“Aber wenn’s doch nicht schadet”

An dieser Stelle möchte ich auf eine sehr unterstützenswerte Organisation aufmerksam machen, das Informationsnetzwerk Homöopathie. Die dahinterstehenden Menschen klären nicht nur mit Fachkompetenz, sondern auch mit unerschüttlicher Geduld und Empathie über Homöopathie auf. Hier wird nicht von oben herab auf Unwissende eingeredet, sondern versucht zu verstehen, warum Menschen zu diesen Mitteln greifen und warum es so schlimm ist, dass sie in Deutschland von Ärzten und Apotheken gleichermaßen geadelt werden.

Das INH sammelt derzeit auf Twitter Geschichten von Fällen, wo Homöopathie, die ja angeblich so nebenswirkungsfrei, sanft und sicher ist, tatsächlich Menschen geschadet hat. Hier ein sehr dramatischer Fall, der glücklicherweise gut ausging.

Ganz so schlimme Erlebnisse hatte ich bisher nicht, aber eine Begegnung mit der in meinem Fall sehr unsanften “Alternativmedizin” ist mir noch gut im Gedächtnis.

Homöopathie in der Notfallambulanz

Im Sommer 2012 bekam ich an einem sehr heißen Wochenende auf einer Geburtstagsfeier einen kratzigen Hals. Was ich erwartete, war eine aufziehende Erkältung, was ich bekam, waren so schlimme Halsschmerzen, dass ich frühzeitig nach Hause ging und mich hinlegte. Am nächsten Tag war mein Hals so entzündet, dass selbst das Schlucken des eigenen Speichels zu viel war – ich spuckte ihn stattdessen in einen Eimer.

Wegen einer Erkältung gehe ich normalerweise nicht zum Arzt und erst recht nicht ins Krankenhaus (und ihr solltet das bitte auch nicht tun), doch es war Sonntag und die Schmerzen kaum noch auszuhalten. Also bat ich meinen Mann, mich in das nächste Krankenhaus mit Notfalldienst zu fahren. Mit aller Geduld, die ich noch aufbringen konnte, wartete ich, bis ich an der Reihe war.

Die diensthabende Ärztin stellte sich mir vor – und rollte erst einmal eine Ledermappe vor mir aus. Inhalt: eine sorgsam erstellte Sammlung von Glasröhrchen mit Zuckerkugeln.

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CC0 Creative Commons

Verdammt.

Wäre es mir möglich gewesen, hätte ich wohl geschluckt. Hier saß ich, mein Hals stand mehr oder weniger in Flammen, und die Person, die mir doch helfen sollte, hatte in meinen Augen jegliche Vertrauensbasis zwischen Ärztin und Patientin ausradiert.

“Ich, äh, ich möchte keine homöopathischen Mittel”, brachte ich hervor. Sie schaute mich überrascht an. Eine derartige Gegenwehr war sie wohl nicht gewohnt. Die üblichen Argumente kamen, wer heilt hat recht, kann ja nicht schaden, und so weiter. Ich blieb standhaft. “Das mag alles sein, aber ich halte davon nichts und möchte daher damit nicht behandelt werden.” An ihrem Gesichtsausdruck sah ich, dass ich einen schwerwiegenden Fehler gemacht hatte.

Jetzt war ich keine Patientin mehr, die Mitgefühl und Hilfe verdiente, sondern eine Ketzerin, jemand, der ihre Kompetenz ankratzte und sich wohl auch noch anstellte – denn wären meine Schmerzen wirklich so schlimm, würde ich ja wohl alles tun, um sie zu beenden.

Keine Globuli – kein Mitleid

Ab diesem Zeitpunkt behandelte mich die Ärztin schroff und distanziert. Für sie bestand kein Zweifel: ich simulierte. Für eine Angina fehlten Symptome, teilte sie mir mit,  ich hatte kein Fieber, keine geschwollenen Lymphknoten. Ja, stimmte ich zu, gerade deswegen sei ich ja hier. Diese aus dem Nichts kommenden und starken Schmerzen würden mich sehr beunruhigen. “Ich glaube Ihnen. Keine Sorge, Sie bekommen Ihre Antibiotika schon,” blaffte sie – und würde dies noch mehrfach wiederholen. Dass ich nur dann Antibiotika wollte, wenn eine bakterielle Infektion vorlag, erwähnte ich schon gar nicht mehr. Ich wollte nur noch heil hier heraus.

