Wollsocken für die Demokratie

Für mich bedeutete das einmal mehr Herumstehen in eisiger Kälte, während hinter einer massiven Polizeiabsperrung Kögida trotzig ihre Deutschlandflaggen in die Höhe reckten. Obwohl mir die Füße trotz dicker Socken und festem Schuhwerk fast abfroren, innerlich  kochte ich. Wie jedes Mal, wenn ich in den vergangenen Wochen einen Blick auf dieses traurige Trüppchen werfen musste, das hinter der Masse der Gegendemonstranten und aufgebotener Polizei fast verschwand.

Warum eigentlich? Was macht mich so wütend an dieser ganzen Geschichte? Eine Antwort gibt vielleicht dieses Video. Vier Tage verstaubte der Link schon in meinen Bookmarks. Zu heutigen Zeiten schon fast ein alter Hut, aber ich wusste, ich würde mich sowieso nur wieder aufregen. Inzwischen hat es wieder Aktualität gewonnen, da nach Bachmanns Hitlerfoto-Fail anscheinend genau diese Dame jetzt das Ruder in die Hand nehmen wird. Wenn es überhaupt noch einen gemeinsamen Kurs gibt, auf dem Pegida, Legida, Kögida und wie sie alle heißen, fahren wollen. Von den meisten Ablegern wurde sich ja schon fleißig distanziert.

Bringt ja nix, wie der Rheinländer sagt, also los geht’s.

Ganz angesehen habe ich es mir nicht, ich gebe es gerne zu. Irgendwann hab ich es einfach nicht mehr ertragen und neu war sowieso nichts von dem, was in der Debatte aufkam. Aber ich kann jetzt klarer definieren, was mich so wütend macht: der Unwillen, sich mit der Realität abzufinden.

Mit einer enervierenden Penetranz will das #kögida -Trüppchen einfach nicht wahrhaben, dass sie in Köln nicht willkommen sind. Deswegen muss ich jede Woche frieren. Und genauso resistent gegen jede Fakten fordert Frau Oertel, dass Pegida bitte doch mal endlich jemand zuhört, während sie in einer Sendung mit 5,57 Millionen Zuschauern sitzt, zu der sie explizit eingeladen wurde, um ihre Meinung zu sagen. Themen wie Asyl und Integration sollen endlich enttabuisiert werden! In Deutschland darf da niemand drüber sprechen. Seht ihr?

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Die Medien schweigen! In Großbuchstaben! Auf Seite eins! Die Bücher von Sarrazin und Pirinçci schreien von den Bestsellerlisten was man ja wohl noch sagen darf in Deutschland.

Ey. Leute. Euch hören alle zu. 

Ok, nicht alle, aber die meisten.

Ich kann nicht für jeden der Menschen sprechen, mit denen ich jede Woche gegen Pegida auf die Straße gehe. Aber diejenigen, die ich kenne, tun genau das eben WEIL wir Pegida sehr genau zugehört haben. Vielen gefällt das nicht und so füllen wir die Straßen. Und was ist die Reaktion? Auf Twitter jammerte mir ein #kögidia-Sympathisant die Ohren voll, dass ihr Demonstrationsrecht beschränkt wurde. Schließlich konnte #kögida wegen der Massen an Gegendemonstranten bei ihrem ersten Aufmarsch nicht loslaufen. Schade, dass ich ihn geblockt habe, sonst hätte ich hier einen schönen Screenshot, wie er uns mit Putin vergleicht. Als Ersatz ein paar niedliche Russisch Blau-Kätzchen.

Awww.

Anyway.

Wenn ein paar Tausend Menschen einer anderen Meinung sind, ist das keine Unterdrückung und auch keine Rechtebeschneidung. Wir haben uns zumindest die Mühe gemacht, die Fakten nachzulesen. Könnte Pegida vielleicht ja auch mal machen. Aber nein, hups, Lügenpresse ist ein Begriff aus der Nazipropaganda? HAT UNS KEINER ERZÄHLT.  In Köln leben 10 % Muslime und bisher keine Islamisierung in Sicht? Geht Frau Oertel einfach drüber hinweg, nachdem Herr Jauch endlich mal nachhakt, und erzählt Anekdötchen aus Neukölln. Das klingt so ähnlich, liegt aber in Berlin. Den Kölnern ein Integrationsproblem herbeizureden war ihr wohl doch zu schwierig.

Während ich dies hier mit Schaum vor dem Mund in die Tastatur hackte schrieb, wurde mir ein Artikel verlinkt. Pegida hat wohl doch erkannt, dass der Kurs ein anderer sein muss, möchten sie ernst genommen werden. Also wird sich erstmal schön weiter von dem Monster distanziert, dass man selbst im Keller gezüchtet und auf die Menschheit losgelassen hat und umgeschaut, wo sich andere Verbündete finden lassen. Meine dicken Socken für Mittwoch liegen jedenfalls bereit.