Fantasy Filmfest 2014: “Jamie Marks is Dead” & “13 Sins”

Mein zweiter Tag auf dem Fantasy Filmfest und diesmal zwei Filme hintereinander, eine Coming of Age-Story mit einem Schuss Gespenstergeschichte und ein Thriller mit einem Plot, der ein bisschen an SAW erinnert.

 

JAMIE MARKS IS DEAD

I always hoped it would be you, Adam.

 

Jamie Marks, Teenager aus einer abgeranzten Kleinstadt im amerikanischen Nordosten, wird tot unter einer Brücke gefunden. Postmortem erhält er mehr Sympathien und positive Aufmerksamkeit als jemals zu Lebzeiten. Dort diente er eher als Fußabtreter für die beliebteren Schüler oder wurde einfach nur ignoriert.

Etwas lässt ihn wohl nicht ruhen, denn er erscheint zwei seiner ehemaligen Mitschüler als Geist: Gracie, die ihn beim Steinesammeln gefunden hat und dem sportlichen Adam. Letzterer hat zwar nicht zu Jamies Qualen in der Schule beigetragen, sie aber auch nicht verhindert.  Er freundet sich mit Jamies Geist an und versucht, ihm zu helfen.

Der Film ist schwierig zusammenzufassen, da mir der größte Teil seiner Geschichte immer noch unklar ist. Viel wird angedeutet, noch mehr offen gelassen und einige Dialoge und Szenen ergeben einfach keinen Sinn.  JAMIE MARKS IS DEAD  kann sich nicht entscheiden, in welcher Richtung er gehen will – Coming of Age, Coming Out, Familenmelodram, Geistergeschichte, kaum wird etwas vertieft, schlägt die Richtung schon wieder um. Durch all das stolpert der wohl nervigste Geist seit Casper, dem freundlichen Gespenst, der an jeglicher Gruseligkeit verliert, sobald er den Mund öffnet. Im Endeffekt macht es gar keinen Unterschied, dass Jamie Marks tot ist, außer dass er sich noch komischer anzieht und noch seltsamer geschminkt ist als Adams sonstige Mitschüler.

Ich schätze normalerweise Filme, die von der leider gängigen Hollywood-Methode des Mainstreamkinos abweichen, bei der dem Zuschauer jedes Denken abgenommen wird. Aber wenn man am Schluss mit einem Haufen Fragen dasteht, sich aber nicht wirklich für die Lösung interessiert, da weder Handlung noch Figuren einen so wirklich mitgerissen haben, ist meiner Meinung mindestens eine Metaebene zu viel eingebaut worden.  Die Wendung am Schluss ist zudem nicht wirklich eine und alle Figuren außer Adam und Jamie so flach angelegt und belanglos an den Plot gestrickt, dass man sie auch einfach hätte weglassen können – hierzu zählt auch Adams Mutter, gespielt von Liv Tyler, die so gar nicht in diese bröckelnde Szenerie und zu den traurigen Gestalten um sie herum passt und deren Gage man sich getrost hätte sparen können.

Der Film basiert auf dem Jugendroman ONE FOR SORROW und  hat ganz gute Kritiken erhalten, daher schließe ich nicht aus, dass ich vielleicht einfach mit Teenage-Supernatural-Drama nicht so viel anfangen kann. Mich hat schon THE LOVELY BONES (Buch, nicht der Film) wenig mitgerissen.

Eine bizarre Komponente erhält der Film dadurch, dass Noah Silver, der Jamie spielt, Daniel Radcliffe aus HARRY POTTER sehr ähnlich sieht – seine Schauspielerkollegen Cameron Monaghan und Morgan Saylor sind dazu noch ein rothaariger Junge und ein strubbelhaariges Mädchen. Zufall? Nur noch eine offene Frage, deren Antwort mich nicht wirklich interessiert.

4/10 Steinen

 

13 SINS

Congratulations! You have been selected to be part of  a one-of-a-kind game show!

Seinen Job zu verlieren kommt nie zur rechten Zeit, aber bei Versicherungsvertreter Elliot hätte es wohl zu keinem schlechteren Moment passieren können: Die Hochzeit mit seiner Frau Shelby (Rutina Wesley, TRUE BLOOD) steht vor der Tür, sie ist schwanger mit seinem ersten Kind und zudem sind noch sein altersstarrsinniger Vater und sein geistig behinderter Bruder Michael von ihm abhängig. Entlassungsgrund: der Chef hält ihn für rückgratslos- Tatsächlich kann Elliot nicht einmal eine ihn nervende Fliege erschlagen, während er nachts an einer verlassenen Kreuzung brav an einer roten Ampel hält. Da bekommt er einen seltsamer Anruf: Erschlägt Elliot die Fliege, erhält er 1000 Dollar. Isst er die Fliege,  dreimal so viel.

So beginnt ein Spiel mit weiteren 11 Herausforderungen, die Elliot alle annehmen muss, um am Ende reich zu sein – alle Straftaten, die er während des Spieles begeht, so der mysteriöse Showmaster am Ende der Leitung, würden aus seinen Akten gelöscht. Und es sind einige, Brandstiftung noch mit die harmloseste. Die Spirale dreht sich rapide abwärts und Elliot verfällt langsam dem Rausch der Rücksichtslosigkeit.

13 SINS kommt von einem deutschen Regisseur, Daniel Stamm, dessen Mockumentary THE LAST EXORCISM ich beim Fantasy Filmfest 2010 schon nicht schlecht fand. Nach dem sich sehr ziehenden JAMIE MARKS war ich sehr dankbar, dass bei 13 SINS schon in den ersten Minuten ordentlich auf den Tisch gehauen wird und man gleich weiß, woran man ist: Actiongeladene Psychospielchen, die zwischendurch ziemlich fies sind aber oft auch einfach in ihrer Abgedrehtheit und/oder Morbidität zum Lachen bringen. Vom immer schneller werdenden Tempo erinnerte mich das Ganze an das Kammerspiel BRAKE vom vorletzten Jahr, nur dass bei 13 SINS der Twist am Ende des Filmes nicht das gesamte Kinoerlebnis ruiniert. Schließlich ist eine Komponente auch die der globalen Verschwörung und in dem Genre  kommt man ohne Twists nicht aus.

Kein allzu tiefgehender Film, der aber gut unterhält und vor allem durch seinen Protagonisten ( Martin Free… ähh, Mark Webber), schwarzen Humor und fein getimte Situationskomik punktet (wann lacht schon ein ganzes Kino wegen dem Piepston einer SMS?). Ein bisschen enttäuscht war ich, als ich herausfand, dass der Film ein Remake eines thailändischen Filmes ist (13 เกมสยอ) – muss so etwas immer für den westlichen Markt gemacht werden?

7/10 Fliegen

 Morgen geht es weiter mit AMONG THE LIVING (eine Art STAND BY ME auf französisch) und das Centerpiece WHAT WE DO IN THE SHADOWS, eine Vampirkomödie, auf die ich mich besonders freue.

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