Blogstöckchen von #fettlogik

Weiter mit einem Thema, das den Begriff “First world problem” tatsächlich verdient hat: Übergewicht. Laut RKI sind 67% aller Männer und 53% aller Frauen in Deutschland inzwischen übergewichtig – und ich war es nach meiner Schwangerschaft auch. “Was, du, übergewichtig?” würden Freunde und Bekannte jetzt empört dagegenhalten – eine Falschwahrnehmung oder wie ich heute sage, “Fettlogik”. Denn nur weil jemand nicht aussieht wie Rainer Calmund kann er oder sie trotzdem für seine Körpergröße übergewichtig sein.

Dieses Übergewicht bin ich inzwischen los und warum und wie erfahrt ihr im Blogstöckchen, das mir Nadja aka erzaehlmirnix in ihrem Blog “Fettlogik überwinden” zugeworfen hat. Dies und ihr zugehöriges Buch haben maßgeblich zum Verschwinden meiner überflüssigen Kilos beigetragen.

Wie & wann bist du auf Fettlogik gestoßen?

Anfang des Jahres. Ich hatte die erzaehlmirnix-Comics auf Twitter und Facebook verlinkt bekommen und bin über diesen Post dann auf das Fettlogik-Blog gestolpert.

Hattest du vorher irgendwelche Erfahrungen mit Gewichtsveränderung (Diäten o.ä.) und wie waren diese?

Ich war immer ein zierliches Kind und auch als dünne, unsportliche Jugendliche hatte ich eigentlich keinen Anlass zur Diät. Um mein Gewicht machte ich als Teenager trotzdem Gedanken. Ich habe eine sehr schmale Taille und fand mich mit meinen dünnen Armen und breiten Hüften immer unproportional und hässlich. Durch den Aufenthalt bei einer Gastmutter, die ihren Schützlingen nicht ausreichend Wegzehrung gab und verlor ich das erste Mal sichtbar – und unfreiwillig – Gewicht. Die Kilos weniger hätte ich nicht gebraucht, aber es war immer noch weit im gesunden Bereich und ich war das erste Mal seit Jahren wieder zufrieden mit meinem Po, wie das halt in dem Alter so ist. Als Studentin hatte ich keine Probleme, mein Gewicht zu halten, wenn es mal rauf ging, passte ich mit Süßigkeiten etc. mehr auf. Doch mit der Magisterarbeit, mit der Langzeitbeziehung und dem Bürojob stieg das Gewicht schleichend in einen Bereich, der mir nicht mehr gefiel. Ich nahm innerhalb etwa zehn Jahre etwa sieben Kilo zu. Halbherzige Versuche mit Sport und Verkneifen von Süßigkeiten und Pommes funktionierten nicht oder nur kurzfristig. Ich schob es auf’s Alter, völlig illusorisch wieder so viel wiegen wollen wie mit 21, oder? Und dick? Nee, dick war ich ja nie, also wozu etwas ändern.

Dann kam meine erste Schwangerschaft. Vom Arzt wurde ich ständig dafür gelobt, dass ich mein Gewicht so gut halten würde – bis zum Schluss hatte ich nur etwa 15 kg zugenommen. Ich achtete nicht wirklich akribisch darauf, außer mich eben ausgewogener als sonst zu ernähren und war daher auf fest davon überzeugt, den Schwangerschaftsspeck schnell loszuwerden. Ich dachte überhaupt gar nicht daran, dass es anders sein könnte. In der ersten Zeit nach der Schwangerschaft ging es dann auch recht schnell wieder Richtung Normalgewicht und nach einem Jahr ließ ich eine der zwei gewonnenen Hosengrößen hinter mir. Aber dann stagnierte es, nicht nur das, ich hatte das Gefühl, es ging sogar aufwärts, wie sonst ließe sich erklären dass von den fünfzehn zugelegten Kilo vor Geburt immer noch mysteriöserweise acht da waren? Und das, obwohl ich ehemalige Couchpotato als Mutter eines Kleinkindes so aktiv und beweglich geworden war! Egal wie ich es drehte oder wendete, meine alten Jeans kniffen nicht nur, sie ließen sich nicht mal ansatzweise schließen. Und das konnten nicht nur die Muskeln sein. Es machte mich unglücklich, denn ich gefiel mir mit den Extrakilos nicht, egal wie oft ich las dass Mütter nun mal was runder sind und das uns nur attraktiver macht. Aber was, wenn ich beim zweiten Kind nochmal acht Kilo zulegen würde? Dann wäre ich bald im 30er BMI-Bereich. Und dann?

