Fantasy Filmfest 2014: Among the Living – Versteckt eure Kinder

Sonntag waren wieder zwei Filme angesagt, aber ich befürchte, heute bleibt mir nur Zeit, einen davon zu rezensieren, also kommt hier erstmal

AUX YEUX DE VIVANTS / AMONG THE LIVING

There is something under my bed.

Als uns einer der beiden Regisseure, der geradezu kriminell gutaussehende Julien Maury, vor Beginn des Filmes vorgestellt wurde, bekam ich kurz Angst. Denn es wurde erwähnt, dass zu seinen gemeinsamen Werken mit Kollege Alexandre Bustillo auch LIVIDE  gehörte, den ich weniger gut in Erinnerung hatte (um meinen Kinokumpel zu zitieren: “Auf dem Weg  nach Okayhausen doch noch die Abfahrt verpasst”). AMONG THE LIVING hatte mit diesem Film allerdings glücklicherweise nur wenig gemeinsam.

Die drei Freunde Victor,  Tom und Dan stehlen sich während des Nachsitzens aus der Schule, um ein wenig die Gegend unsicher zu machen. Nach einem versiebten Kokelversuch streunen sie auf dem Gelände eines alten Filmsets herum und machen eine furchtbare Entdeckung: Ein unheimlicher, vermummter Mann schleppt ein Auto heran, in dessen Kofferraum sich eine gefesselte junge Frau befindet.

Die alarmierte Polizei wurde leider auf der uns schon leidlich bekannten Trottelakademie für Horrorfilmpolizisten ausgebildet und so bricht die Dunkelheit an und der Fremde steht nach und nach bei jedem der Jungen auf der Matte. Das Versteck, in dem er lebt, kann nämlich um keinen Preis entdeckt werden und so müssen die einzigen Zeugen mundtot gemacht werden.

AMONG THE LIVING legt schon im Prolog so richtig los und auch im weiteren Verlauf des Filmes spritzt das Blut nur so munter durch die Gegend, in Szenen die teils Schlag auf Schlag folgen und manchmal aber auch quälend langsam hingezogen werden. Atempausen liefern lediglich die unbeschwerten Szenen zwischen den drei Jungen , die stark an STAND BY ME erinnern, und Victors heile Familienwelt, um die man sich zum Schluss um so mehr mitsorgt. Der Film spielt mit klassischen Slasherelementen und urbane Grusellegenden (“Welcher Clown?”), die anstatt abgeschmackt zu wirken den Spannungsbogen bis zum Anschlag aufdrehen. LIVIDE’s Hauptdarstellerin Chloé Coulloud hat eine kleine Nebenrolle als  Babysitterin (was mit denen in Horrorfilmen normalerweise geschieht, kann man sich ja denken).

Das Einzige, was ich an dem Film auszusetzen habe ist, dass er zu viel auf einmal versucht und so weder der einen noch der anderen Genrerichtung komplett gerecht wird. Man könnte glatt drei Filme aus all dem Material stricken – allein das verlassene Filmgelände war eine wunderbare Horrorkulisse und man war fast enttäuscht, sie so schnell zu verlassen. Auch auf dem Hintergrund des Psychokillers hätte man ruhig mehr Zeit verwenden dürfen und vielleicht die ohnehin nur schnell angerissene Coming-of-Age-Komponente einfach weglassen sollen. Zudem kam mir das Ende ganz gelegen, um nicht völlig mit den Nerven am Boden aus dem Kino zu kriechen, dürfte anderen jedoch zu kitschig sein, gerade im Kontrast zu den sonst eher gnadenlosen Grausamkeiten zuvor.

Ich jedenfalls bin mehrfach tief im Sitz versunken und das sollte bei einem guten Horrorfilm ja auch genau so sein.

7/10 Clownsmasken

 

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