10 Bilderbücher, an denen auch Eltern Spaß haben

Bloggerregel Nr. 394: wenn man einen Blogpost nicht schreibt, schreibt ihn wer anders. Und so gab es bei dasnuf.de neulich schon zwei Kinderbuchempfehlungen, die vorlesende Eltern nicht in den Wahnsinn treiben, während dieser Eintrag in den Entwürfen Staub ansetzte.

Mein Lesepublikum befindet sich ja noch ein paar Alterklassen weiter unten, aber gerade bei Kleinkindern sollte dieses Kriterum nicht unterschätzt werden. Hat ein Kleinkind ein Buch ins Herz geschlossen, muss es immer und immer und immer wieder gelesen werden. Bei guten Bilderbüchern ist das schon anstrengend. Bei schlechten ist der 10. Durchgang physisch manchmal kaum noch zu ertragen.

Dazu zähle ich die vielen, schrecklich belanglosen  Bilderbücher, deren Autoren sich offensichtlich nie mehr als fünf Minuten mit einem aufgeweckten Kleinkind beschäftigen mussten. Anspruch an Charaktere oder Geschichte? Brauchenmernich, die Kinder versteeeehen das ja noch gar nicht. Hauptsache, irgendwer pupst. Oder ist frech. Und es gibt ein paar bunte Bildchen – UND DIE SIND OFT NICHT MAL SCHÖN!

Bevor ich mich hier aber aufrege und auf den üblichen Verdächtigen herumreite (ein gewisses schwarzes Federtier mit gestreifter Fußbekleidung wird hier besonders von den Vorlesenden gehasst), hier meine Empfehlung für Kinder ab zwei.

 

1. Rotraud Susanne Berner: Wimmlingen-Wimmelbücher

Führt nicht gerade King of Wimmelbuch Ali Mitgutsch die Feder sind Wimmelbücher leider oft eine sehr unkreative Angelegenheit. Rotraud Susanne Berner macht jedoch mehr, als einfach nur Seiten mit möglichst vielen Details vollzustopfen.  Alle Bewohner von Wimmlingen, wo jedes der Bücher spielt, haben nämlich  ihre eigenen kleinen Geschichten, die sich durch alle nachfolgenden ziehen (Winter, Frühling, Sommer, Herbst, Nacht). Für uns hatte das geradezu einen Seifenoper-Effekt. Wird Manfred Elke heiraten? Wie sieht der neugebaute Kindergarten aus? Wird der Fahrkartenautomat am Bahnhof wohl endlich repariert?   Auch die Natur rund um die Stadt ändert sich je nach Saison. Wir haben jedes Buch in der entsprechenden Jahreszeit gekauft und uns gemeinsam gefreut, wie die Kinder von Wimmlingen parallel zu unserem größer wurden. Außerdem gibt es unter den Einwohnern eine für deutsche Verhältnisse geradezu erfrischende Vielfalt.

2. Jackie French & Bruche Whatley: Tagebuch eines Wombats & Tagebuch eines Babywombats

Wombats haben wirklich ganz schön viel zu tun. Schlafen, fressen, sich kratzen – da ist eine Woche schnell vorbei. Und da sind noch diese komischen Wesen in dem großen Loch, die einfach nicht verstehen, was man am liebsten frisst. Vorbild für die durch und durch liebenswerten Wombat-Bilderbücher ist “Mothball”, ein Wombat, das bei der australischen Autorin Jackie French im Hinterhof lebt. Und dank Illustrator Bruce Whatley wissen wir jetzt, wie ausdrucksstark ein Wombatblick sein kann. Die Fortsetzung mit Mamawombat und Babywombat schafft es sogar, noch toller, als das erste Buch zu sein. Mein Reinkarnationsziel ist ab sofort jedenfalls eindeutig Wombat.

3. Alice Melvin: Emma kauft ein

Emma hat eine Liste mit zehn Dingen, die sie einkaufen möchte. Man kann sich zwar fragen, was ein kleines Mädchen mit einem Kakadu, einem Gartenschlauch und einem antiken Teppich anstellen möchte, aber bei Emma stehen vor allem die Bilder im Vordergrund, und die sind einfach wunderschön. Auf jeder Seite gibt es einen altmodischen Laden zu entdecken, bis zum Dach vollgestopft mit liebevoll gezeichneten Gegenständen. Schön für Kleinkinder sind die Reime und der Klappeffekt der Seiten, mit denen man die in die Geschäfte hineinsehen kann. Und auch wenn man meint, dass das Thema Einkaufen so viel Tiefe gar nicht hergibt – das Ende ist richtig toll. Da verzeiht man auch die etwas hakeligen Reime der deutschen Ausgabe.

