12 Bilderbücher, die beim Vorlesen nicht nerven

Gleich zwei Anlässe für einen Blogeintrag:

1.  Diese Klickstrecke über nervige Bilderbücher der SZ, in der alle meine Hasskandidaten vereint sind (und die mich vor ein paar mehr vorwarnte)

2. Mein Post über 10 Bilderbücher für Kinder,  die auch Erwachsene gerne vorlesen ist inzwischen so lange her, dass ich die Vorlesempfehlung von “ab zwei” auf “ab drei” hochstufen muss.

Bevor wir ins Vorschulalter schlittern, also noch mal 12 Bücher, die auch wir Eltern gerne und oft vorlesen.

1. Sven Nordqvist: Wo ist meine Schwester?

Sven Nordqvist ist den meisten vorlesenden Eltern als Zeichner und Autor der “Pettersson und Findus”-Reihe bekannt, die hier und da ein bisschen surreal sind, aber größtenteils auf dem Boden der Realität bleiben (inwieweit das mit einer sprechenden Katze eben geht). In diesem übergroßen Bilderbuch hebt Nordqvist völlig in eine schräge Phantasiewelt ab. Jede einzelne Seite ist so detailliert, dass man gar nicht weiß, wo man zuerst hingucken möchte – und die Suche nach der Schwester des kleinen Trolljungen ist wirklich gar nicht mal so einfach. Das wuchtige Format ist unpraktisch für das Regal (und leider auch sehr teuer), dem Inhalt aber absolut angemessen. Dies ist kein Buch für zwischendurch, sondern braucht Zeit und Hingabe.

2. Tor Freeman: Pino Pfote, Päckchenbote & Pino Pfote – Ab die Post

Suchbücher gibt es inzwischen viele, doch die meisten sind nicht besonders einfallsreich. Anders als die zwei Bücher mit Pino Pfote, der Päckchen quer durch seine Stadt austrägt, wo die Empfänger und Empfängerinnen in Tropenhaus, Museum, Werkstatt und so weiter schon dringend auf ihre Lieferung warten. Freemans Bilder sind dabei voller Situationskomik und Anspielungen, an denen auch Erwachsene ihre Freude haben werden. Schön auch, dass sich das Buch weg von den üblichen Klischees bewegt. Rollen und Berufe sind kreuz und quer verteilt und auch die Suche nach den Gegenständen macht jedes Mal wieder Spaß, weil man fast immer etwas Neues entdeckt.

3. Hélène Lasserre: Tolle Nachbarn

Der Schafsjunge mit Brille wohnt in einem grauen Reihenhaus, mit lauter anderen Schafen. Doch als andere Tiere einziehen, wird das Haus lebendiger und bunter – auch wenn es durch die unterschiedlichen Bedürfnisse von Störchen, Krokodilen und Tigern jetzt Stress mit den anderen Schafen gibt. Als Zyniker könnte man dieses Buch wohl als gezeichnete Sozialromantik bezeichnen, aber gerade bei dem heutigen Diskussionsklima finde ich es dringend nötig. Unterm Strich handelt es vom aufeinander Zugehen und miteinander anstatt nur nebeneinander zu leben und ist dabei wunderschön detailliert gezeichnet.  Wie auch “Wo ist meine Schwester?”  besticht “Tolle Nachbarn” durch sein ungewöhnliches Format: es ist sehr hoch und schmal, was viel Platz für die vielen Stockwerke des Hauses lässt.Und wer mich sozialromantisch findet, weil ich schön finde, wie eine Kuh in einen Taucheranzug steigt, um mit den Nachbarsfischen Zeitung zu lesen – bitteschön.

4. Quentin Blake: 1, 2, 3, wo ist der Papagei?

Die Illustrationen von Quentin Blake mochte ich als Kind in den Büchern von Roald Dahl schon gerne und freute mich daher, ihn als Illustrator von Bilderbüchern in der Bibliothek wiederzutreffen. “1, 2, 3, wo ist der Papagei?” ist leider ansonsten nur gebraucht erhältlich, aber schon seit dem ersten Besuch in der Bücherei ein immer wieder geliehener Klassiker geworden. Professor Dupont sucht seine zehn Papageien, auf jeder Doppelseite in einem anderen Zimmer seines Hauses. Er selbst sieht sie nicht, der Betrachter des Bildes aber schon, was unser Kind sehr amüsiert. Dazu ist der Professor auf die typische Blake-Art etwas schräg und schrullig, was wiederum uns Vorlesenden gefällt.

5. Petr Horacek: Kleiner blauer Pinguin

Eine Geschichte vom Anderssein, ein Gefühl, das wohl jedes Kind einmal hat. Der Pinguin ist blau, fühlt sich aber trotzdem einfach als ein Pinguin, etwas, was die anderen Pinguine um ihn herum nicht verstehen, denn für sie gehört er nicht zu ihnen. Das Buch findet einfache, schon für kleine Kinder verständliche Worte um die Emotionen des blauen Pinguins zu beschreiben und bleibt gleichzeitig so abstrakt, dass das, was den Pinguin eben anders macht, stellvertretend für vieles im Kinderleben stehen kann. Es zeigt, wie wichtig Freundschaft ist und dass sie zunächst ausweglos scheinende Situationen besser machen kann. Dazu ist es sehr schön illustriert.

6. Annette Langen, Frauke Bahr: Carlotta – Hurra, mein Bruder ist da!


Das Buch klingt zunächst, wie die meisten Geschwisterbücher: das große Geschwisterkind freut sich, ist dann erst enttäuscht und wächst dann schließlich in seine neue Aufgabe hinein. Was das Buch aber besonders macht, ist seine Protagonistin, die mal nicht das übliche brave und vernünftige Mädchen aus den meisten deutschen Bilderbüchern ist. Abgesehen davon, dass endlich mal eine Hauptfigur keine helle Haut hat, ist Carlotta einfach ein authentisches kleines Kind mit Ecken und Kanten, das sich auch mal so richtig daneben benimmt. Da kann Conni einpacken, wir halten Ausschau nach den anderen zwei Carlotta-Büchern.

7. Eric Carle: Do you want to be my friend? / Die kleine Maus sucht einen Freund

Eric Carle kennen wohl fast alle Eltern als Illustrator der kleinen Raupe Nimmersatt. Er hat noch viele weitere Kinderbücher geschrieben, die fast alle sehr empfehlenswert ist. Auf die englische Ausgabe des Buchs mit der kleinen Maus, die einen Freund sucht, stießen wir zufällig in einem Kindercafé. Durch die ständige Wiederholung der Frage der Maus (“do you want to be my friend?”) ist es auch auf Englisch für Kindergartenkinder verständlich. Und am Schluss gibt es sogar einen kleinen Überraschungseffekt.

8. Nicholas Odland: Mach mal Pause, Biber

Ein Biber weiß beim Nagen nicht, wo er aufhören soll und bringt durch seine Arbeitswut den Wald, seine Freunde und schließlich sich selbst in Gefahr. Ein durchaus etwas skurriles Buch, bei dem ich mit meinem Mann ausnahmsweise unterschiedlicher Meinung bin, er hält es für eher seltsam und nicht schön illustriert – es ist also Geschmackssache. Ich finde es witzig und auch die Botschaft gut: lieber vorher nachdenken und auch mal eine Pause machen. Ein Buch, dass sich auch manche Erwachsene gerne mal zu Herzen nehmen dürfen.

