Das wird man ja noch sagen dürfen

Es ist 2017 und ein kalter Wind weht durch die Straßen. Deutschland ist eine humorbefreite Zone voller Tugendwächter geworden. Das “Zigeunerschnitzel” auf der Karte vom Landgasthof, wo man seit zwanzig Jahren samstags essen geht, wurde über Nacht weggestrichen, man munkelt, der Gastwirt sei von vermummten Gestalten im Hinterhof zusammengeschlagen worden.  “Schaumküsse” korrigiert die Verkäuferin in der Bäckerei und die Angst in ihrem Gesicht ist deutlich. Schon seit Wochen möchte man ihr sagen, dass sie schöne Augen hat, aber für einen solchen Spruch wurde der Nachbar erst kürzlich verhaftet. Die eigenen Kinder sind erwachsen geworden –  und zu Verrätern. Auf meterhohen Scheiterhaufen verbrennen sie wild lachend die einst so geliebten Bücher von Astrid Lindgren und Karl May im Hinterhof. Karneval ist ein trauriges Fest, nur noch drei  Kinderkostüme sind offiziell von der Regierung erlaubt: Biene, Clown und Katze. Die Mutigen treffen sich im Untergrund, man erzählt sich im Dunklen Herrenwitze, spielt “Cowboy und Indianer” – und trauert.

Menschen, die Kritik an rassistischem und sexistischem Verhalten als “Hyperkorrektheit” empfinden, würden wohl jetzt heftig nicken. Für sie hingen im Sommer diese Wahlplakate in den Städten und nicht wenige haben deswegen dort ihr Kreuz gemacht. Eins ist in der Tat richtig: Es ist nicht mehr so, wie “früher”, was auch immer dieser Zeitraum umfasst. Und ja, Veränderung ist oft schwierig und kann auch erschreckend wirken, gerade wenn es die eigenen, lieb gewordenen Denkmuster betrifft. Nur hat das nichts mit einer plötzlichen Humorbefreiung Deutschlands durch moralinsaure Gutmenschen zu tun.

Verändert hat sich dies: Menschen, die Ziel von rassistischen und sexistischen Witzen sowei klischeeeüberladenden Darstellungen sind, begegnen heute den Witzereißern auf Augenhöhe. Das war nicht immer so:  Schwarze Menschen oder solche mit indigenen Vorfahren waren von 1918 bis noch 2004 lustige Männchen in der Schokoladenwerbung oder in den späten 1960ern die exotischen Wilden der Kinofilme. In den Fünfzigern nahm eine Sekretärin Herrenwitze vom Chef hin und lachte vielleicht sogar mit. Aber nicht, weil sie mehr Humor hatte als heutige Frauen, sondern weil sie darum fürchtete, ihren Job zu verlieren – wenn sie überhaupt ihr eigenes Geld verdienen durfte.

All dies ist heute anders. Frauen sitzen nicht mehr nur im Vorzimmer, sondern mit im Meeting und plötzlich lachen sie über einen anzüglichen Witz nicht mehr, sondern gehen zum Betriebsrat.  Wenn in einer Kindergartengruppe vor ein paar Jahrzehnten “Pippi in Taka-Tuka-Land” vorgelesen wurde, waren diese Kinder in der Mehrheit weiß. Dies ist aber immer weniger der Fall, wie es inzwischen auch die Bildsprache der Bundesregierung zur Geburtenrate in Deutschland wiederspiegelt

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(c) Bundesregierung

Wie verunsichert manche Menschen allein durch diese Veränderungen sind zeigt ein Blick in die Kommentarspalte darunter. Wem dieses Bild Angst macht oder wer sich durch das Wort “Schokokuss” eingeschränkt fühlt, dem schlage ich ein Gedankenspiel vor: Stellt euch vor, es sind die oben abgebildeten Kinder, die euch zuhören, wie ihr aus “Pippi Langstrumpf” die Szene vorlest, wo sich die schwarzen Kinder vor dem weißen Mädchen verbeugen. Schon etwas unangenehm, oder?

Auch im Internet, das es früher nicht gab,  muss man sich heute solchen fiesen Fragen stellen. Hier sind soziale und räumliche Trennungen aufgehoben, begegnen kann man theoretisch Menschen aus allen Kulturkreisen. Teilt man auf Twitter eine Umfrage über vermeintlich lustige Memes und möchte aber eigentlich nur die Menschen befragen, die nicht Ziel davon sind, sehen dies aber auch die anderen. Und beschweren sich.