Die Ärztin fragte ich, ob ich Medikamente nähme und ich sagte, bis auf meine Hyposensibilisierung gegen meine Stauballergie, die ich am Freitag erhalten hatte, nichts. Ein Schnauben sollte mir wohl klar machen, wie wenig sie davon hielt. Dort, obwohl ich bisher keinerlei solche Nebenwirkungen erlebt hatte, vermutete sie die Ursache meiner mysteriösen Halsschmerzen.

“Aber bislang ist so etwas doch noch nie passiert.”
“Der menschliche Körper ist kein Auto! Man kann nichts drücken und dann erwarten, dass immer dasselbe passiert!” wurde ich belehrt und auf eine Liege bugsiert. Sie machte sich daran, mir etwas aus einem Beutel intravenös zu verabreichen, Fenistil, ein Antihistaminika.  Ich konnte nur vermuten, dass sie die Halsschmerzen für eine allergische Reaktion hielt, denn eine Erklärung für die Wahl des Mittels bekam ich nicht. Der Schweiß brach mir aus. Seit einem traumatischen Erlebnis als Kind im Krankenhaus machen mir Kanülen Angst.

Ohnehin bereits völlig eingeschüchtert warf ich ein: “Nur eine Warnung: ich bin etwas empfindlich, was Nadeln angeht, daher kann es sein, dass ich mich erschrecke. Nur dass Sie es wissen.” Schweigen. Als die Nadel in meinen Handrücken fuhr, zuckte ich, wie vorhergesehen. “Nun stellen Sie sich doch nicht so an!” war die Reaktion und inzwischen liefen mir  die Tränen über das Gesicht.

Erst nachdem ich bereits an der Kanüle hing, fragte sie mich, ob ich alleine gekommen wäre. Glücklicherweise konnte ich dies noch verneinen, bevor mir von dem Mittel zunehmend schwindlig wurde. Autofahren wäre in diesem Zustand unmöglich gewesen. Als der Beutel leer war, wollte ich diese Praxis nur noch verlassen, nahm ein Rezept in Empfang, ohne es zu lesen und ließ mich benommen von meinem Mann in unseren Wagen führen. Dort wurde ich von dem Fenistil immer erschöpfter, die Schmerzen aber gleichzeitig immer schlimmer und so weinte ich den ganzen Weg nach Hause. Die verschriebenen Paracetamoltabletten halfen kaum – am nächsten Tag erklärte mir mein völlig entsetzter Hausarzt, dass es für diesen Zweck auch die falschen gewesen waren.

Wer mir also erzählen möchte, dass Homöopathinnen und Homöopathen sich ja immerhin Zeit lassen, um ganzheitlich und sanft auf Patienten einzugehen – das tun sie anscheinend nur, wenn sich die Patienten auf das Märchen der allheilenden Globuli einlassen. Ungläubige verdienen keine sanfte Behandlung.

Ihr habt auch so eine Geschichte? Schreibt sie dem Netzwerk:

 

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Blogstöckchen von #fettlogik

Weiter mit einem Thema, das den Begriff “First world problem” tatsächlich verdient hat: Übergewicht. Laut RKI sind 67% aller Männer und 53% aller Frauen in Deutschland inzwischen übergewichtig – und ich war es nach meiner Schwangerschaft auch. “Was, du, übergewichtig?” würden Freunde und Bekannte jetzt empört dagegenhalten – eine Falschwahrnehmung oder wie ich heute sage, “Fettlogik”. Denn nur weil jemand nicht aussieht wie Rainer Calmund kann er oder sie trotzdem für seine Körpergröße übergewichtig sein.

Dieses Übergewicht bin ich inzwischen los und warum und wie erfahrt ihr im Blogstöckchen, das mir Nadja aka erzaehlmirnix in ihrem Blog “Fettlogik überwinden” zugeworfen hat. Dies und ihr zugehöriges Buch haben maßgeblich zum Verschwinden meiner überflüssigen Kilos beigetragen.

Wie & wann bist du auf Fettlogik gestoßen?

Anfang des Jahres. Ich hatte die erzaehlmirnix-Comics auf Twitter und Facebook verlinkt bekommen und bin über diesen Post dann auf das Fettlogik-Blog gestolpert.