9. Oliver Jeffers, Sarah Haag: Der unglaubliche Bücherfresser

Ich mag es ja, wenn Kinderbücher mal nicht knuddelig-niedlich getrimmt sind, sondern richtige Kunstwerke sind. Dieses Buch über das Lesen ist mit sehr hochwertigen Zeichnungen illustriert, die teilweise auf Buchseiten und Buchrücken entstanden und auch so bei uns an der Wand hängen könnten. Es handelt von Henry, der Bücher frisst, um schlauer zu werden und irgendwann darauf kommt, dass es anders besser geht. Das Buch lebt vor allem durch seine Illustrationen und auch das Format – eine Kante ist herausgebissen, was unsere Dreijährige immer wieder lustig findet.

10. Reihe: “Frag doch mal die Maus” – Erstes Sachwissen

Wenn das Kind für “Was ist was” noch zu klein ist, aber zu der Sorte  gehört, die ständig fragt “wie funktioniert das” und “warum”, ist diese Buchreihe genau richtig. Es gibt eine ähnliche Serie von Ravensburger, doch dort schwankt die Qualität je nach Thema sehr stark und ich mag den Stil der “Maus”-Reihe lieber. Genau wie auch die Fernsehmaus es seit Jahrzehnten vorbildlich macht, werden hier Sachthemen kindgerecht aufgearbeitet und in Büchern mit vielen Klappen und Extras wie zusätzlichen Spielen verpackt. Für eine längere Bahnreise habe ich uns das Eisenbahnbuch gekauft und wirklich alle Fragen meiner Tochter beantworten können. Bisher hatten wir noch kein Buch aus der Reihe in der Hand, was uns enttäuscht hat.

11. Jane Hissey: Kleine Bären-Bücherei

Ein Speicherfund, den es nur noch gebraucht zu kaufen gibt. Die Box enthält drei Bücher mit den Abenteuern eines kleinen, aufgeweckten Plüschbären mit roter Hose und seinen Freunden aus dem Kinderzimmer. Die Geschichten sind kunstreich illustriert und etwas länger, aber gepaart mit den detaillierten Bildern durchaus innerhalb der Konzentrationsspanne aufgeweckter Dreijähriger. Es passieren spannende Dinge und vor allem nichts wirklich Bedrohliches in dieser wunderschön gezeichneten Retro-Welt voller Chintz und Blümchentapeten. Die Illustratorin Jane Hissey erweckt mit ihren liebevollen Büchern bereits seit 30 Jahren  ihren eigenen Teddybären und die Stofftiere ihrer Kinder zum Leben.

12. Max Kruse & Günther Jakobs: Urmel-Reihe

Die Geschichten um das Urzeittier Urmel auf der Insel Titiwu sind seit Generationen ein geliebter Kinderbuchklassiker. Unser Kind lernte sie durch ein Hörspiel kennen, ist zum Vorlesen der Buchversion aber noch zu klein. Die Bilderbuchversion ist für das Alter ab drei genau richtig: Die Geschichten sind kurz, aber nicht banal und Jakobs Zeichenstil schafft es, den Charme der Vorlage beizubehalten und sie gleichzeitig sanft zu modernisieren, ohne sie glattzubügeln. Wir haben bisher “Urmel sucht den Schatz” und “Urmel und die Schweinefee” gelesen, welche beide schnell zu Familienfavoriten wurden.

12A. Astrid Lindgren: Die Kinder aus Bullerbü

Wie schon bei der letzten Liste ist dieses Buch außer Konkurrenz gelistet, da es kein Bilderbuch ist und eigentlich für ältere Kinder gedacht ist. Die Kapitel sind allerdings so kurz gehalten, dass sie durchaus auch schon im Kindergarten vorgelesen werden können. Auch hier baut sich Spannung in Alltagssituationen auf, beispielsweise wenn Inga und Lisa einkaufen gehen und immer wieder vergessen, was sie kaufen sollen. Außerdem gibt es für die Feiertage wie Ostern und Weihnachten Geschichten, die man in dieser Zeit dann vorlesen kann.

Was sind eure Lieblingsbücher? Was lest ihr gern vor, was geht gar nicht? Ich hoffe, ihr konntet wieder ein paar schöne Buchempfehlungen mitnehmen, man kann es nicht oft genug sagen: auch kleine Kinder verdienen gut gemachte Bücher.

Auf den Bildern liegen sogenannte Affiliate-Links, d. h., solltet ihr das Buch über diesen Link kaufen, fällt eine winzige Provision für mich ab. Ich setze Affiliate-Links grundsätzlich aus eigener Motivation und nur für Produkte, die ich uneingeschränkt empfehle.

#aufaugenhöhe – auch 2016

Lieber Andreas,

heute spülte mir Twitter dies auf die Timeline.

 

Ich folgte dem Link, las ihn und tippte erst einmal mindestens eine halbe Stunde in Rage vor mich her. Dann erst merkte ich, dass der Blogpost, den du dort verlinkst, schon anderthalb Jahre alt ist. Und das Leute schon ausführlich darauf geantwortet haben. Wie Mama Notes zum Beispiel. Eine ganze Blogparade entstand, #aufaugenhöhe – die hab ich verpasst. Und du wohl auch.

Denn heute du verlinkst denselben Blogpost noch einmal. Unverändert. Vielleicht ist das ja auch nur ein Missverständnis. Vielleicht ist auch nur dein Twitterprogramm so eingestellt, dass es immer mal wieder ältere Links streut. Aber es wird Leute geben, die den Eintrag lesen. Und vielleicht ausdrucken und ihren Frauen hinlegen, wie du es vorschlägst. Und das möchte ich verhindern.

Auch anderthalb Jahre später ist die Situation immer noch dieselbe. Zwei Drittel der Arbeitszeit von Frauen ist unbezahlt – dazu zählt Kinderbertreuung und Haushaltsführung. Bei Männern ist es weniger als die Hälfte. Bei der Elternzeit hat sich auch kaum etwas getan. 80 % aller Väter, die Elternzeit nehmen, tun dies nur für 2 Monate. Haushalt und Kinder sind größtenteils weiterhin Frauensache. Dass viele Frauen (und auch viele Männer) diese Situation nicht zufriedenstellend finden, hast du im Feedback zu #aufaugenhöhe lesen können.

Auch ich sehe nicht ein, mich damit abzufinden, dass “Männer halt so sind”, wie du es schreibst:

” Wir haben bei vielen Dingen einen ganz andere Hemmschwelle als Frauen. Das muss genetisch sein.”

Gene sind eine tolle Sache. Es gibt Theorien, dass sogar Dinge wie die Tendenz zu Scheidungen genetisch veranlagt sein können (ich empfehle Interessierten an dieser Stelle immer die Bücher von Stephen Pinker). Aber obwohl ich mich als Lain gehörig aus dem Fenster lehne,  bin ich mir ziemlich sicher: Es gibt kein Gen, das leere Kühlschränke voll und volle Mülleimer als leer erscheinen lässt.

