnerin Kate (Emily Hampshire) weiß davon. Ihre traumatischen Erfahrungen während der Zombieapokalypse verarbeitet sie, indem sie als Ärztin den “Returned” hilft und Aufklärungsarbeit leistet. Zunächst ist es nur ein Gerücht, dann bittere Realität: das Gegenmittel wird knapp. Nun heißt es, in einer Welt, die sich zunehmend gegen die “Returned” wendet, Alex’ Überleben zu sichern und dabei zu entscheiden: welches Leben ist lebenswerter?

Das Zombie-Genre kann man derzeit leider durchaus als ausgetreten bezeichnen. Frische Pfade, die filmisch zu entdecken sind, gibt es kaum noch mehr. Um so überraschter war ich von diesem Ansatz einer postapokalyptischen Settings, der sehr vielversprechend klang. Leider konnte der Film meine Erwartungen nicht erfüllen.

Sehr viele Ansätze für eine  Geschichte wurden entweder nur kurz angerissen oder ganz beiseite gelassen. So sieht die Welt zehn Jahre nach dem Ausbruch eigentlich genauso aus, wie heute (nur etwas blaulastiger) und das, obwohl laut der Aussage des Films die Population noch mehr als von der Pest dezimiert wurde. Das Protagonistenpärchen wurde darauf ausgelegt, das Publikum zu Tränen zu rühren, aber nach ein paar äußert konstruierten Situationen, die mir sehr inkonsistent zu den vorherigen Handlungen der Charaktere erschienen, war ich von ihnen mehr genervt als gerührt. Das lag auch an dem Schauspielstil von Hampshire, den ich nicht besonders mochte.

Das Ende beinhaltet einen Plottwist, der schocken soll, doch ich habe ihn an anderer Stelle sehr viel effektiver gesehen und gelesen und daher verpuffte die Wirkung bei mir leider. Zudem übertrieb es die Kamera dann doch arg mit dem Einsatz von Tiefenschärfe, die als angenehmer visueller Effekt anfing und irgendwann nur noch zu schmerzenden Augen führte.

Fazit: Ein mittelmäßiger Film für einen gemütlichen Regenabend daheim, aber kein Must-have in der Zombiekollektion.

6/10 grüne Glasphiolen

So.

Jetzt hab ich’s doch gemacht. Noch ein Internetprojekt. Noch ein deutsches Blog unter Tausenden. Mal sehen wie lange ich das diesmal durchhalte.

Daher der Vorsatz: Ich verlinke das hier nirgendwo, bis nicht zehn Einträge stehen. Dann ist zumindest die Chance gegeben,dass ich nach drei Tagen schon wieder die Lust verliere 😉