Dabei geht es selten darum, das geliebte Kostüm oder Buch aus der Kindheit zu dämonisieren. Eigentlich reicht es schon, innezuhalten und zu überlegen, in welchem Kontext es entstand und darüber zu reden. “Damals dachte man, Leute mit weißer Haut seien besser als Leute mit dunkler Haut. Heute wissen wir, dass das Quatsch ist.” Das verstehen schon Vierjährige – sogar besser, als die Erwachsenen. Die BBC stellte im im Sommer 2017 verschiedensten Kindern die Frage, woran sie den Unterschied zwischen sich und ihren Freundinnen und Freunden sehen. Die Hautfarbe spielte für diese Kinder keine Rolle.

Tun wir es doch diesen Kindern gleich. Stufen wir das Festhalten an einer überzogenen, klischeehaften Darstellung, egal ob auf Geschlecht, Hautfarbe oder Kultur bezogen, nicht wichtiger ein, als die Menschen, die darunter leiden. Das ist nicht schwierig, denn es ist teilweise schon gelungen . Als “früher” die italienischen Gastarbeiter nach Deutschland kamen und plötzlich auch noch bleiben wollten, schlug ihnen nicht nur Freundlichkeit entgegen. 1973 appellierte Frederik Vahle in einem Lied, italienische Kinder nicht als “Spaghettifresser” zu bezeichnen, auch wenn es einem die Eltern vormachten. Es dauerte, aber 2004 war der Begriff nicht mehr salonfähig, wie Karl Moik zu seinem Erstaunen feststellen mussten. Warum denn auch? Der Antonio lebt doch jetzt  vierzig Jahre in der Siedlung, inzwischen gehen schon seine Kinder hier zur Schule und man trifft sich jede Woche zum Kegeln. Das würde ihm doch wehtun. Das macht man nicht.

 

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Ponies, Metaphern, Replikanten

Diese Woche war ich nicht in einem, nicht in zweien, sondern in gleich drei aktuellen Filmen, ein höchst seltenes Ereignis der letzten Jahre. Dreimal Kino, drei höchst unterschiedliche Filme – hier meine Kurzrezensionen.

MY LITTLE PONY (9/10)

Die Punktevergabe ist ein wenig voreingenommen, denn es war der erste Kinobesuch zu dritt und somit der erste Kinofilm für das Kind und daher ein ganz besonderes Ereignis – eine dicke rosarote Brille muss also eingerechnet werden. (Mein erster Kinofilm war übrigens dieser hier). Dennoch haben sich auch die drei anwesenden Erwachsenen sehr gut unterhalten. Von einem Franchise mit so viel Merchandisedurchlauf erwartet man meistens nicht viel, seichte Zusatzbeschallung, die Käufe anregen sollen. Das ist bei MY LITTLE PONY absolut nicht der Fall, weder in der Serie, noch im ersten Kinofilm. Die Geschichte ist spannend, die Charaktere haben alle Tiefe, selbst die Lieder sind nicht besonders nervig (dass ich in diesem Leben einen Villain-Song von Maite Kelly hören würde, hätte ich auch nicht gedacht). Vor allem stimmen die Botschaften:  Haltet zusammen, verurteilt nicht nach Aussehen, es ist okay, wenn ihr auch mal Fehler macht. Zudem gibt es für Erwachsene fast in jeder Szene irgendeine popkulturelle Referenz oder Situationskomik, es ist also keineswegs langweilig.

MOTHER! (6/10)

Ich habe ihm genau die Mittelpunktzahl plus Bonus für Jennifer Lawrence wirklich gute Schauspielleistung gegeben, weil ich ihn einfach nicht so richtig einsortieren kann. Ich glaube, hier hätte der Film mir ausnahmsweise besser gefallen, hätte ich gewusst, worum es geht. So musste ich es erst herausfinden, und der Weg dahin ist nicht unbedingt sehr unterhaltsam und oft zäh. Wenn ihr lieber wissen wollt, was ihr da auf der Leinwand seht: lest durch, was die Bedeutung ist, der Regisseur hat es bereits dargelegt. Vieles passt für mich trotzdem nicht, ein weiterer Grund für die mittelmäßige Bewertung. Die Frage bleibt: Muss man das so machen? Ich weiß es nicht. Gut gespielt  und inszeniert ist er ohne Zweifel, aber wie alle abstrakte Kunst ist es eben auch Geschmackssache. Ich kann seine künstlerische Qualität anerkennen, nochmal sehen und alles entschlüsseln möchte ich ihn aber nicht.