 

Alles andere ist eine Ausrede und auch dieser Brief ist nichts anderes, hübsch verpackt in Komplimente.  Wenn das “anbetungswürdige Geschöpf” namens Frau, das alles im Griff hat, nicht zur Arbeit ruft, dann wird wohl auch nichts sein. Und wenn die Göttin dann doch Hilfe von ihrem treuen Diener möchte, muss sie nur drei winzig kleine Dinge beachten:

“Wir sehen viele Aufgaben nicht, selbst wenn sie uns beißen.
Sagt uns was wir tun sollen und wir tun es.
Sagt es uns so, dass wir es verstehen.”

Frauen in einer derartigen Konstellation müssen sich nur leider wesentlich mehr als diese drei Dinge merken, denn auch wenn man jemanden zum Einkaufen abkommandiert, muss man sich ja erst mal grundsätzlich selbst merken, was gerade fehlt. Merken, wann das Kind vom Kindergarten geholt werden muss. Merken, wann die Waschmaschine gelaufen ist. Eine Liste, die ins Unendliche geht. Und wenn man müde ist oder hungrig oder einfach keine Lust auf diesen ganzen Kram hat, fällt uns Frauen das Merken genetisch kein bisschen leichter als Männern. Da landen diese drei Punkte höchstens auf Platz 334-336.

Daher, meine Bitte:

Liebe Männer, die diesen Brief auch im Jahr 2016 noch ausdrucken möchten, um ihn ihrer Frau vorzulegen:

Lasst es.

Wenn ihr euch nicht merken könnt, dass kein Brot mehr da ist, oder euer Kind abgeholt werden muss, dann liegt das nicht an eurem Männerhirn. Sondern daran, dass diese Dinge keine besonders hohe Priorität für euch haben. Werden im Radio die Staus durchgesagt, hört man bei der Autobahn der Gegenrichtung ja auch nicht mehr richtig zu.  Ich wette, zum Treffen mit Euren Freunden und ins Büro schafft ihr es meistens pünktlich und mit der richtigen Hose an. Und wenn ihr euch das wirklich, wirklich nicht merken könnt – dafür gibt es Kalender. Oder Apps. Oder einfach einen Zettel und einen Stift.

Dreht diesen unsäglichen Brief um und fangt direkt an.

 

Dinge verschwinden

Ich gebe es offen zu: Meistens verschwinden Dinge in dieser Wohnung durch meine Schuld. Mein  Kurzzeitgedächtnis ist phänomenal löchrig. Wenn ich einen Gegenstand in der Hand halte und abgelenkt werde,  lege ich ihn ab und zwei Sekunden später suche ich verzweifelt danach. Regelmäßig treibe ich meine Familie auf wilden Jagden nach meiner Brille, meinem Schlüssel, meinem Handy durch die Wohnung. Sie nehmen es mit Humor, denn noch ist nie wirklich etwas weggekommen. Es tauchte immer wieder auf.

Bisher.

“Wo ist der Autoschlüssel?” Der Mann ist diesmal wenig verständnisvoll und wer wird es ihm verübeln?  In fünf Minuten muss das Kind bei der Tagesmutter sein und ich bin auf dem Weg zur Arbeit am anderen Ende der Stadt. Mir wird abwechselnd heiß und kalt.  Das ist bereits der Ersatzschlüssel. Der erste verschwand vor einigen Monaten auf unerklärlicher Weise. Beide Male war ich die letzte gewesen, die ihn in der Hand gehalten hatte.

“Kommode oder Schlüsselbrett?”
“Nein.”

Panisch taste ich meine Manteltaschen ab. Leer. Auch im Rucksack ist er nicht. Es bleibt uns nichts anderes übrig, der Mann muss das Kind zu Fuß hastig hin- und mit entsprechendem Vorlauf nachmittags zurückbringen.  Er ist weiterhin nicht gerade begeistert (“beim ersten Schlüssel hab ich noch gelacht”).

Ich dagegen fangen ernsthaft an, an meinem Geisteszustand zu zweifeln. Whatsapp-Nachrichten fliegen hin und her. Schreibtisch, Couchtisch, doch die Kommode? Handtasche? Wo soll er denn sonst sein?  Ist er mir vielleicht aus der Tasche gefallen, als ich das Kind abschnallte?

Das Kind.

Bei beiden Autofahrten, nach denen die Schlüssel verschwanden,  hatte ich das Kind dabei und jeweils kurz im Flur nicht auf es geachtet, während ich meine Jacke und Schuhe auszog.

Das Kind versteckt normalerweise keine Dinge. Aber es hilft gerne. Es trägt mir die Schuhe hinterher, die Einkaufstasche. Es mag auch den Autoschlüssel gerne und hält ihn manchmal für mich fest und darf dann auf den “Zu”-Knopf drücken.

Das Kind ist außerdem gewachsen und kann jetzt mit seinen Patschehändchen auf die Kommode reichen, auf die ich den Schlüssel nach meiner Rückkehr meistens lege.

Anruf: “Frag das Kind. Vielleicht hat das Kind den Schlüssel versteckt.”

Der Vater ist empört, dass ich meine Schusseligkeit jetzt dem armen Kind in die Schuhe schiebe, aber da er genauso verzweifelt ist wie ich,  fragt er, ohne nennenswerte Resultate.

Abends komme ich, vom schlechten Gewissen geplagt,  heim und gehe meinen Weg vom Auto in die Wohnung selbst ab, suche alle benutzten Taschen und Kleidungsstücke durch, alle Oberflächen. Nichts.

Das passionierte Lesen von Detektivromanen hat mich eins gelehrt: “Wenn du das Unmögliche ausgeschlossen hast, dann ist das, was übrig bleibt, die Wahrheit, wie unwahrscheinlich sie auch ist.”

Ich wende mich dem Kind zu. Das Kind sitzt beim Abendessen und stopft Käsebrot in sich hinein.

Ich: “Weißt du wo der Autoschlüssel ist?”
Kind: (Krümel sprühend) “Ja.”
Vater: “Als ob das was zu sagen hat.” (Das Kind antwortet oft mit “ja”.)
Ich: “Wo ist der Autoschlüssel denn? Ist er vielleicht im Schlafzimmer?”
Kind: “Ja.”
Vater: “Suggestivfragen! Das gibt nichts.”

Es müssen härtere Geschütze aufgefahren werden.

Ich: “Wir spielen jetzt ein Spiel. Wer den Autoschlüssel findet, der kriegt Schokolade.”
Kind: “LADE. Lade haben!”
Ich: “Wenn du mir den Schlüssel bringst. Weißt du wo er ist?”
Kind: “Ja. Lade!”
Ich: “Zeig mir wo der Schlüssel ist und ich fahre sofort los und kaufe dir Schokolade. Ich bin dir auch nicht böse. Ehrlich.”
Kind: “Lade!”
Ich: “Mama braucht den Schlüssel, sonst kann sie nicht Schokolade kaufen fahren….”
Das Kind springt auf und rennt vor in den Flur.
Kind, aus dem Flur rufend: “Mode!”
Ich und der Vater schauen uns mitleidig an. Das arme Kind hat den Schlüssel wohl dort als letztes gesehen und hofft nun auf Schokolade. Nur haben wir die Kommode natürlich mehr als gründlich abgesucht, schließlich ist es auch der allererste Ort, an den ich den Mann nach seinem Anruf verwiesen habe. Er hat sie sogar von der Wand gerückt, um dahinter nachzusehen.
Kind: “Mode, Mama, pomm gucken!”