Hattest du vorher irgendwelche Erfahrungen mit Gewichtsveränderung (Diäten o.ä.) und wie waren diese?

Ich war immer ein zierliches Kind und auch als dünne, unsportliche Jugendliche hatte ich eigentlich keinen Anlass zur Diät. Um mein Gewicht machte ich als Teenager trotzdem Gedanken. Ich habe eine sehr schmale Taille und fand mich mit meinen dünnen Armen und breiten Hüften immer unproportional und hässlich. Durch den Aufenthalt bei einer Gastmutter, die ihren Schützlingen nicht ausreichend Wegzehrung gab und verlor ich das erste Mal sichtbar – und unfreiwillig – Gewicht. Die Kilos weniger hätte ich nicht gebraucht, aber es war immer noch weit im gesunden Bereich und ich war das erste Mal seit Jahren wieder zufrieden mit meinem Po, wie das halt in dem Alter so ist. Als Studentin hatte ich keine Probleme, mein Gewicht zu halten, wenn es mal rauf ging, passte ich mit Süßigkeiten etc. mehr auf. Doch mit der Magisterarbeit, mit der Langzeitbeziehung und dem Bürojob stieg das Gewicht schleichend in einen Bereich, der mir nicht mehr gefiel. Ich nahm innerhalb etwa zehn Jahre etwa sieben Kilo zu. Halbherzige Versuche mit Sport und Verkneifen von Süßigkeiten und Pommes funktionierten nicht oder nur kurzfristig. Ich schob es auf’s Alter, völlig illusorisch wieder so viel wiegen wollen wie mit 21, oder? Und dick? Nee, dick war ich ja nie, also wozu etwas ändern.

Dann kam meine erste Schwangerschaft. Vom Arzt wurde ich ständig dafür gelobt, dass ich mein Gewicht so gut halten würde – bis zum Schluss hatte ich nur etwa 15 kg zugenommen. Ich achtete nicht wirklich akribisch darauf, außer mich eben ausgewogener als sonst zu ernähren und war daher auf fest davon überzeugt, den Schwangerschaftsspeck schnell loszuwerden. Ich dachte überhaupt gar nicht daran, dass es anders sein könnte. In der ersten Zeit nach der Schwangerschaft ging es dann auch recht schnell wieder Richtung Normalgewicht und nach einem Jahr ließ ich eine der zwei gewonnenen Hosengrößen hinter mir. Aber dann stagnierte es, nicht nur das, ich hatte das Gefühl, es ging sogar aufwärts, wie sonst ließe sich erklären dass von den fünfzehn zugelegten Kilo vor Geburt immer noch mysteriöserweise acht da waren? Und das, obwohl ich ehemalige Couchpotato als Mutter eines Kleinkindes so aktiv und beweglich geworden war! Egal wie ich es drehte oder wendete, meine alten Jeans kniffen nicht nur, sie ließen sich nicht mal ansatzweise schließen. Und das konnten nicht nur die Muskeln sein. Es machte mich unglücklich, denn ich gefiel mir mit den Extrakilos nicht, egal wie oft ich las dass Mütter nun mal was runder sind und das uns nur attraktiver macht. Aber was, wenn ich beim zweiten Kind nochmal acht Kilo zulegen würde? Dann wäre ich bald im 30er BMI-Bereich. Und dann?

Wie ging es dir beim Lesen? Hat sich durch das Lesen etwas verändert und wenn ja, was?

Erst habe ich ja das Blog entdeckt und am Anfang habe ich mich geärgert. Noch so ein Blog, das Frauen ein schlechtes Gewissen macht und ihnen einredet, es wäre ja alles so, so einfach. Als  Mutter hatte man ohnehin schon genug um die Ohren und jetzt auch noch abnehmen? Aber irgendwie konnte ich auch nicht aufhören, es zu lesen. Da war eine leise Stimme in meinem Hinterkopf, die schon seit Monaten jedesmal, wenn ich ein Foto von mir sah, flüsterte: “Das bist nicht du.” All meine zusammengelegten Ausreden fanden hier eine Antwort und da Nadja immer wieder schrieb, das Blog sei explizit nur als Begleitung zum Buch gedacht, bestelle ich erstmal eine Leseprobe. Da hatte ich ja nichts zu verlieren. Als die durch war, kaufte ich das Buch und las es in einem Rutsch durch.