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#aufaugenhöhe – auch 2016

Lieber Andreas,

heute spülte mir Twitter dies auf die Timeline.

 

Ich folgte dem Link, las ihn und tippte erst einmal mindestens eine halbe Stunde in Rage vor mich her. Dann erst merkte ich, dass der Blogpost, den du dort verlinkst, schon anderthalb Jahre alt ist. Und das Leute schon ausführlich darauf geantwortet haben. Wie Mama Notes zum Beispiel. Eine ganze Blogparade entstand, #aufaugenhöhe – die hab ich verpasst. Und du wohl auch.

Denn heute du verlinkst denselben Blogpost noch einmal. Unverändert. Vielleicht ist das ja auch nur ein Missverständnis. Vielleicht ist auch nur dein Twitterprogramm so eingestellt, dass es immer mal wieder ältere Links streut. Aber es wird Leute geben, die den Eintrag lesen. Und vielleicht ausdrucken und ihren Frauen hinlegen, wie du es vorschlägst. Und das möchte ich verhindern.

Auch anderthalb Jahre später ist die Situation immer noch dieselbe. Zwei Drittel der Arbeitszeit von Frauen ist unbezahlt – dazu zählt Kinderbertreuung und Haushaltsführung. Bei Männern ist es weniger als die Hälfte. Bei der Elternzeit hat sich auch kaum etwas getan. 80 % aller Väter, die Elternzeit nehmen, tun dies nur für 2 Monate. Haushalt und Kinder sind größtenteils weiterhin Frauensache. Dass viele Frauen (und auch viele Männer) diese Situation nicht zufriedenstellend finden, hast du im Feedback zu #aufaugenhöhe lesen können.

Auch ich sehe nicht ein, mich damit abzufinden, dass “Männer halt so sind”, wie du es schreibst:

” Wir haben bei vielen Dingen einen ganz andere Hemmschwelle als Frauen. Das muss genetisch sein.”

Gene sind eine tolle Sache. Es gibt Theorien, dass sogar Dinge wie die Tendenz zu Scheidungen genetisch veranlagt sein können (ich empfehle Interessierten an dieser Stelle immer die Bücher von Stephen Pinker). Aber obwohl ich mich als Lain gehörig aus dem Fenster lehne,  bin ich mir ziemlich sicher: Es gibt kein Gen, das leere Kühlschränke voll und volle Mülleimer als leer erscheinen lässt.

 

Alles andere ist eine Ausrede und auch dieser Brief ist nichts anderes, hübsch verpackt in Komplimente.  Wenn das “anbetungswürdige Geschöpf” namens Frau, das alles im Griff hat, nicht zur Arbeit ruft, dann wird wohl auch nichts sein. Und wenn die Göttin dann doch Hilfe von ihrem treuen Diener möchte, muss sie nur drei winzig kleine Dinge beachten:

“Wir sehen viele Aufgaben nicht, selbst wenn sie uns beißen.
Sagt uns was wir tun sollen und wir tun es.
Sagt es uns so, dass wir es verstehen.”

Frauen in einer derartigen Konstellation müssen sich nur leider wesentlich mehr als diese drei Dinge merken, denn auch wenn man jemanden zum Einkaufen abkommandiert, muss man sich ja erst mal grundsätzlich selbst merken, was gerade fehlt. Merken, wann das Kind vom Kindergarten geholt werden muss. Merken, wann die Waschmaschine gelaufen ist. Eine Liste, die ins Unendliche geht. Und wenn man müde ist oder hungrig oder einfach keine Lust auf diesen ganzen Kram hat, fällt uns Frauen das Merken genetisch kein bisschen leichter als Männern. Da landen diese drei Punkte höchstens auf Platz 334-336.

Daher, meine Bitte:

Liebe Männer, die diesen Brief auch im Jahr 2016 noch ausdrucken möchten, um ihn ihrer Frau vorzulegen:

Lasst es.

Wenn ihr euch nicht merken könnt, dass kein Brot mehr da ist, oder euer Kind abgeholt werden muss, dann liegt das nicht an eurem Männerhirn. Sondern daran, dass diese Dinge keine besonders hohe Priorität für euch haben. Werden im Radio die Staus durchgesagt, hört man bei der Autobahn der Gegenrichtung ja auch nicht mehr richtig zu.  Ich wette, zum Treffen mit Euren Freunden und ins Büro schafft ihr es meistens pünktlich und mit der richtigen Hose an. Und wenn ihr euch das wirklich, wirklich nicht merken könnt – dafür gibt es Kalender. Oder Apps. Oder einfach einen Zettel und einen Stift.

Dreht diesen unsäglichen Brief um und fangt direkt an.