Wir folgen dem Kind. Es steht vor der Kommode. Darauf blitzt etwas Silbernes.

Der Mann bricht in hysterisches Gelächter aus.

Das Kind strahlt. “Lade!”

Obwohl es schon fast Schlafenszeit ist, fahre ich los und kaufe dem Kind einen Schokoladenriegel.  Während es ihn selig verschlingt, eruieren der Mann und ich die Bedeutung der jüngsten Geschehnisse.

1. Unsere geistigen Fähigkeiten nehmen langsam aber sicher ab. Unserer Wahrnehmung ist bald nicht mehr zu trauen. Wir müssen uns wichtige Informationen auf die Oberarme tätowieren und ein Video für das Kind aufnehmen, solange wir uns noch an unsere Namen erinnern.

2. Wir haben einen schlüsselversteckenden und wieder auftauchen lassenden Poltergeist in der Wohnung.

oder

3. Das Kind versteckt, wenn es unbeobachtet ist, Dinge und hat
4. gelernt, wenn es sie versteckt und wiederbringt, gibt es Schokolade.

Freundliche aber bestimmte Befragungen nach dem ersten Schlüssel bleiben fruchtlos, trotz drastischen Erhöhungen der Bestechungssumme. Das Kind schaut uns lieb an – in seiner Welt ist das Ereignis Jahre her und längst vergessen. Fast hätte den Zweitschlüssel dasselbe Schicksal ereilt.  Mein Blick wandert auf das kindhohe Beistelltischchen, wo ich meine Handtasche regelmäßig abstelle. Mit meiner Geldbörse, meinem Handy, meinen USB-Sticks für die Arbeit – mir wird schon wieder abwechselnd heiß und kalt.

Ich weise den Mann an, nach meinem Verlassen der Wohnung am Morgen jetzt nur noch mit offener Tür zu duschen. Meine Handtasche nehme ich ab jetzt überall hin mit, nachts kommt sie unters Kopfkissen. Der Autoschlüssel hänge ich an das Schlüsselbrett an der Wand. Noch kommt das Kind dort nicht heran. Noch.

Blogstöckchen von #fettlogik

Weiter mit einem Thema, das den Begriff “First world problem” tatsächlich verdient hat: Übergewicht. Laut RKI sind 67% aller Männer und 53% aller Frauen in Deutschland inzwischen übergewichtig – und ich war es nach meiner Schwangerschaft auch. “Was, du, übergewichtig?” würden Freunde und Bekannte jetzt empört dagegenhalten – eine Falschwahrnehmung oder wie ich heute sage, “Fettlogik”. Denn nur weil jemand nicht aussieht wie Rainer Calmund kann er oder sie trotzdem für seine Körpergröße übergewichtig sein.

Dieses Übergewicht bin ich inzwischen los und warum und wie erfahrt ihr im Blogstöckchen, das mir Nadja aka erzaehlmirnix in ihrem Blog “Fettlogik überwinden” zugeworfen hat. Dies und ihr zugehöriges Buch haben maßgeblich zum Verschwinden meiner überflüssigen Kilos beigetragen.

Wie & wann bist du auf Fettlogik gestoßen?

Anfang des Jahres. Ich hatte die erzaehlmirnix-Comics auf Twitter und Facebook verlinkt bekommen und bin über diesen Post dann auf das Fettlogik-Blog gestolpert.

Hattest du vorher irgendwelche Erfahrungen mit Gewichtsveränderung (Diäten o.ä.) und wie waren diese?

Ich war immer ein zierliches Kind und auch als dünne, unsportliche Jugendliche hatte ich eigentlich keinen Anlass zur Diät. Um mein Gewicht machte ich als Teenager trotzdem Gedanken. Ich habe eine sehr schmale Taille und fand mich mit meinen dünnen Armen und breiten Hüften immer unproportional und hässlich. Durch den Aufenthalt bei einer Gastmutter, die ihren Schützlingen nicht ausreichend Wegzehrung gab und verlor ich das erste Mal sichtbar – und unfreiwillig – Gewicht. Die Kilos weniger hätte ich nicht gebraucht, aber es war immer noch weit im gesunden Bereich und ich war das erste Mal seit Jahren wieder zufrieden mit meinem Po, wie das halt in dem Alter so ist. Als Studentin hatte ich keine Probleme, mein Gewicht zu halten, wenn es mal rauf ging, passte ich mit Süßigkeiten etc. mehr auf. Doch mit der Magisterarbeit, mit der Langzeitbeziehung und dem Bürojob stieg das Gewicht schleichend in einen Bereich, der mir nicht mehr gefiel. Ich nahm innerhalb etwa zehn Jahre etwa sieben Kilo zu. Halbherzige Versuche mit Sport und Verkneifen von Süßigkeiten und Pommes funktionierten nicht oder nur kurzfristig. Ich schob es auf’s Alter, völlig illusorisch wieder so viel wiegen wollen wie mit 21, oder? Und dick? Nee, dick war ich ja nie, also wozu etwas ändern.

Dann kam meine erste Schwangerschaft. Vom Arzt wurde ich ständig dafür gelobt, dass ich mein Gewicht so gut halten würde – bis zum Schluss hatte ich nur etwa 15 kg zugenommen. Ich achtete nicht wirklich akribisch darauf, außer mich eben ausgewogener als sonst zu ernähren und war daher auf fest davon überzeugt, den Schwangerschaftsspeck schnell loszuwerden. Ich dachte überhaupt gar nicht daran, dass es anders sein könnte. In der ersten Zeit nach der Schwangerschaft ging es dann auch recht schnell wieder Richtung Normalgewicht und nach einem Jahr ließ ich eine der zwei gewonnenen Hosengrößen hinter mir. Aber dann stagnierte es, nicht nur das, ich hatte das Gefühl, es ging sogar aufwärts, wie sonst ließe sich erklären dass von den fünfzehn zugelegten Kilo vor Geburt immer noch mysteriöserweise acht da waren? Und das, obwohl ich ehemalige Couchpotato als Mutter eines Kleinkindes so aktiv und beweglich geworden war! Egal wie ich es drehte oder wendete, meine alten Jeans kniffen nicht nur, sie ließen sich nicht mal ansatzweise schließen. Und das konnten nicht nur die Muskeln sein. Es machte mich unglücklich, denn ich gefiel mir mit den Extrakilos nicht, egal wie oft ich las dass Mütter nun mal was runder sind und das uns nur attraktiver macht. Aber was, wenn ich beim zweiten Kind nochmal acht Kilo zulegen würde? Dann wäre ich bald im 30er BMI-Bereich. Und dann?

Wie ging es dir beim Lesen? Hat sich durch das Lesen etwas verändert und wenn ja, was?