Danach fühlte ich mich erst ertappt. Dann erleichtert. Es lag an mir, nicht an der Schwangerschaft. Dann war ich sauer über all die vergeudete Zeit. Und dann voller Energie. Ich wog mich, maß mich und die Zahlen schreckten mich nicht mehr, denn ich würde sie ja bald hinter mir lassen. Ich lud mir FDDB.de für mein Handy herunter und fing sofort damit an, meine Ernährung umzustellen. Und habe gleich wieder damit angefangen, täglich Fahrrad zu fahren, etwas, das ich seit meiner frühen Studienzeiten nicht mehr gemacht habe.

Bei welchen Kapitel(überschrifte)n warst du skeptisch, bzw. von welchen Fettlogiken warst du bisher überzeugt? Wie siehst du es jetzt?

Skeptisch war ich eigentlich  nirgendwo. Den ersten Schritt hatte ich ja schon vor Kauf getan, ich dachte, es muss schon was dran sein und mit der Einstellung hab ich das Buch dann auch gelesen. Ich habe sogar gar nicht von vorne bis hinten gelesen, sondern erst ganz gezielt die Fettlogiken ausgesucht, die mich betrafen, wie “Durch das Kinderkriegen nimmt man automatisch zu.” Überzeugt war ich von vielem, zum Beispiel dass abends essen schädlich ist, dass man frühstücken muss, dass Lightprodukte schaden, usw.

Welches Kapitel würdest du ergänzen?

Da fällt mir gerade nicht wirklich etwas ein.

Was war die letzte Fettlogik, der du begegnet bist, bei dir selbst oder anderen? Wie hast du reagiert?

Einer Fettlogik, der ich immer wieder begegne ist, “ich esse ja auch nur X Kalorien und ich nehme nicht ab” oder verwandt, “X kann ja essen was X will, ich nehme nur vom Ansehen zu”. Ich habe anfangs mit meinem neu angelesenen Wissen reagiert, habe aber inzwischen festgestellt, dass mein Enthusiasmus leider als verletzend oder anmaßend herüberkommt, eben weil ich auch in den Augen anderer nie “dick” war. Ich bin daher sehr vorsichtig geworden, über das Thema zu sprechen. Nur weil mir die Infos geholfen haben, heißt das ja nicht, dass andere sie hören wollen oder nützlich finden. Wenn jemand allerdings fragt, wie ich abnehme und dann mit Fettlogiken kontert warum das ja nicht sein kann, diskutiere ich die auch aus.

Hatte Fettlogik Einfluss auf deine Körperwahrnehmung und/oder die Wahrnehmung deiner Umwelt? Falls ja: Wie genau?

Ich habe festgestellt, wie stiefmütterlich ich meinen Körper behandelt habe. Nicht nur habe ich zwar alles über die Ernährung meines Kindes gelesen aber kaum auf meine eigene geachtet, ich habe mich auch so gut wie nicht bewegt. Schon wöchtentlichen, leichten Sport und tägliches Kinderwagenschieben habe ich mir als Wahnsinnsleistung angekreidet. Inzwischen bin ich entsetzt, wie viel Fastfood ich gegessen, wie viel Auto ich gefahren bin, Strecken die ich jetzt innerhalb weniger Minuten mit dem Rad zurücklege. Außerdem genieße ich Essen viel bewusster als früher, weil Dinge, die ich früher einfach nebenbei gefuttert habe, jetzt Belohnungen für eine aktive Woche sind.

Was die Umwelt angeht: die Zahlen kannte ich ja, dass mehr als die Hälfte der Bevölkerung übergewichtig ist, aber jetzt sehe ich es auch. Und auch das Überangebot an Essen überall. Ich sehe aber auch, wie sich ein Trend langsam etabliert, der Richtung Fitness geht, wie viele Leute durch den Wald joggen, wie viele Menschen auch in der Großstadt Fahrrad fahren.

Wenn sich dein Gewicht verändert hat: Welche Veränderungen bemerkst du an dir? Wie reagiert die Umwelt?

