Aside

FFFN Reviews: Snowpiercer – Dystopie im ÖPNV

“I belong to the front, you belong to the tail!”

SNOWPIERCER spielt in der nicht allzu fernen Zukunft. Eine  Maßnahme gegen die steigende globale Erwärmung ging leider voll nach hinten los und stürzte die Erde in eine neue Eiszeit. Die letzten Überlebenden der Menschheit fanden Zuflucht in einem Hightechzug der, unabhängig von externen Energiequellen, seither seine Bahnen durch die permagefrorene Welt zieht. Die Gesellschaft im Zug strukturiert sich nach den einzelnen Klassen: hinten im Zug fristet die Unterschicht ihr Dasein in engen, dreckigen Massenabteilen. Zuggeborene Kinder haben noch nie Sonnenlicht gesehen oder etwas anderes als die rationierten Proteinblöcke gegessen.

An der Zugspitze lebt die Elite, wohlgenährt und sauber. Sie bestimmt über alle wichtigen Ressourcen und setzt die Ordnung im Zug mit Gewalt und hohen Strafen durch. Doch eine Verschwörung ist im Gange, mit der die frustrierten Bewohner des Zugendes das brutale Regime umwerfen wollen. An der Front steht Curtis (Chris Evans, CAPTAIN AMERICA), ein von seinen Selbstzweifeln und einer dunklen Vergangenheit getriebener Mann, der mit seiner Rolle als Rebellenführer noch nicht wirklich einverstanden ist. An seiner Seite der weise, aber inzwischen gebrechliche Mentor Gilliam (britischer Topschauspieler John Hurt, der in Dystopien wie NINETEEN EIGHTY-FOUR und V FOR VENDETTA sowohl schon den Unterdrückten als den Unterdrücker spielen durfte) und der zuggeborene Edgar (Jamie Bell, BILLY ELLIOT), voll jugendlichem Tatendrang. Der erste Schritt zur Erstürmung des Zuges: Die Befreiung des Sicherheitstechnikers Namgoong Minsu (Song Kang-ho, THE HOST) aus dem Gefängniswagen – er soll den Rebellen die Tore zwischen den Waggons öffnen.

Sehr viel mehr braucht und sollte man von SNOWPIERCER gar nicht wissen, denn der Film besticht unter anderem durch sein exzellentes Storytelling. Obwohl der Film all das hat, was einen Hollywood-Blockbuster ausmacht – Action, High-Tech und eine prominente Besetzung –  stopft der koreanische Regisseur Boon Joon-ho dem Publikum in seinem ersten englischsprachigen Film Hintergrundgeschichte und Motivationen der Charaktere nicht  mit dem Löffel in den Mund. Anders als in so vielen belanglosen Hollywoodproduktionen vertraut er auf Beobachtungsgabe des Zuschauers und  spielt mit den Erwartungen des Publikums. So erlebt man tatsächlich nicht erst am Ende einige Überraschungen.

Fazit:  Bereits nach zehn Minuten hatte mich der Film mit seiner dynamischen Story und den charismatischen Persönlichkeiten so sehr am Schlaffittchen, dass ich unbedingt wissen musste, wie er weiterging. Mit jedem Tor, dass die Rebellen öffnen und mit jedem Waggon kommt ein Stück Geschichte zu Tage und gemeinsam mit Curtis staunt, leidet und kämpft man sich durch, bis zum Führerhaus wo der ominöse Wilson, Erbauer und Führer des Zuges, und die letzten zu lüftenden Geheimnisse befinden.

Ein spannender, facettenreicher Film, der trotz reichlich Action nie platt wirkt und auf tiefe Charaktere anstatt billiger Effekthascherei setzt. All das macht es auch einfacher, das bei näherer Betrachtung doch etwas wacklige Setting zu ignorieren und sich einfach mitreißen zu lassen. Allein wegen der großartigen Tilda Swinton als Ministerin Mason, der Margaret-Thatcher-esquen Exekutive von Wilson, sollte man ihn sich unbedingt ansehen.

9/10 Kakerlaken

Advertisements

Leave a Reply

Fill in your details below or click an icon to log in:

WordPress.com Logo

You are commenting using your WordPress.com account. Log Out / Change )

Twitter picture

You are commenting using your Twitter account. Log Out / Change )

Facebook photo

You are commenting using your Facebook account. Log Out / Change )

Google+ photo

You are commenting using your Google+ account. Log Out / Change )

Connecting to %s