Erst habe ich ja das Blog entdeckt und am Anfang habe ich mich geärgert. Noch so ein Blog, das Frauen ein schlechtes Gewissen macht und ihnen einredet, es wäre ja alles so, so einfach. Als  Mutter hatte man ohnehin schon genug um die Ohren und jetzt auch noch abnehmen? Aber irgendwie konnte ich auch nicht aufhören, es zu lesen. Da war eine leise Stimme in meinem Hinterkopf, die schon seit Monaten jedesmal, wenn ich ein Foto von mir sah, flüsterte: “Das bist nicht du.” All meine zusammengelegten Ausreden fanden hier eine Antwort und da Nadja immer wieder schrieb, das Blog sei explizit nur als Begleitung zum Buch gedacht, bestelle ich erstmal eine Leseprobe. Da hatte ich ja nichts zu verlieren. Als die durch war, kaufte ich das Buch und las es in einem Rutsch durch.

Danach fühlte ich mich erst ertappt. Dann erleichtert. Es lag an mir, nicht an der Schwangerschaft. Dann war ich sauer über all die vergeudete Zeit. Und dann voller Energie. Ich wog mich, maß mich und die Zahlen schreckten mich nicht mehr, denn ich würde sie ja bald hinter mir lassen. Ich lud mir FDDB.de für mein Handy herunter und fing sofort damit an, meine Ernährung umzustellen. Und habe gleich wieder damit angefangen, täglich Fahrrad zu fahren, etwas, das ich seit meiner frühen Studienzeiten nicht mehr gemacht habe.

Bei welchen Kapitel(überschrifte)n warst du skeptisch, bzw. von welchen Fettlogiken warst du bisher überzeugt? Wie siehst du es jetzt?

Skeptisch war ich eigentlich  nirgendwo. Den ersten Schritt hatte ich ja schon vor Kauf getan, ich dachte, es muss schon was dran sein und mit der Einstellung hab ich das Buch dann auch gelesen. Ich habe sogar gar nicht von vorne bis hinten gelesen, sondern erst ganz gezielt die Fettlogiken ausgesucht, die mich betrafen, wie “Durch das Kinderkriegen nimmt man automatisch zu.” Überzeugt war ich von vielem, zum Beispiel dass abends essen schädlich ist, dass man frühstücken muss, dass Lightprodukte schaden, usw.

Welches Kapitel würdest du ergänzen?

Da fällt mir gerade nicht wirklich etwas ein.

Was war die letzte Fettlogik, der du begegnet bist, bei dir selbst oder anderen? Wie hast du reagiert?

Einer Fettlogik, der ich immer wieder begegne ist, “ich esse ja auch nur X Kalorien und ich nehme nicht ab” oder verwandt, “X kann ja essen was X will, ich nehme nur vom Ansehen zu”. Ich habe anfangs mit meinem neu angelesenen Wissen reagiert, habe aber inzwischen festgestellt, dass mein Enthusiasmus leider als verletzend oder anmaßend herüberkommt, eben weil ich auch in den Augen anderer nie “dick” war. Ich bin daher sehr vorsichtig geworden, über das Thema zu sprechen. Nur weil mir die Infos geholfen haben, heißt das ja nicht, dass andere sie hören wollen oder nützlich finden. Wenn jemand allerdings fragt, wie ich abnehme und dann mit Fettlogiken kontert warum das ja nicht sein kann, diskutiere ich die auch aus.

Hatte Fettlogik Einfluss auf deine Körperwahrnehmung und/oder die Wahrnehmung deiner Umwelt? Falls ja: Wie genau?

Ich habe festgestellt, wie stiefmütterlich ich meinen Körper behandelt habe. Nicht nur habe ich zwar alles über die Ernährung meines Kindes gelesen aber kaum auf meine eigene geachtet, ich habe mich auch so gut wie nicht bewegt. Schon wöchtentlichen, leichten Sport und tägliches Kinderwagenschieben habe ich mir als Wahnsinnsleistung angekreidet. Inzwischen bin ich entsetzt, wie viel Fastfood ich gegessen, wie viel Auto ich gefahren bin, Strecken die ich jetzt innerhalb weniger Minuten mit dem Rad zurücklege. Außerdem genieße ich Essen viel bewusster als früher, weil Dinge, die ich früher einfach nebenbei gefuttert habe, jetzt Belohnungen für eine aktive Woche sind.

Was die Umwelt angeht: die Zahlen kannte ich ja, dass mehr als die Hälfte der Bevölkerung übergewichtig ist, aber jetzt sehe ich es auch. Und auch das Überangebot an Essen überall. Ich sehe aber auch, wie sich ein Trend langsam etabliert, der Richtung Fitness geht, wie viele Leute durch den Wald joggen, wie viele Menschen auch in der Großstadt Fahrrad fahren.

Wenn sich dein Gewicht verändert hat: Welche Veränderungen bemerkst du an dir? Wie reagiert die Umwelt?

Das Gesicht im Spiegel sieht endlich wieder so aus, wie ich es erwarte und ich kann Fotos von mir ansehen, vorher habe ich sie meistens überblättert. Vom reinen Dünnerwerden abgesehen habe ich das erste Mal in meinem Leben sichtbare und fühlbare Beinmuskeln. Der Tag, an dem ich meine alten Hosen von vor der Schwangerschaft das erste Mal wieder einfach hochziehen und hochknöpfen konnte war ein Triumph. Inzwischen schlackern sie an Po und Oberschenkeln, dort wo Muskeln das Fett ersetzt haben – diesmal wirklich! Das Rückenweh, das mich seit der Schwangerschaft plagte, ist sehr viel besser geworden. Meine Umwelt reagiert eigentlich fast nur positiv. Vor allem Leute, die mich lange nicht gesehen haben, bzw. mich vor der Schwangerschaft gar nicht kannten haben ganz schön gestutzt. Ich bin auch, wie es früher einmal war, schneller satt und höre auch auf diese Körpersignale anstatt auf Sprüche “du isst ja wie ein Spatz” – ich weiß, dass ich für meinen Bedarf genau richtig esse

Vorher-Nacher Foto?

Das erste Foto ist zugegeben aus einem etwas unglücklichen, unnatürlichen Winkel aufgenommen. Aber gerade deswegen war es mit der Auslöser, dass es so nicht weitergehen konnte. Zuvor hatte ich Fotos von mir selbst wenn überhaupt nur von oben oder bei “richtigem Licht” zugelassen. Auf diesem spontanen Schnappschuss erkannte ich mich überhaupt nicht wieder. Die Hose, die ich auf dem zweiten Foto anhabe, stammt aus der Zeit vor der Schwangerschaft und saß da schon knapp. Damals hätte ich sie nicht mal schließen können.

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7. Juni, BMI 25,3 – leichtes Übergewicht.

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Heute: BMI 22,6 – mittleres Normalgewicht.

Danke, Nadja, für das Blogstöckchen und vor allem für Dein Buch, das nicht nur mir sondern vielen anderen zu einigen Erfolgserlebnissen und zu einem ganz neuen Lebensgefühl verholfen hat.

Das Buch gibt es derzeit nur als E-Book auf Amazon und in naher Zukunft auch als Taschenbuch. Ich war schon nach einer Leseprobe überzeugt, wenn ihr wollt, schaut es euch selbst an:

Dies ist ein sogenannter Affiliate-Link, d. h., solltet ihr das Buch über diesen Link kaufen, fällt eine winzige Provision für mich ab. Ich setze Affiliate-Links grundsätzlich aus eigener Motivation und nur für Produkte, die ich uneingeschränkt empfehle.