Das Gesicht im Spiegel sieht endlich wieder so aus, wie ich es erwarte und ich kann Fotos von mir ansehen, vorher habe ich sie meistens überblättert. Vom reinen Dünnerwerden abgesehen habe ich das erste Mal in meinem Leben sichtbare und fühlbare Beinmuskeln. Der Tag, an dem ich meine alten Hosen von vor der Schwangerschaft das erste Mal wieder einfach hochziehen und hochknöpfen konnte war ein Triumph. Inzwischen schlackern sie an Po und Oberschenkeln, dort wo Muskeln das Fett ersetzt haben – diesmal wirklich! Das Rückenweh, das mich seit der Schwangerschaft plagte, ist sehr viel besser geworden. Meine Umwelt reagiert eigentlich fast nur positiv. Vor allem Leute, die mich lange nicht gesehen haben, bzw. mich vor der Schwangerschaft gar nicht kannten haben ganz schön gestutzt. Ich bin auch, wie es früher einmal war, schneller satt und höre auch auf diese Körpersignale anstatt auf Sprüche “du isst ja wie ein Spatz” – ich weiß, dass ich für meinen Bedarf genau richtig esse

Vorher-Nacher Foto?

Das erste Foto ist zugegeben aus einem etwas unglücklichen, unnatürlichen Winkel aufgenommen. Aber gerade deswegen war es mit der Auslöser, dass es so nicht weitergehen konnte. Zuvor hatte ich Fotos von mir selbst wenn überhaupt nur von oben oder bei “richtigem Licht” zugelassen. Auf diesem spontanen Schnappschuss erkannte ich mich überhaupt nicht wieder. Die Hose, die ich auf dem zweiten Foto anhabe, stammt aus der Zeit vor der Schwangerschaft und saß da schon knapp. Damals hätte ich sie nicht mal schließen können.

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7. Juni, BMI 25,3 – leichtes Übergewicht.

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Heute: BMI 22,6 – mittleres Normalgewicht.

Danke, Nadja, für das Blogstöckchen und vor allem für Dein Buch, das nicht nur mir sondern vielen anderen zu einigen Erfolgserlebnissen und zu einem ganz neuen Lebensgefühl verholfen hat.

Das Buch gibt es derzeit nur als E-Book auf Amazon und in naher Zukunft auch als Taschenbuch. Ich war schon nach einer Leseprobe überzeugt, wenn ihr wollt, schaut es euch selbst an:

Dies ist ein sogenannter Affiliate-Link, d. h., solltet ihr das Buch über diesen Link kaufen, fällt eine winzige Provision für mich ab. Ich setze Affiliate-Links grundsätzlich aus eigener Motivation und nur für Produkte, die ich uneingeschränkt empfehle.

Mehr Kopf, weniger Herz

Liebe Impfgegner im Internet,

ich bin kurz davor, zu kapitulieren. Es hat ja doch keinen Sinn mit euch.  Als Beispiel dieses Facebook-Post.

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Ja. Was soll man dazu noch sagen. Entweder gar nichts, oder sehr viel.

Bitte, nehmt euch mal eine halbe Stunde Zeit und versucht wenigstens nachzuvollziehen, worum es mir und den anderen Impfbefürwortern geht.

Zunächst eine kleiner Kurs in Sachen Immunsystem. Kurz und unterhaltsam.

Alles klar?

Dann ein bisschen Nachhilfe zum Thema  “Argumentieren im Internet”. Es gäbe eine Menge zu sagen (Stichwort: Anekdotische Evidenz) aber ich bleibe beim Kernproblem:

Korrelation ist nicht gleich Kausalität. Das klingt kompliziert, heißt aber lediglich:

Zwei Dinge, die gleichzeitig auftreten, müssen sich nicht zwangsläufig bedingen.

Sagen wir, ihr kennt viele Männer mit Bart und sie alle haben Übergewicht. Ihr würdet doch auch nicht auf die Idee kommen, dass Bärte Übergewicht verursachen, oder?

Ungeimpfte Kinder können gesund und sozial sein. Geimpfte chronisch krank und furchtbar anstrengend. Das eine hat aber mit dem anderen allerdings wenig bis gar nichts zu tun.

Wie Kinder krank werden

Wie im Video beschrieben, ist das Immunsystem eines Menschen besser, je mehr Erfahrung es hat. Das Immunsystem eines  Kindes ist noch in der Ausbildung, sozusagen. Daher sind Kinder anfälliger für ansteckende Krankheiten. Zum Anstecken müssen sie natürlich anderen kranken Kindern begegnen. Ein Kind, das keinen Kindergarten besucht, hat also ein geringeres Risiko, häufiger krank zu werden. In dem Punkt hat die Dame im Facebook-Post also höchstwahrscheinlich recht.