BLADE RUNNER 2049 (10/10)


Es muss für einen Film sprechen, wenn man ihn in einem Saal mit über hundert lärmenden Teenagern gesehen hat und ihn trotzdem gut findet. (An dieser Stelle: Liebe Lehrer, was sollte das? Die Schüler*innen waren offensichtlich gelangweilt, müde und überfordert, was ich ihnen auch nicht ankreide. Ich verstehe nicht, warum man sie dann mitten in der Woche um 21 Uhr in ein Programmkino zu einem solchen Film schleift, ohne eine Sondervorstellung abzumachen.) Eine sinnvolle Fortführung, die visuell und auch durch ihre Musik direkt Eindruck schafft, diesen durch einen guten Plot und hervorragende Darsteller auch halten kann. Der Film vermeidet nicht nur Klischees eines Sequels nach so langer Zeit, er spielt auch gekonnt mit ihnen. Sehenswert, und ich würde auch behaupten, wer den ersten Film nicht kennt, ist hier gut unterhalten.

“Aber wenn’s doch nicht schadet”

An dieser Stelle möchte ich auf eine sehr unterstützenswerte Organisation aufmerksam machen, das Informationsnetzwerk Homöopathie. Die dahinterstehenden Menschen klären nicht nur mit Fachkompetenz, sondern auch mit unerschütterlicher Geduld und Empathie über Homöopathie auf. Hier wird nicht von oben herab auf Unwissende eingeredet, sondern versucht zu verstehen, warum Menschen zu diesen Mitteln greifen und warum es so schlimm ist, dass sie in Deutschland von Ärzten und Apotheken gleichermaßen geadelt werden.

Das INH sammelt derzeit auf Twitter Geschichten von Fällen, wo Homöopathie, die ja angeblich so nebenswirkungsfrei, sanft und sicher ist, tatsächlich Menschen geschadet hat. Hier ein sehr dramatischer Fall, der glücklicherweise gut ausging.

Ganz so schlimme Erlebnisse hatte ich bisher nicht, aber eine Begegnung mit der in meinem Fall sehr unsanften “Alternativmedizin” ist mir noch gut im Gedächtnis.

Homöopathie in der Notfallambulanz

Im Sommer 2012 bekam ich an einem sehr heißen Wochenende auf einer Geburtstagsfeier einen kratzigen Hals. Was ich erwartete, war eine aufziehende Erkältung, was ich bekam, waren so schlimme Halsschmerzen, dass ich frühzeitig nach Hause ging und mich hinlegte. Am nächsten Tag war mein Hals so entzündet, dass selbst das Schlucken des eigenen Speichels zu viel war – ich spuckte ihn stattdessen in einen Eimer.

Wegen einer Erkältung gehe ich normalerweise nicht zum Arzt und erst recht nicht ins Krankenhaus (und ihr solltet das bitte auch nicht tun), doch es war Sonntag und die Schmerzen kaum noch auszuhalten. Also bat ich meinen Mann, mich in das nächste Krankenhaus mit Notfalldienst zu fahren. Mit aller Geduld, die ich noch aufbringen konnte, wartete ich, bis ich an der Reihe war.

Die diensthabende Ärztin stellte sich mir vor – und rollte erst einmal eine Ledermappe vor mir aus. Inhalt: eine sorgsam erstellte Sammlung von Glasröhrchen mit Zuckerkugeln.

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CC0 Creative Commons

Verdammt.

Wäre es mir möglich gewesen, hätte ich wohl geschluckt. Hier saß ich, mein Hals stand mehr oder weniger in Flammen, und die Person, die mir doch helfen sollte, hatte in meinen Augen jegliche Vertrauensbasis zwischen Ärztin und Patientin ausradiert.

“Ich, äh, ich möchte keine homöopathischen Mittel”, brachte ich hervor. Sie schaute mich überrascht an. Eine derartige Gegenwehr war sie wohl nicht gewohnt. Die üblichen Argumente kamen, wer heilt hat recht, kann ja nicht schaden, und so weiter. Ich blieb standhaft. “Das mag alles sein, aber ich halte davon nichts und möchte daher damit nicht behandelt werden.” An ihrem Gesichtsausdruck sah ich, dass ich einen schwerwiegenden Fehler gemacht hatte.