Wie ging es dir beim Lesen? Hat sich durch das Lesen etwas verändert und wenn ja, was?

Erst habe ich ja das Blog entdeckt und am Anfang habe ich mich geärgert. Noch so ein Blog, das Frauen ein schlechtes Gewissen macht und ihnen einredet, es wäre ja alles so, so einfach. Als  Mutter hatte man ohnehin schon genug um die Ohren und jetzt auch noch abnehmen? Aber irgendwie konnte ich auch nicht aufhören, es zu lesen. Da war eine leise Stimme in meinem Hinterkopf, die schon seit Monaten jedesmal, wenn ich ein Foto von mir sah, flüsterte: “Das bist nicht du.” All meine zusammengelegten Ausreden fanden hier eine Antwort und da Nadja immer wieder schrieb, das Blog sei explizit nur als Begleitung zum Buch gedacht, bestelle ich erstmal eine Leseprobe. Da hatte ich ja nichts zu verlieren. Als die durch war, kaufte ich das Buch und las es in einem Rutsch durch.

Danach fühlte ich mich erst ertappt. Dann erleichtert. Es lag an mir, nicht an der Schwangerschaft. Dann war ich sauer über all die vergeudete Zeit. Und dann voller Energie. Ich wog mich, maß mich und die Zahlen schreckten mich nicht mehr, denn ich würde sie ja bald hinter mir lassen. Ich lud mir FDDB.de für mein Handy herunter und fing sofort damit an, meine Ernährung umzustellen. Und habe gleich wieder damit angefangen, täglich Fahrrad zu fahren, etwas, das ich seit meiner frühen Studienzeiten nicht mehr gemacht habe.

Bei welchen Kapitel(überschrifte)n warst du skeptisch, bzw. von welchen Fettlogiken warst du bisher überzeugt? Wie siehst du es jetzt?

Skeptisch war ich eigentlich  nirgendwo. Den ersten Schritt hatte ich ja schon vor Kauf getan, ich dachte, es muss schon was dran sein und mit der Einstellung hab ich das Buch dann auch gelesen. Ich habe sogar gar nicht von vorne bis hinten gelesen, sondern erst ganz gezielt die Fettlogiken ausgesucht, die mich betrafen, wie “Durch das Kinderkriegen nimmt man automatisch zu.” Überzeugt war ich von vielem, zum Beispiel dass abends essen schädlich ist, dass man frühstücken muss, dass Lightprodukte schaden, usw.

Welches Kapitel würdest du ergänzen?

Da fällt mir gerade nicht wirklich etwas ein.

Was war die letzte Fettlogik, der du begegnet bist, bei dir selbst oder anderen? Wie hast du reagiert?

Einer Fettlogik, der ich immer wieder begegne ist, “ich esse ja auch nur X Kalorien und ich nehme nicht ab” oder verwandt, “X kann ja essen was X will, ich nehme nur vom Ansehen zu”. Ich habe anfangs mit meinem neu angelesenen Wissen reagiert, habe aber inzwischen festgestellt, dass mein Enthusiasmus leider als verletzend oder anmaßend herüberkommt, eben weil ich auch in den Augen anderer nie “dick” war. Ich bin daher sehr vorsichtig geworden, über das Thema zu sprechen. Nur weil mir die Infos geholfen haben, heißt das ja nicht, dass andere sie hören wollen oder nützlich finden. Wenn jemand allerdings fragt, wie ich abnehme und dann mit Fettlogiken kontert warum das ja nicht sein kann, diskutiere ich die auch aus.

Hatte Fettlogik Einfluss auf deine Körperwahrnehmung und/oder die Wahrnehmung deiner Umwelt? Falls ja: Wie genau?