Kinderkrankheiten sind kein Kinderspiel

Es gibt nun zwei Arten von Krankheiten, mit denen sich das Kind anstecken kann. Ein Schnupfen oder eine Bindehautentzündung sind lästig, aber bald vorbei und lassen sich gut auskurieren.  Sie geben dem Immunsystem etwas zu tun und schon beim nächsten Mal ist die Chance gestiegen, dass es gar nicht zu einem Krankheitsausbruch kommt. Ein guter Deal, oder?Warum nicht auch beispielsweise bei Masern so vorgehen? Da ist man sogar immun, wenn man sie einmal gehabt hat. Durchmachen, immun sein, fertig. Und keiner muss gepiekst werden. Allerdings ist dies bei Masern ein Spiel mit dem Feuer. Es sterben jedes Jahr Tausende Kinder daran. Die Krankheit kann außerdem gefährliche Spätfolgen haben und daher wurde ein Impfstoff dagegen entwickelt. Wie im Video beschrieben, können so die Abwehrkräfte mobil gemacht werden, ohne dass die Krankheit durchlitten werden muss.

Geimpfte Kinder schützen ungeimpfte

Jetzt ist aber das ungeimpfte Kind so gesund. Und die Tante Frida war auch nicht geimpft und hatte nie Masern. Irgendwas muss man ja richtig gemacht haben. Nein, hier handelt es sich um einen weiteren Fehlschluss. Wir erinnern uns: Korrelation ist nicht Kausalität. Die wahre Ursache für die Gesundheit des Kindes und der Tante ist der sogenannte Herdenschutz.  Masern können sich in einer Population nicht ausbreiten, in der die meisten Menschen dagegen immun sind. Davon profitieren alle, die nicht geimpft werden wollen oder können.

Verantwortung für die anderen

“Jeder soll seinen Weg gehen” schreibt die Mutter auf Facebook. Das mag stimmen – bei Dingen, die nur einen selbst etwas angehen. Bei der Wahl des Babybettchens, des Kindergartens, der Schuhmarke – das alles sind persönliche Entscheidungen, die nur das eigene Familienleben betreffen. Aber Impfungen betreffen leider alle. Sobald nicht mehr genug Menschen immun gegen Masern sind, brechen sie aus. Das ist ein Fakt, der in den USA leider schlimme Realität geworden ist.

Ganz besonders tragisch ist dies für Menschen, die nicht immunisiert werden können. Beispielsweise Neugeborene oder Kinder, deren Immunsystem durch eine Chemotherapie geschwächt wurde. Selbst wenn ihre Eltern sie vor Masern schützen lassen wollten, es ist nicht möglich. Infiziert sich so ein Kind  – und solche Fälle gibt es leider immer wieder – wird es auf den Weg der Impfgegner mitgerissen, gnadenlos, im schlimmsten Fall bis in den Tod. Für solche  Menschen ist der Herdenschutz eigentlich gedacht – die Stärkeren schützen die Schwachen und nehmen für sie auch das Risiko auf, das eine Impfung mit sich  bringt.

Impfschäden

Ja, es gibt das Risiko für Impfschäden und schönreden oder ignorieren möchte das niemand.  Es wird geschätzt, dass bei etwa zwei Millionen Masern-Röteln-Mumps-Impfungen eine Komplikation auftritt. Und niemand will, dass sein eigenes Kind dieser eine Fall ist. Ich möchte das auch nicht. Aber: Dieses geringe Risiko einzugehen bedeutet nicht nur, andere Menschen zu schützen, sondern dazu beizutragen, dass die Krankheit für immer ausgerottet wird. Dass es auch dieses kleine Risiko gar nicht mehr geben wird. Dann haben wir alle gewonnen und müssen auch der Pharmaindustrie weniger Geld in den Rachen werfen, die uns Impfbefürworter ja angeblich alle am Nacken hat.

Ich möchte nur darum bitten, mehr mit dem Kopf zu denken, und nicht mit dem Herzen. Auch wenn uns das bei den eigenen Kindern sehr oft schwerfällt.

P.S: Bei all dem Linksuchen und Nachlesen habe ich den Absatz glatt übersprungen, wo Impfen u. A. mit dem Mitlaufen im Dritten Reich verglichen wird. Dazu nur ein letzter Link: Godwin’s Law. Den Rest behalte ich lieber für mich.