Jetzt war ich keine Patientin mehr, die Mitgefühl und Hilfe verdiente, sondern eine Ketzerin, jemand, der ihre Kompetenz ankratzte und sich wohl auch noch anstellte – denn wären meine Schmerzen wirklich so schlimm, würde ich ja wohl alles tun, um sie zu beenden.

Keine Globuli – kein Mitleid

Ab diesem Zeitpunkt behandelte mich die Ärztin schroff und distanziert. Für sie bestand kein Zweifel: ich simulierte. Für eine Angina fehlten Symptome, teilte sie mir mit,  ich hatte kein Fieber, keine geschwollenen Lymphknoten. Ja, stimmte ich zu, gerade deswegen sei ich ja hier. Diese aus dem Nichts kommenden und starken Schmerzen würden mich sehr beunruhigen. “Ich glaube Ihnen. Keine Sorge, Sie bekommen Ihre Antibiotika schon,” blaffte sie – und würde dies noch mehrfach wiederholen. Dass ich nur dann Antibiotika wollte, wenn eine bakterielle Infektion vorlag, erwähnte ich schon gar nicht mehr. Ich wollte nur noch heil hier heraus.

Die Ärztin fragte ich, ob ich Medikamente nähme und ich sagte, bis auf meine Hyposensibilisierung gegen meine Stauballergie, die ich am Freitag erhalten hatte, nichts. Ein Schnauben sollte mir wohl klar machen, wie wenig sie davon hielt. Dort, obwohl ich bisher keinerlei solche Nebenwirkungen erlebt hatte, vermutete sie die Ursache meiner mysteriösen Halsschmerzen.

“Aber bislang ist so etwas doch noch nie passiert.”
“Der menschliche Körper ist kein Auto! Man kann nichts drücken und dann erwarten, dass immer dasselbe passiert!” wurde ich belehrt und auf eine Liege bugsiert. Sie machte sich daran, mir etwas aus einem Beutel intravenös zu verabreichen, Fenistil, ein Antihistaminika.  Ich konnte nur vermuten, dass sie die Halsschmerzen für eine allergische Reaktion hielt, denn eine Erklärung für die Wahl des Mittels bekam ich nicht. Der Schweiß brach mir aus. Seit einem traumatischen Erlebnis als Kind im Krankenhaus machen mir Kanülen Angst.

Ohnehin bereits völlig eingeschüchtert warf ich ein: “Nur eine Warnung: ich bin etwas empfindlich, was Nadeln angeht, daher kann es sein, dass ich mich erschrecke. Nur dass Sie es wissen.” Schweigen. Als die Nadel in meinen Handrücken fuhr, zuckte ich, wie vorhergesehen. “Nun stellen Sie sich doch nicht so an!” war die Reaktion und inzwischen liefen mir  die Tränen über das Gesicht.

Erst nachdem ich bereits an der Kanüle hing, fragte sie mich, ob ich alleine gekommen wäre. Glücklicherweise konnte ich dies noch verneinen, bevor mir von dem Mittel zunehmend schwindlig wurde. Autofahren wäre in diesem Zustand unmöglich gewesen. Als der Beutel leer war, wollte ich diese Praxis nur noch verlassen, nahm ein Rezept in Empfang, ohne es zu lesen und ließ mich benommen von meinem Mann in unseren Wagen führen. Dort wurde ich von dem Fenistil immer erschöpfter, die Schmerzen aber gleichzeitig immer schlimmer und so weinte ich den ganzen Weg nach Hause. Die verschriebenen Paracetamoltabletten halfen kaum – am nächsten Tag erklärte mir mein völlig entsetzter Hausarzt, dass es für diesen Zweck auch die falschen gewesen waren.

Wer mir also erzählen möchte, dass Homöopathinnen und Homöopathen sich ja immerhin Zeit lassen, um ganzheitlich und sanft auf Patienten einzugehen – das tun sie anscheinend nur, wenn sich die Patienten auf das Märchen der allheilenden Globuli einlassen. Ungläubige verdienen keine sanfte Behandlung.

Ihr habt auch so eine Geschichte? Schreibt sie dem Netzwerk:

 

Fantasy Filmfest 2017: I REMEMBER YOU & Fazit


Mein letzter Film des diesjährigen Fantasy Filmfest und gleichzeitig mein zweites Highlight ist die Verfilmung eines Krimis mit Geisterlementen aus Island. Ein Film, über den ich einmal wieder eigentlich nicht viel schreiben möchte, da man ihn am besten unvoreingenommen sehen sollte.