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#bloggerfuerfluechtlinge – Glück

bloggerfuerfluechtlinge

Bevor ich dieses Blog für trivialere Themen (Film- und Buchrezensionen stehen an sowie ein paar Techniktagebuchbeiträge) wieder aus der Versenkung hole, ist es mir ein Anliegen zu einem weitaus weltbewegenderem Anlass zu schreiben.

Das Thema Flüchtlinge lässt mich seit Wochen nicht los, insbesondere nicht die Wellen der Intoleranz und Abneigung, die in Deutschland durch alle Netzwerke schwappt.

In einer Unterhaltung kam die Frage auf “war die Welt schon immer so voller Elend und Katastrophen und wir haben es nicht mitbekommen oder wird es tatsächlich immer schlimmer?”. Ich habe Schwierigkeiten bei solchen Fragen ruhig zu bleiben, denn die Fragestellung allein zeigt, wie ich finde, schon das Kernproblem.

Dazu muss ich ein wenig ausholen.

Ich wurde in einem Land geboren, in dem etwa 30% der Bevölkerung arm sind, was schon eine erhebliche Verbesserung zu früheren Zeiten darstellt. Arm bedeutet, unter dem festgelegten Existenzminimum zu leben, ca. 340 € im Monat für eine vierköpfige Familie.  Pro Kopf verdient ein Durchschnittskolumbianer knapp unter 2000 € – im Jahr. Im Alltag heißt das: Wer es hier zu etwas gebracht, lebt beispielsweise mit seiner dreiköpfigen Familie in einer 60 m² Wohnung und fährt zur Arbeit in die Stadt, anstatt auf’s Feld, wie es die Eltern noch getan haben. “Man lebt bescheiden”, würde es ein deutscher Reisender beschreiben, aber das trifft es nicht – es ist keine noble Zurückhaltung oder eine Sehnsucht zur Ursprünglichkeit wegen der in bestimmten Kreisen hierzulande auf das Auto verzichtet oder das Brot selbstgebacken wird, es ist die Normalität.

Die Hauptstadt des Landes lag im Guiness-Buch der Rekorde lange auf Platz 1 für die höchste Kriminalitätsrate der Welt. Die Situation hat sich schon rapide gebessert, aber dennoch: Das Auswärtige Amt warnt bei Reisen nach Kolumbien stark vor den Grenzgebieten, die weiterhin fest in den Händen der Drogenmafia liegen. Eine Zeitlang starben die meisten kolumbianischen Männer an einer Schusswunde und nicht an einem Herzinfarkt, inzwischen ist diese Todesursache immerhin auf Platz 2 gerückt.

Warum nun dieser Exkurs?  Um zu zeigen, dass man nicht einmal in ein kriegszerrüttetes Land blicken muss, um zu sehen, in welchem Luxus wir leben, was wir als selbstverständlich empfinden.  Elektrizität und sauberes Wasser jederzeit auf  Knopfdruck. Fremdsprachen lernen. Nachts in der Großstadt als Schlimmstes zu befürchten, dass man die Bahn nach Hause verpasst. Bei Krankheit auf uneingeschränkte medizinische Versorgung zurückgreifen zu können.  Das, was wir als “schlimme Nachrichten” empfinden, Entführungen, Gewalt, Kriminalität, Hunger, ist in vielen Ländern seit Generationen schlicht und ergreifend Alltag.

Der einzige Grund, warum es nicht mein Alltag ist? Glück. Ich hatte das unfassbare Glück, als Baby nach Deutschland zu kommen und von einer deutschen Familie großgezogen zu werden. In Sicherheit aufzuwachsen, meine Ausbildung und meinen Beruf frei wählen zu können, stets umgeben von einem Netz, das mich bereit war aufzufangen. Werde ich bestohlen, kümmert sich die Polizei darum, ohne dass ich sie erst bestechen muss. Mein Kind habe ich in einem Krankenhaus mit ausgebildeten Ärzten unter erstklassigen hygienischen und medizinischen Bedingungen zur Welt gebracht. Mein Kühlschrank ist voll und Nachschub nur wenige Schritte von meinem Haus entfernt während mein Geburtsland weiterhin auf Platz 10 des Welthungerindexes steht.

Und nun strömen Menschen nach Deutschland die nur das wollen, was wir in Deutschland jeden Tag haben. Nicht unser Geld, nicht unsere Jobs, nicht die Smartphones oder Waschmaschinen, die Neider so schnell dabei sind, aufzuzeigen. Sie wollen lediglich nicht mehr in Angst leben müssen, dass ihr Kind im Kindergarten einem Anschlag zum Opfer fällt. Bei blauem Himmel an einen Ausflug ins Grüne denken und nicht daran, dass die Drohnen jetzt fliegen. Ein Postpaket mit Vorfreude öffnen und nicht in der grausigen Erwartung, dort die Körperteile eines entführten Verwandten vorzufinden – diese Geschichte einer ihrer Schüler erzählte mir die Lehrerin eines Deutschkurses für Flüchtlinge.

Dass ausgerechnet diesen Menschen Hass, Neid und Missgunst entgegenschlägt macht mich nicht nur traurig, sondern wütend. Ich habe nichts dazu beigetragen, in diesem Land aufgewachsen zu sein. Es war schlicht ein Zufall. Hätte es das Schicksal anders gewollt, hätte ich mit größter Wahrscheinlichkeit weder die Mittel noch die Gelegenheit diesen Beitrag zu schreiben. Denke ich an die Notfall-Blinddarmoperation in meinen späten Teenagerjahren, nehme ich sogar eher an, dass ich gar nicht mehr am Leben wäre. Dieser Zufall gibt mir nicht das Recht, mich an all die schönen Dinge und bequemen Umstände des Lebens in einer Industrienation zu klammern, wie Förmchen auf dem Kinderspielplatz und sie anderen Leuten zu verwehren, die nicht so viel Glück hatten, wie ich.

Viel kann ich nicht tun, außer versuchen ein wenig Zeit, ein wenig Materielles, ein wenig Engagement dafür zu investieren, diesen flüchtenden Menschen die Ankunft hier zu erleichtern, mit Vorurteilen aufzuräumen, ein Zeichen zu setzen wie es so viele andere Blogger und Bloggerinnen vor mir schon getan haben.

Hier ein paar Links, die in den letzten Tagen in meinen Tabs hängengeblieben sind:

Initiative #bloggerfuerfluechtlinge

Familengeschichte von Volker König

Deutlich sein von Pia Ziefle

Wir Weltbürger und Flüchtlingskinder von Kerstin Hoffmann

Jetzt lernen Sie meine Oma kennen – und meine Meinung von Kurzhaarschnitt

Weitere Links füge ich gerne hinzu. Mehr findet man noch bei Volker Königs Blogparade zum Thema.

Wer sich direkt in der Kölner Region engagieren möchte, erfährt mehr beim DRK oder den Johannitern und dem Twitteraccount @RefugeesRPKoeln.

