Mehr Kopf, weniger Herz

Liebe Impfgegner im Internet,

ich bin kurz davor, zu kapitulieren. Es hat ja doch keinen Sinn mit euch.  Als Beispiel dieses Facebook-Post.

fb impfen

Ja. Was soll man dazu noch sagen. Entweder gar nichts, oder sehr viel.

Bitte, nehmt euch mal eine halbe Stunde Zeit und versucht wenigstens nachzuvollziehen, worum es mir und den anderen Impfbefürwortern geht.

Zunächst eine kleiner Kurs in Sachen Immunsystem. Kurz und unterhaltsam.

Alles klar?

Dann ein bisschen Nachhilfe zum Thema  “Argumentieren im Internet”. Es gäbe eine Menge zu sagen (Stichwort: Anekdotische Evidenz) aber ich bleibe beim Kernproblem:

Korrelation ist nicht gleich Kausalität. Das klingt kompliziert, heißt aber lediglich:

Zwei Dinge, die gleichzeitig auftreten, müssen sich nicht zwangsläufig bedingen.

Sagen wir, ihr kennt viele Männer mit Bart und sie alle haben Übergewicht. Ihr würdet doch auch nicht auf die Idee kommen, dass Bärte Übergewicht verursachen, oder?

Ungeimpfte Kinder können gesund und sozial sein. Geimpfte chronisch krank und furchtbar anstrengend. Das eine hat aber mit dem anderen allerdings wenig bis gar nichts zu tun.

Wie Kinder krank werden

Wie im Video beschrieben, ist das Immunsystem eines Menschen besser, je mehr Erfahrung es hat. Das Immunsystem eines  Kindes ist noch in der Ausbildung, sozusagen. Daher sind Kinder anfälliger für ansteckende Krankheiten. Zum Anstecken müssen sie natürlich anderen kranken Kindern begegnen. Ein Kind, das keinen Kindergarten besucht, hat also ein geringeres Risiko, häufiger krank zu werden. In dem Punkt hat die Dame im Facebook-Post also höchstwahrscheinlich recht.

Kinderkrankheiten sind kein Kinderspiel

Es gibt nun zwei Arten von Krankheiten, mit denen sich das Kind anstecken kann. Ein Schnupfen oder eine Bindehautentzündung sind lästig, aber bald vorbei und lassen sich gut auskurieren.  Sie geben dem Immunsystem etwas zu tun und schon beim nächsten Mal ist die Chance gestiegen, dass es gar nicht zu einem Krankheitsausbruch kommt. Ein guter Deal, oder?Warum nicht auch beispielsweise bei Masern so vorgehen? Da ist man sogar immun, wenn man sie einmal gehabt hat. Durchmachen, immun sein, fertig. Und keiner muss gepiekst werden. Allerdings ist dies bei Masern ein Spiel mit dem Feuer. Es sterben jedes Jahr Tausende Kinder daran. Die Krankheit kann außerdem gefährliche Spätfolgen haben und daher wurde ein Impfstoff dagegen entwickelt. Wie im Video beschrieben, können so die Abwehrkräfte mobil gemacht werden, ohne dass die Krankheit durchlitten werden muss.

Geimpfte Kinder schützen ungeimpfte

Jetzt ist aber das ungeimpfte Kind so gesund. Und die Tante Frida war auch nicht geimpft und hatte nie Masern. Irgendwas muss man ja richtig gemacht haben. Nein, hier handelt es sich um einen weiteren Fehlschluss. Wir erinnern uns: Korrelation ist nicht Kausalität. Die wahre Ursache für die Gesundheit des Kindes und der Tante ist der sogenannte Herdenschutz.  Masern können sich in einer Population nicht ausbreiten, in der die meisten Menschen dagegen immun sind. Davon profitieren alle, die nicht geimpft werden wollen oder können.

Verantwortung für die anderen

“Jeder soll seinen Weg gehen” schreibt die Mutter auf Facebook. Das mag stimmen – bei Dingen, die nur einen selbst etwas angehen. Bei der Wahl des Babybettchens, des Kindergartens, der Schuhmarke – das alles sind persönliche Entscheidungen, die nur das eigene Familienleben betreffen. Aber Impfungen betreffen leider alle. Sobald nicht mehr genug Menschen immun gegen Masern sind, brechen sie aus. Das ist ein Fakt, der in den USA leider schlimme Realität geworden ist.

Ganz besonders tragisch ist dies für Menschen, die nicht immunisiert werden können. Beispielsweise Neugeborene oder Kinder, deren Immunsystem durch eine Chemotherapie geschwächt wurde. Selbst wenn ihre Eltern sie vor Masern schützen lassen wollten, es ist nicht möglich. Infiziert sich so ein Kind  – und solche Fälle gibt es leider immer wieder – wird es auf den Weg der Impfgegner mitgerissen, gnadenlos, im schlimmsten Fall bis in den Tod. Für solche  Menschen ist der Herdenschutz eigentlich gedacht – die Stärkeren schützen die Schwachen und nehmen für sie auch das Risiko auf, das eine Impfung mit sich  bringt.

Impfschäden

Ja, es gibt das Risiko für Impfschäden und schönreden oder ignorieren möchte das niemand.  Es wird geschätzt, dass bei etwa zwei Millionen Masern-Röteln-Mumps-Impfungen eine Komplikation auftritt. Und niemand will, dass sein eigenes Kind dieser eine Fall ist. Ich möchte das auch nicht. Aber: Dieses geringe Risiko einzugehen bedeutet nicht nur, andere Menschen zu schützen, sondern dazu beizutragen, dass die Krankheit für immer ausgerottet wird. Dass es auch dieses kleine Risiko gar nicht mehr geben wird. Dann haben wir alle gewonnen und müssen auch der Pharmaindustrie weniger Geld in den Rachen werfen, die uns Impfbefürworter ja angeblich alle am Nacken hat.

Ich möchte nur darum bitten, mehr mit dem Kopf zu denken, und nicht mit dem Herzen. Auch wenn uns das bei den eigenen Kindern sehr oft schwerfällt.

P.S: Bei all dem Linksuchen und Nachlesen habe ich den Absatz glatt übersprungen, wo Impfen u. A. mit dem Mitlaufen im Dritten Reich verglichen wird. Dazu nur ein letzter Link: Godwin’s Law. Den Rest behalte ich lieber für mich.

Advertisements

Leave a Reply

Fill in your details below or click an icon to log in:

WordPress.com Logo

You are commenting using your WordPress.com account. Log Out / Change )

Twitter picture

You are commenting using your Twitter account. Log Out / Change )

Facebook photo

You are commenting using your Facebook account. Log Out / Change )

Google+ photo

You are commenting using your Google+ account. Log Out / Change )

Connecting to %s