Wie auch das Buch läuft der Film über zwei Handlungsstränge. Einmal forscht der Arzt Freyr (Jóhannes Haukur Jóhannesson) mysteriösen Todesfällen nach, bei denen die Toten seltsame Wunden in Kreuzform auf dem Rücken davontragen. Dann verbringt Katrin (Anna Gunndís Guðmundsdóttir), die mit ihrem Mann und einer Freundin ein Bed & Breakfast in einer verlassenen Fjordsiedlung eröffnen möchten, dort immer gruseliger werdende Nächte. Beide tragen ihre Sorgen mit sich herum – das nie aufgelöste Verschwinden von Freyrs Sohn hängt ihm immer noch nach. Auch Katrin hat ein Kind verloren und versucht zudem, ihre bröckelnde Beziehung zu kitten.

I REMEMBER YOU lebt von seinen Charakteren, deren Geschichten man unbedingt erfahren möchte. Durch die geschickt wechselnden Perspektiven der zwei Hauptcharaktere bleibt die Spannung erhalten. Dazu kommt noch das kalte und unheimliche Setting des verlassenen Hesteyrarfjörður – hier hätte der Film gar nicht so mit Blaueffekten und düsterer Musik auffahren müssen, wie er es oft getan hat, sondern sich einfach auf das, was sowieso schon da war, verlassen können. Das ist auch der einzige Grund für meinen Abzug für diesen ansonsten perfekt inszenierten Horrorthriller, dessen Grauen sich erst langsam beim Zuschauen entwickelt und den man mit neugewonnenem Wissen eigentlich sofort nach dem Abspann noch einmal schauen will. Ich habe mir gleich danach das Buch bestellt, auf dem der Film basiert (Affiliatelink).

9/10 Polarfüchsen

Das war das Fantasy Filmfest 2017 für mich

Gesehene Filme: 12

Durchschnittspunktzahl: 6,75

Am meisten gegruselt bei: IT

Am meisten gegähnt bei: THE VAULT

Am meisten gelacht bei: MY FRIEND DAHMER

Zufälliges Oberthema: Coming of Age und verschwundene Kinder

Alle Rezensionen finden sich hier.

Fantasy Filmfest 2017: BLADE OF THE IMMORTAL (8/10)

There is a man somewhere in Edo who will not die.

Manji (gespielt vom in Japan wohl sehr berühmten Takuya Kimura)  war einmal ein Samurai und verdiente sich den Namen des “Hundred Killers” – doch jetzt ist er des Lebens und Kämpfens müde und kann nicht sterben. Durch einen Fluch leben Blutwürmer in seinem Körper, die ihn immer wieder zusammenheilen, ob er will oder nicht. Da bittet ihn das junge Mädchen Rin (Hana Sugisaki, ihr bei ihrer Rache zu helfen: Der Schwertkämpfer Anotsu  (Sōta Fukushi) will alle Kampfschulen Japans unter seiner Führung vereinen. Die Dojos, die sich weigerten mitzumachen, wurden inklusive ihrer Besitzer von Anorak und seinen Anhängern niedergemacht – auch das von Rins Eltern. Manji hat auf Rachefeldzüge eigentlich nur wenig Lust. Doch dann macht er sich mit Rin auf die Reise und schnetzelt sich auf der Suche nach Anotsu durch das antike Edo.

BLADE OF THE IMMORTAL basiert auf einem  Manga von Hiroaki Samura und ist von Regisseurlegende Takashi Miike verfilmt worden, beides Bereiche, mit denen ich eher zufällig in Berührung komme. 13 ASSASSINS hätte ich beim Fantasy Filmfest 2010 gern gesehen, aber leider funktionierten die Untertitel in unserem Kino nicht, ansonsten kenne ich nur seine Real-Life-Verfilmung von Videospiel ACE ATTORNEY. Dennoch ist es auch für eine Außenstehende, wie ich es bin, ein sehr unterhaltsamer Film. Trotz der stolzen Länge von 151 Minuten passiert eigentlich immer etwas und Manji kann man sich als eine Art japanischen Wolverine vorstellen, ein Mann, der kein Held sein will und es trotzdem wird. Die Dynamik zwischen ihm und Rin haben mich mehr als einmal an Arya und Sandor Clegane aus GAME OF THRONES erinnert.

