Fantasy Filmfest 2016: Under the Shadow (7/10)

They will always know how to find you.

Filme außerhalb der persönlichen Komfortblase zu schauen ist für mich meistens etwas Bereicherndes. Ja, es kann auch furchtbar daneben gehen, das ist mir aber auch schon mit Filmen passiert, wo der/die Empfehlende sich ganz sicher war, dass er mir garantiert gefallen würde.  UNDER THE SHADOW erschien mir nach kurzem Blick auf die Zusammenfassung als zu deprimierend. Gerade mit der derzeitigen politischen Situation vor Augen wollte ich zumindest im Kino Pause vor der Realität haben. Aber ich ließ mich dann doch überreden und habe es nicht bereut.

UNDER THE SHADOW habe ich Freunden gegenüber schon als “BABADOOK auf iranisch” beschrieben, was dem Film aber Unrecht tut. Nur auf den ersten Blick sind sich beide Filme ähnlich: Eine Mutter versucht, sich und ihr Kind gegen eine Manifestation von Angst und Schrecken zu beschützen, die man auf zwei Ebenen lesen kann. Sind es in THE BABADOOK vor allem innere Dämonen, geht es in UNDER THE SHADOW um die nur allzu realen Horrorszenarien, die in Teheran während des Golfkrieges stattfinden. Hier möchte die Protagonistin Shideh (überzeugend: NARGES RASHIDI) eigentlich nur das, was für uns ganz normal scheint: ein selbstbestimmtes Leben in Sicherheit mit ihrer Familie, ein Beruf der sie erfüllt und kleine Alltagsfreuden, wie zum Beispiel Frühsport zu amerikanischen Fitnessvideos, ohne dass gleich die Polizei das Abspielgerät beschlagnahmt. Zu den realen Bedrohungen von Raketeneinschlägen und den strengen Auflagen, die für Frauen im Iran nach der Revolution gelten, kommt eine übernatürliche in Form eines Dschinns. Von Angst und Zweifel angelockt ist der böse Geist jetzt hinter Shidhes kleiner Tochter Dorsa (AVIN MANSHADI) her.

Ein paar Minuspunkte bekommt die Umsetzung, die leider ab und zu ein paar Längen hat. Außerdem verliert, wie so oft, auch in diesem Film die unheimliche Entität durch etwas unglückliches CGI deutlich an Schlagkraft, sobald man sie dann vor sich sieht. Dennoch – BABAK ANVARI hinterlässt Eindruck mit seinem Debütfilm. Es gehört mit zu seiner Botschaft, dass er in seinem Heimatland diesen Film niemals hätte umsetzen können – gedreht wurde er in Jordanien, produziert von einer britischen Firma. Die wohl wertvollste Erkenntnis von UNDER THE SHADOW kommt, nachdem das Licht im Saal wieder an ist: Für uns Kinobesucher ist der Schrecken vorbei. Für Millionen Menschen in Kriegsgebieten gehört die gerade als Nervenkitzel erlebte Anspannung und Angst zum täglichen Leben.

7/10 Stoffpuppen

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