Wollsocken für die Demokratie

Für mich bedeutete das einmal mehr Herumstehen in eisiger Kälte, während hinter einer massiven Polizeiabsperrung Kögida trotzig ihre Deutschlandflaggen in die Höhe reckten. Obwohl mir die Füße trotz dicker Socken und festem Schuhwerk fast abfroren, innerlich  kochte ich. Wie jedes Mal, wenn ich in den vergangenen Wochen einen Blick auf dieses traurige Trüppchen werfen musste, das hinter der Masse der Gegendemonstranten und aufgebotener Polizei fast verschwand.

Warum eigentlich? Was macht mich so wütend an dieser ganzen Geschichte? Eine Antwort gibt vielleicht dieses Video. Vier Tage verstaubte der Link schon in meinen Bookmarks. Zu heutigen Zeiten schon fast ein alter Hut, aber ich wusste, ich würde mich sowieso nur wieder aufregen. Inzwischen hat es wieder Aktualität gewonnen, da nach Bachmanns Hitlerfoto-Fail anscheinend genau diese Dame jetzt das Ruder in die Hand nehmen wird. Wenn es überhaupt noch einen gemeinsamen Kurs gibt, auf dem Pegida, Legida, Kögida und wie sie alle heißen, fahren wollen. Von den meisten Ablegern wurde sich ja schon fleißig distanziert.

Bringt ja nix, wie der Rheinländer sagt, also los geht’s.

Ganz angesehen habe ich es mir nicht, ich gebe es gerne zu. Irgendwann hab ich es einfach nicht mehr ertragen und neu war sowieso nichts von dem, was in der Debatte aufkam. Aber ich kann jetzt klarer definieren, was mich so wütend macht: der Unwillen, sich mit der Realität abzufinden.

Mit einer enervierenden Penetranz will das #kögida -Trüppchen einfach nicht wahrhaben, dass sie in Köln nicht willkommen sind. Deswegen muss ich jede Woche frieren. Und genauso resistent gegen jede Fakten fordert Frau Oertel, dass Pegida bitte doch mal endlich jemand zuhört, während sie in einer Sendung mit 5,57 Millionen Zuschauern sitzt, zu der sie explizit eingeladen wurde, um ihre Meinung zu sagen. Themen wie Asyl und Integration sollen endlich enttabuisiert werden! In Deutschland darf da niemand drüber sprechen. Seht ihr?

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Die Medien schweigen! In Großbuchstaben! Auf Seite eins! Die Bücher von Sarrazin und Pirinçci schreien von den Bestsellerlisten was man ja wohl noch sagen darf in Deutschland.

Ey. Leute. Euch hören alle zu. 

Ok, nicht alle, aber die meisten.

Ich kann nicht für jeden der Menschen sprechen, mit denen ich jede Woche gegen Pegida auf die Straße gehe. Aber diejenigen, die ich kenne, tun genau das eben WEIL wir Pegida sehr genau zugehört haben. Vielen gefällt das nicht und so füllen wir die Straßen. Und was ist die Reaktion? Auf Twitter jammerte mir ein #kögidia-Sympathisant die Ohren voll, dass ihr Demonstrationsrecht beschränkt wurde. Schließlich konnte #kögida wegen der Massen an Gegendemonstranten bei ihrem ersten Aufmarsch nicht loslaufen. Schade, dass ich ihn geblockt habe, sonst hätte ich hier einen schönen Screenshot, wie er uns mit Putin vergleicht. Als Ersatz ein paar niedliche Russisch Blau-Kätzchen.

Awww.

Anyway.

Wenn ein paar Tausend Menschen einer anderen Meinung sind, ist das keine Unterdrückung und auch keine Rechtebeschneidung. Wir haben uns zumindest die Mühe gemacht, die Fakten nachzulesen. Könnte Pegida vielleicht ja auch mal machen. Aber nein, hups, Lügenpresse ist ein Begriff aus der Nazipropaganda? HAT UNS KEINER ERZÄHLT.  In Köln leben 10 % Muslime und bisher keine Islamisierung in Sicht? Geht Frau Oertel einfach drüber hinweg, nachdem Herr Jauch endlich mal nachhakt, und erzählt Anekdötchen aus Neukölln. Das klingt so ähnlich, liegt aber in Berlin. Den Kölnern ein Integrationsproblem herbeizureden war ihr wohl doch zu schwierig.

Während ich dies hier mit Schaum vor dem Mund in die Tastatur hackte schrieb, wurde mir ein Artikel verlinkt. Pegida hat wohl doch erkannt, dass der Kurs ein anderer sein muss, möchten sie ernst genommen werden. Also wird sich erstmal schön weiter von dem Monster distanziert, dass man selbst im Keller gezüchtet und auf die Menschheit losgelassen hat und umgeschaut, wo sich andere Verbündete finden lassen. Meine dicken Socken für Mittwoch liegen jedenfalls bereit.

Abenteuer Kleinkindabteil

Mit zunehmendem Alter werden längere Autofahrten durch das schrumpfende Schlaf- und wachsendes Bewegungsbedürfnis des Kindes schwierig. Also sieht man sich zwangsläufig nach Alternativen um. Ich kenne Familien, die fliegen eiskalt mit zwei Unter-Dreijährigen, aber dazu fehlen mir die Nerven. Das Beamen ist leider Gottes immer noch nicht erfunden also blieb der ICE und das Familien- bzw. Kleinkindabteil, das mir von mehreren reisenden Familien bereits empfohlen wurde.

Als moderne Mutter googelt man sich natürlich erstmal die Finger wund. Das erspare ich euch hiermit.

Kleinkindabteil ist nicht gleich Kleinkindabteil, da die Bauart vom Zugmodell abhängig ist.  kidsaway.de hat eine Tabelle zusammengestellt, in welchem Zug ihr welches Abteil erwarten könnt – ihr habt entweder einfach etwas mehr Platz oder sogar ein kleines Spielzimmer.  Um herauszufinden, mit welchem Zug ihr fahrt, müsst ihr nur in  dieser beeindruckenden Datenbank unter “Zuggattung” ICE und unter “Zugnummer” die ICE-Nummer eingeben.

In meinem Fall stimmte die oben verlinkte Tabelle schon mal nicht ganz, denn bei meinem Zug handelte es sich um einen ICE 2, das Kleinkindabteil war aber ein normales, wenn auch etwas größeres Abteil mit insgesamt 8 Sitzen und zwei Abstellplätzen für Kinderwägen. Soweit ich es in Erfahrung bringen konnte, handelt es sich hier um die am häufigsten eingesetzte Variante.

Hier nun meine bescheidenen Reiseerfahrungen allein mit einem einjährigen Kind während einer viereinhalbstündigen Zugfahrt. Eigentlich waren sie im Grunde genommen positiv.

+ Reservierungen sind auf Eltern mit Kind beschränkt.

+ Pro Kind bekommt man eine Sitzplatzreservierung unabhängig vom Alter. Ich hatte also zwei Sitze zur Verfügung, da die kleine Vorstadtmaus entweder auf dem Boden herumkrabbelte oder auf meinem Schoß saß

+ Unser Abteil auf der Rückfahrt war sehr, das auf der Hinfahrt leidlich sauber. Das hatte aber auch damit zu tun, dass wir im Startbahnhof losgefahren sind.