Die Kämpfe sind trotz typisch völlig überzeichneten Waffen und Gegnern packend und auch die Geschichte leicht nachvollziehbar, wobei ich bei japanischen Filmen oft Schwierigkeiten habe. Es fließt eine Menge Blut und Körperteile fallen links und rechts,  dennoch hat man nicht das Gefühl, dass das nur passiert, weil der Film sonst nichts zu bieten hat. Kein tiefgreifendes Epos, das ich jetzt mehrfach sehen würde, aber auf jeden Fall empfehlenswert, wenn man gepflegte Schwertkampfchoreos und wilde Mangafrisuren mag.

8/10 rollenden Köpfen

Fantasy Filmfest 2017: RESET (4/10)

Finish your experiments. Go back to the past.

Science-Fiction-Filme werden beim Fantasy Filmfest nicht ganz so oft gespielt, hier hatte ich mit DISTRICT 9 und SNOWPIERCER schon richtige Glücksgriffe. Der Trailer von RESET sah sehr vielversprechend aus, leider liegt das wohl vor allem an dem Budget, das in Effekte und Setup gepustet wurde.

Die Storyidee an sich ist nicht schlecht: Die Forscherin Xia Tan arbeitet an einem Institut, das Zeitreisen durch künstliche Wurmlöcher möglich machen will, wird erpresst und nutzt die neue Technologie, um ihren Sohn vor dem Tod zu bewahren. Die Geschichte aber steckt sich selbst so einen kleinen Rahmen, dass man sich fragt, ob es hier ein Kammerspiel nicht auch getan und man das Geld für teure Verfolgungsjagden und Hightecheffekte nicht lieber in einen besseren Drehbuchautor investiert hätte. Zudem ergeben die Motivationen vieler Charaktere einfach gar keinen Sinn, auch der Twist überzeugt deswegen überhaupt nicht und wirkt forciert und somit langweilig.

Da gibt es einige bessere Spielereien mit Raum, Zeit und parallelen Universen, die ihr Blockbusterversprechen auch einlösen, INCEPTION und INTERSTELLAR sind nur zwei, die mir gerade einfallen.

4/10 Datenmodulen

Star Trek Discovery – Hoffnung auf Sektion 31


Da ich die meisten Abende der letzten zwei Wochen im Kinosaal für das Fantasy Filmfest verbracht habe, konnte ich erst gestern die ersten Folgen der neuen Star-Trek-Serie DISCOVERY schauen. Ich sollte vielleicht erwähnen, dass Star Trek mein erstes richtiges Fandom war – angefangen mit Wiederholungen der Originalserie um Kirk, Spock und McCoy im ZDF. Als 1990 die Nachfolgeserie, THE NEXT GENERATION, in der Zeitung angekündigt wurde, war ich zutiefst traurig und wollte diesen Quatsch sofort boykottieren. Es kam dann doch etwas anders. Ich wurde das, was man wohl als “Trekkie” bezeichnet. Ich sammelte jeden Fetzen, jedes Buch über die Serie, das ich in die Finger bekam und ein Plakat der NCC-1701-D hing noch bis in meine Zwanziger über meinem Bett.

Diese Liebe überstand einige harte Proben. Die letzten Staffeln von DEEP SPACE NINE zogen mich schon nicht mehr so wirklich mit, die TNG-Filme redete ich mir noch gerade so schön (und hörte die Soundtracks auf Klassenfahrten auf meinem Walkman). VOYAGER war die erste Star Trek-Serie, die ich nach ein paar Staffeln abbrach, bei ENTERPRISE reichten mir ein paar Folgen. Die J. J. Adams-Filme, von vielen “alten” Trekkies abgelehnt, fand ich sogar recht erfrischend, aber STAR TREK – BEYOND habe ich bis heute nicht gesehen.

Als DISCOVERY angekündigt wurde, hielt ich mich zurück. Ich las nichts, keine Spekulationen, schaute nicht mal den Trailer. Ich wollte möglichst unvoreingenommen an die Serie herangehen und ich denke, das war gut so. Es war auch gut, dass ich die ersten drei Folgen in einem Rutsch sehen konnte, denn ich glaube die ersten zwei alleine hätten mich nicht sonderlich überzeugt – ich kann verstehen, dass viele Fans sich unter #NotMyTrek davon abwenden. Folge 3 allerdings, in der das namensgebende Schiff “Discovery” unter Captain Lorca überhaupt erst auftaucht, überzeugte mich doch, am Ball zu bleiben. Und der Grund heißt Sektion 31. Ab jetzt folgen Details zur dritten Folge, wer ungespoilert bleiben möchte, sollte hier aufhören.

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