Ghostbusters (2016)

Wenn irgendwie möglich, versuche ich unvoreingenommen ins Kino zu gehen. Schwierig bei einem Film, über den Meinungen so hitzig im Netz hin- und herflogen und das bereits seit Ankündigung. Und ich habe mich auch in mehr als einer dieser Diskussion beteiligt. Dass im Jahr 2016 ernsthaft der x-te Superman, Sherlock Holmes, Batman und die drölfte Spidermanvariante in allen möglichen Szenarien und Interpretationen akzeptiert wird, das Internet aber in bestimmten Ecken in Flammen aufgeht, weil Frauen Ghostbusters spielen – unglaublich. Einige der schlimmsten Ausbrüche haben die Fünf Filmfreunde hier gesammelt. So viel Hass kann ich nicht nachvollziehen. Es gibt einige Reboots, die mich nicht interessieren und die ich für völlig überflüssig halte. Meine Lösung ist einfach – ich sehe sie mir nicht an. Aber kaputt hat mir von diesen Filmen noch nie einer ein ganzes Franchise gemacht. Das schaffen Franchises meistens auch ganz gut alleine. Ich bin der Meinung: je mehr Vielfalt, desto besser. Warum? Darum.

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Aber auch ein Film mit sehr guten Intentionen kann trotzdem richtig mies sein. Ich war bereit, im Fall der Fälle einzugestehen, dass Ghostbusters handwerklich nicht überzeugt. Aber das war glücklicherweise nicht nötig – dessen Meinung waren auch meine Kinomitgänger, die von den vorlaufenden Diskussionen teilweise gar nichts mitbekommen hatten.

Ghostbusters ist sicher kein unvergessliches, niedagewesenes Kinoerlebnis, das mich transformiert zurückgelassen hat. Aber das habe ich auch nicht erwartet und bin daher auch nicht enttäuscht aus dem Saal gegangen. Ich habe das erwartet, was mir die anderen  zwei Filme auch geboten haben: ein bisschen Action, ein bisschen Grusel, schöne Effekte, sympathische Charaktere und witzige Dialoge. Und genau das bekommt man auch. Hier endet der spoilerfreie Teil. Alles, was etwas näher auf den Plot eingeht, folgt jetzt.

Der Film braucht etwas, um in Fahrt zu kommen – die Etablierung der einzelnen Figuren und der Aufbau der Hintergrundgeschichte hat ein paar Längen. Doch als das Team dann zusammenkommt und die Geisterjagd beginnt, kann man sich zurücklehnen und zwei Stunden gut gestrickter Unterhaltung folgen. Leider hatten wir die Wahl nicht, den Film ohne 3D-Brille zu sehen – es gibt ein paar Gimmickszenen, ansonsten empfand ich den Effekt als eher störend.

Die neuen Ghostbusters sind lose an den alten angelegt, allerdings nicht eins zu eins übertragen. Die Schauspielerinnen geben jeder Geisterjägerin eine persönliche Note, anstatt einfach nur das weibliche Pendant der Vorlage zu spielen. Ich kannte nur KRISTEN WIIG aus ein paar Saturday Night Live-Clips und als Stimme aus DESPICABLE ME, wusste aber, dass auch ihre Kolleginnen alles namhafte Comedy-Größen in den USA sind. Und das merkt man dem Film deutlich an. Ja, es gibt ein paar Furzwitze und Gags unter der Gürtellinie, einer der Hauptkritikpunkte an dem Film. Auch nicht mein Ding, aber wer glaubt, dass hier das arme, seriöse Franchise infantilisiert wird, hat einfach nur die Originalfilme sehr lange nicht gesehen (“Heat’em up! Make ’em hard!”). Ich habe die paar Male die Augen gerollt und ansonsten sehr viel gelacht. Insbesondere KATE MCKINNONS Szenen fand ich grandios. Ihre  Jillian Holtzmann  hat höchstens Egon Spenglers Frisur geerbt und ist ansonsten eher so, als habe man Doc Brown aus ZURÜCK IN DIE ZUKUNFT mit Tank Girl gekreuzt. Sehr schwer zu beschreiben – daher unbedingt ansehen. Großartig auch als Sidekick: CHRIS HEMSWORTH als verpeilter Sekretär -und ja, Eyecandy. Leute, die sich darüber ernsthaft empören, sind höchstwahrscheinlich ohne Augenzucken an Dutzenden Postern wie diesem vorbeigelaufen – und Hemsworth behält im ganzen Film brav seine Kleider an.

Auch vom Plot her setzt man auf Bewährtes, es gibt einen Antagonisten, ein Gebäude, das zu einem Strudel von Geisteraktivität wird und eine riesige Erscheinung, die durch die Stadt stampft während der Bürgermeister alles vertuschen will (wunderbar hier ANDY GARCIA – “Never compare me to the mayor from JAWS!”). Am Schluss dürfen die neuen Geisterjägerinnen gegen eine Armada von untoten Pilgern, eine Geisterparade und einem Endboss kämpfen, dessen komplette Umsetzung ich so nett und clever fand, dass ich hier gar nicht mehr verraten möchte. Der Schlusskampf ist ein Fest in CGI und reißt mit, obwohl man natürlich weiß, dass alles gut ausgehen wird. Schade fand ich, dass zwar viele Geister in den Ring geschickt wurden, man aber über kaum welche mehr als nur Randdetails erfuhr. Auch der Antagonist blieb wesentlich blasser, als es beispielsweise Vigo aus Ghostbusters II war.

Was ich an dem Film am schönsten fand: alle Beteiligten hatten offensichtlich einen Mordsspaß, sich in Ghostbusterkostüme zu schmeißen und mit Plasmakanonen um sich zu schießen. Es gibt viele Anspielungen auf das Franchise, das auch hier und da auf die Schippe genommen wird, wie zum Beispiel dass die Miete des ikonischen Hauptquartiers in New York City selbstverständlich erst einmal völlig unbezahlbar ist. Und fast jeder aus der alten Ghostbusters-Cast hat einen Cameoauftritt, wobei ich den von BILL MURRAY leider etwas lieblos fand.

Fazit: bei all dem Actionschrott und den ausgelutschten Sequels, Reboots und Neuverfilmungen, die derzeit in den Kinos unterwegs ist, kann man mit dem neuen Ghostbusters als Sommerpopcornfilm nun wirklich nichts falsch machen.

7/10  Wan-Tan-Suppen

 

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