Ich habe festgestellt, wie stiefmütterlich ich meinen Körper behandelt habe. Nicht nur habe ich zwar alles über die Ernährung meines Kindes gelesen aber kaum auf meine eigene geachtet, ich habe mich auch so gut wie nicht bewegt. Schon wöchtentlichen, leichten Sport und tägliches Kinderwagenschieben habe ich mir als Wahnsinnsleistung angekreidet. Inzwischen bin ich entsetzt, wie viel Fastfood ich gegessen, wie viel Auto ich gefahren bin, Strecken die ich jetzt innerhalb weniger Minuten mit dem Rad zurücklege. Außerdem genieße ich Essen viel bewusster als früher, weil Dinge, die ich früher einfach nebenbei gefuttert habe, jetzt Belohnungen für eine aktive Woche sind.

Was die Umwelt angeht: die Zahlen kannte ich ja, dass mehr als die Hälfte der Bevölkerung übergewichtig ist, aber jetzt sehe ich es auch. Und auch das Überangebot an Essen überall. Ich sehe aber auch, wie sich ein Trend langsam etabliert, der Richtung Fitness geht, wie viele Leute durch den Wald joggen, wie viele Menschen auch in der Großstadt Fahrrad fahren.

Wenn sich dein Gewicht verändert hat: Welche Veränderungen bemerkst du an dir? Wie reagiert die Umwelt?

Das Gesicht im Spiegel sieht endlich wieder so aus, wie ich es erwarte und ich kann Fotos von mir ansehen, vorher habe ich sie meistens überblättert. Vom reinen Dünnerwerden abgesehen habe ich das erste Mal in meinem Leben sichtbare und fühlbare Beinmuskeln. Der Tag, an dem ich meine alten Hosen von vor der Schwangerschaft das erste Mal wieder einfach hochziehen und hochknöpfen konnte war ein Triumph. Inzwischen schlackern sie an Po und Oberschenkeln, dort wo Muskeln das Fett ersetzt haben – diesmal wirklich! Das Rückenweh, das mich seit der Schwangerschaft plagte, ist sehr viel besser geworden. Meine Umwelt reagiert eigentlich fast nur positiv. Vor allem Leute, die mich lange nicht gesehen haben, bzw. mich vor der Schwangerschaft gar nicht kannten haben ganz schön gestutzt. Ich bin auch, wie es früher einmal war, schneller satt und höre auch auf diese Körpersignale anstatt auf Sprüche “du isst ja wie ein Spatz” – ich weiß, dass ich für meinen Bedarf genau richtig esse

Vorher-Nacher Foto?

Das erste Foto ist zugegeben aus einem etwas unglücklichen, unnatürlichen Winkel aufgenommen. Aber gerade deswegen war es mit der Auslöser, dass es so nicht weitergehen konnte. Zuvor hatte ich Fotos von mir selbst wenn überhaupt nur von oben oder bei “richtigem Licht” zugelassen. Auf diesem spontanen Schnappschuss erkannte ich mich überhaupt nicht wieder. Die Hose, die ich auf dem zweiten Foto anhabe, stammt aus der Zeit vor der Schwangerschaft und saß da schon knapp. Damals hätte ich sie nicht mal schließen können.

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7. Juni, BMI 25,3 – leichtes Übergewicht.

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Heute: BMI 22,6 – mittleres Normalgewicht.

Danke, Nadja, für das Blogstöckchen und vor allem für Dein Buch, das nicht nur mir sondern vielen anderen zu einigen Erfolgserlebnissen und zu einem ganz neuen Lebensgefühl verholfen hat.

Das Buch gibt es derzeit nur als E-Book auf Amazon und in naher Zukunft auch als Taschenbuch. Ich war schon nach einer Leseprobe überzeugt, wenn ihr wollt, schaut es euch selbst an:

Dies ist ein sogenannter Affiliate-Link, d. h., solltet ihr das Buch über diesen Link kaufen, fällt eine winzige Provision für mich ab. Ich setze Affiliate-Links grundsätzlich aus eigener Motivation und nur für Produkte, die ich uneingeschränkt empfehle.

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