FFFN Reviews: Enemy – Ich glaub’, ich spinne

“What is happening?”

Das Motiv des Doppelgängers ist in allen Genres gleichermaßen beliebt. Und so schrieb auch Literaturnobelpreisträger Josè Saramago einen Roman namens “Der Doppelgänger”, in dem ein Geschichtslehrer durch Zufall entdeckt, dass ein unbekannter Schauspieler genauso aussieht, wie er selbst. Der kanadische Regisseur Denise Villeneuve brachte das Buch als ENEMY auf die Leinwand und besetzte Jake Gyllenhaal mit der Doppelrolle.

Saramagos “Die Stadt der Blinden” zählt zu meinen Lieblingsbüchern und surreale Filme sehe ich ab und zu ganz gerne, also ließ ich mich auf dieses Experiment gerne ein. “Der Doppelgänger” kenne ich bisher nicht, habe aber bei dem (gescheiterten) Versuch, den Film besser zu verstehen die allwissende Müllhalde Wikipedia befragt. Anscheinend ist der Film eine stark verkürzte Version der Buchvorlage.

Geschichtslehrer Adam Bell (Gyllenhaal) lebt in einer abgehalfterten Wohnung, hat einen repetetiven Job und eine kalte, unpersönliche Beziehung in der zumindest das Sexleben stimmt. Durch Zufall entdeckt er in einem Film im Hintergrund einen Schauspieler, der ihm zum Verwechseln ähnlich sieht. Schon bald ist er in einer Spirale der Obsession mit seinem Doppelgänger und dessen Leben gefangen.

ENEMY ist sicher einer der surrealsten Filme die ich je gesehen habe (dazu zählt u. a. RUBBER). Jedesmal, wenn ich ungefähr dachte, herausgefunden zu haben worum es zum Teufel überhaupt geht, wurde wieder etwas eingeworfen, dass meine wirren Theorien völlig über den Haufen warf. Der Film will keine Geschichte erzählen, sondern malt lieber Szenen mit ruhiger Hand und langsamen, sorgfältig gestalteten Shots. Jedes  Gebäude, jede Requisite hat seinen Platz und so entsteht eine sehr dichte Atmosphäre. Der sehr verwirrende Plot wird durch traumartige Zwischensequenzen noch seltsamer, bei denen Arachnophobiker besser kurz die Augen schließen sollten. Dialoge und Informationen sind sehr rar gesät. Das Publikum soll entscheiden, was hier die Bedeutung ist und ob es am Ende überhaupt eine Lösung geben soll und muss.

Das für sich genommen würde ein schönes Stück Filmkunst ergeben, wenn hier die Regler nicht alle einfach zu weit aufgedreht worden wären. Der künstlerische Gelbstich wirkt wie der Alptraum eines Instagram-Hipsters. Das Cello im Soundtrack ist erst düster und verstörend, nervt aber nach einer Weile nur noch im Hintergrund herum. Die Besetzung ist erstklassig (Isabella Rossellini hat einen kleinen aber feinen Gastauftritt) aber so ganz ohne Dialoge kommen die bedeutsamen Blicke, die sie sich gegenseitig oder einfach nur in die Gegend werfen oft auch hilflos oder gelangweilt herüber. Und die Traumsequenzen sind derart bizarr, dass man sich die Frage stellt: Ist das Kunst oder kann das weg?

Fazit: Kunst liegt immer im Auge des Betrachters und daher tue ich mich schwer, diesen Film zu bewerten. Nur weil ich zu einem Stück surreale Kunst keinen Zugang finde, wertet es dieses ja nicht ab. Mich hat der Film oft an Kafkas Werke erinnert, die mich leider auch zwar beeindruckt aber nicht begeistert haben und im Endeffekt einfach zu sehr verwirren als dass ich sie wirklich genießen könnte.

5/10 Spinnen

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