FFFN Reviews: Rigor Mortis – Asiahorror-Wundertüte

“All the vampires have vanished miraculously – along with the vampire hunters”

Ein Grund warum ich seit einigen Jahren so gerne zum Fantasy Filmfest und den Nights gehe ist, dass sie meinen filmischen Horizont auch über den europäischen und amerikanischen Tellerrand hin erweiterten. Ich muss zu meiner Schande geschehen, dass ich dort erst erfuhr, welche Perlen beispielsweise die koreanische und chinesische Filmszene birgt, gerade auch was Horrorfilme angeht. Der Trailer von RIGOR MORTIS versprach einen soliden, wenn auch nicht besonders originellen Gruselfim mit all dem, was Asia-Horror so zu bieten hat.

In der Tat kommt in RIGOR MORTIS ungefähr alles zum Zug, was ich je in asiatischen Horrorfilmen gesehen habe. Blasse Dämonenkinder, Rachegeisterfrauen mit langen Haaren und durch schwarze Magie wiedererweckte Untote spuken durch einen schimmligen, anonymen Apartmentkomplex mit seinen schrägen Bewohnern, die alle ein Geheimnis bergen. Hauptfokus liegt auf dem Schauspieler Chin Siu-ho, der eigentlich nur in das ruinöse Gebäude einzieht, um sich umzubringen. Gerettet wird er von Uncle Yau, dem man in seinem Outfit bestehend aus Bademantel und Feinripp seine Vergangenheit als Vampirjäger so gar nicht ansieht. Weitere Charaktere sind die gutmütige Auntie Mui, die für die Bewohner des Komplexes näht, ihr grummeliger Ehemann Uncle Tung, die verstörte Feng und ihr Sohn Pak, die nachts durch die Gänge schleichen und der sinistre Kau, der schwarze Magie praktiziert.

Nach Ende des Filmes hatte ich zwei Vermutungen: Erstens, dass mir nach dem doch recht überraschenden und emotionalen Twist der Film bei einem zweiten Durchgang sehr viel besser gefallen würde. Denn durch den absoluten Overkill an Tropen, Mythen und Horrorgestalten war er für mich sehr schwer verdaulich, obwohl sie für sich alle wunderbar inszeniert und gruselig waren – als würde einem drei verschiedene Lieblingsgerichte auf einmal serviert. Das Ende gibt aber zumindest einen Anhaltspunkt für dieses wirre Potpourri. Zweitens, dass mir höchstwahrscheinlich eine Menge Hintergrundwissen fehlt, mit dem der Film überhaupt erst lesbar ist. Tatsächlich bestätigte eine kurze Internetrecherche, dass RIGOR MORTIS eine Hommage an chinesische Vampirfilme der 80er im allgemeinen, der Serie MR VAMPIRE im speziellen und ohne Kenntnis der chinesischen Folklore und Mythen eigentlich nicht zu verstehen ist. Auch die Schauspieler hätten  bei einem chinesischen Publikum hohen Wiedererkennungswert – der aus den in den 80ern gefeierten Vampirfilmen bekannte Chin Siu-ho spielt sich in der Hauptrolle beispielsweise einfach selbst.

Fazit: Meine Wertung ist explizit aus meiner leider in dieser Hinricht recht ignoranten Warte als europäische Zuschauerin zu verstehen – ich bin mir sehr sicher, dass mir der Film in richtigem Kontext noch sehr viel besser gefallen hätte. Er hat mich auf jeden Fall sehr neugierig gemacht, denn all die Geschichten und Mythen, die dort angerissen wurden, waren sehr faszinierend – es war nur ein bisschen viel auf einmal.

7/10 Räucherstäbchen

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