+ Das Abteil ist zwei Schritte weg von der Tür, so dass man schnell ein- und aussteigen kann.

+ Es gibt kindersichere Steckdosen zwischen den Sitzen.

+ Kinder können sich im Bordbistro einen kostenlosen Spielzeug-ICE abholen. Das scheint allerdings eher ein Insider-Tipp von Vielreisenden zu sein, im Zug erfährt man davon nichts.

+ Die mitreisenden Familien waren jedesmal freundliche, unaufdringliche Menschen mit gut erzogenen, netten Kindern, so dass unsere Fahrten sehr kurzweilig waren.

Leider habe ich aber auch ein paar nicht unerhebliche Kritikpunkte:

– Die Klimaanlage bullert die ganze Zeit und man kann nur die Temperatur leidlich regulieren. Auf der Hinfahrt war es frisch und auf der Rückfahrt muckelig. Beim Anziehen der Kinder empfehle ich daher dringend die Zwiebeltaktik (mehrschichtig).

– Die Tür ist aus Glas und schließt nur sehr schwer. Einhändig  mit Baby auf der Hüfte ist sie kaum zu bedienen und bei einem starken Ruckler kann es hier bei kleinen Reisenden Beulen und Tränen geben.

– Für Gepäck ist nur beschränkt Platz. Bei drei Familien wurde es ziemlich eng in den Gepäckablagen.

Mein letzter Kritikpunkt sind eigentlich zwei und verdienen ihren eigenen Absatz.

Erstens: Im ganzen, langen ICE gibt es nur ein einziges Familienabteil. Mit gerade mal  zwei Tischen und zwei Plätzen zum Abstellen des Kinderwagens. Unser Abteil war auf der Rückfahrt mit mir, der kleinen Maus und zwei weiteren Familien mit jeweils zwei Kindern zum Anschlag gefüllt, wobei ein Kinderwagen im Flur stehen musste. Der Vorstadtmäuserich hätte gar nicht mehr hineingepasst.

Das ist eine Sache. Liebe Deutsche Bahn, das ist mehr als ausbaufähig.

Die andere Sache sind die Fahrgäste, die das Abteil nutzen, obwohl es nicht für sie bestimmt ist.

Zweitens: Denn trotz dieses mehr als mageren Angebotes für reisende Familien setzen sich immer wieder Leute in dieses Abteil, die meiner Meinung nach nicht dorthin gehören. Das liegt an der sehr lockeren Vorgabe der Bahn, die das Abteil “vorrangig” für Familien mit Kindern ausschreibt. Heißt, wenn niemand meckert oder reserviert hat, kann sich dort theoretisch jeder hinsetzen.

Zweimal hatte ich daher zwischendurch das Vergnügen mit “normalen” ICE-Reisenden zusammenzusitzen. Einmal, “weil sonst alles voll war” (Geschäftsreisende) und ein andermal, weil ein abgetrenntes Abteil ja so viel bequemer war (zwei alte Damen).

Bevor jetzt jemand die Augen rollt: Nein, ich umgebe mich NICHT nur mit Familien und bin auch schon oft und gerne in Konstellationen verreist, wo ich die Einzige mit Kind war. Und ja, Leute, die sich in das Familienabteil setzen, wissen ja, worauf sie sich da einlassen und haben damit das Recht verspielt, genauso ruhig zu reisen wie in einem normalen Abteil.

Alles schön und gut, wenn es mehr Platz für Familien im Zug gäbe. Gibt es aber nicht. Der mir durch meine Reservierung zustehende Platz für mich und mein Kind ist genaugenommen auf zwei Sitze und einen halben Tisch beschränkt. Wer auch nur einmal eine Einjährige in Aktion gesehen hat weiß, wie realitätsfern dieses Szenario für eine viereinhalbstündige Zugfahrt ist.

Ist also das Familienabteil nicht bis zum Anschlag voll, möchte ich den so gewonnenen Platz nicht an überschwappende Reisende abtreten, sondern für mich und mein Kind nutzen. Bevor mich noch jemand für herzlos hält: Gebrechliche, fußkranke, schwangere, schwer beladene und sonst wie eines Sitzplatz bedürftige Menschen können sich meinetwegen gerne dort niederlassen. Das war aber bei uns nicht der Fall. Die älteren Damen wollten lediglich ein geschlossenes Abteil für sich und die zwei Geschäftsreisenden im besten Alter nicht stehen

Warum will ich nicht teilen?  Nicht nur wegen der Quadratmeteranzahl.

Setzen sich Leute ohne Kinder in das Abteil, beteuern sie jedesmal, dass es ihnen üüüüüberhaupt nichts ausmacht, weist man sie auf die Gegebenheiten hin.

Und das, so leid es mir tut, ist eine faustdicke Lüge.

Ich sehe, wie sich bei euch erbost die Nackenhaare aufstellen. Ihr seid doch alle familienfreundlich! Kindertolerant!

Wirklich? Geht einmal in euch. Es macht euch also nichts aus…

…. wenn ein Kind lacht, quietscht und gluckst oder auch mal heult während ihr euch mit einer Kollegin über das anstehende Meeting austauscht?

….dass Eure auf dem Boden stehende Tasche ständig in Gefahr läuft, angetascht oder überstolpert zu werden?

…. dass ihr nur einen Zugruckler oder eine heftige Armbewegung davon entfernt seid, dass sich eine Wasserflasche oder eine Kekstüte über euren Moleskines entleert?

… wenn dasselbe Pixie-Buch viermal hintereinander vorgelesen wird? Mit realistischen Tierstimmen?

…wenn jeder Baum und jede Kuh draußen bestaunt und benannt wird?

… es plötzlich ziemlich streng riecht?

Nickt ruhig, wie ihr wollt. Ich weiß es besser – es macht euch etwas aus. Das ist auch gar nicht schlimm. Das ist völlig normal. Den täglichen Wahnsinn mit Kindern muss nicht jeder mögen. Eltern sind keine besseren Menschen, sie sind nur hart im Nehmen.

Und ich bin ein rücksichtsvoller Mensch und daher bemüht, mein Kind für euch ruhig zu halten, nicht krabbeln zu lassen, auf der wackligen Zugtoilette zu wickeln, bei jeder Mahlzeit zu hoffen, dass es nicht Katapult mit dem Löffel spielt. Ich muss das nicht, sagt ihr, ich tue es trotzdem, ich kann nicht anders. Das bedeutet eins für mich: Stress. Dem ich eigentlich dadurch entgehen wollte, dass ich drei Wochen vor Abreise zwei Plätze in diesem einen kleinen Abteil ergattert habe.

Ja, Kinder haben keinen Freifahrtschein dafür, Lärm zu machen, rumzunerven, alles einzusauen. Man kann es aber nicht immer verhindern – erst recht nicht auf einer langen Reise und wenn das Kind noch sehr klein ist (wie im Wort “Kleinkindabteil” ja wunderbar beschrieben). Und zumindest für mich ist das in Gesellschaft anderer Familien einfach eine gute Ecke weniger stressig. Man ist unter Leidensgenossen. Ausrutscher werden auch hier nicht bejubelt, aber zumindest nicht übel genommen. Ich höre mir gerne viermal den Raben Socke an, wenn ich dafür weiß, dass mir die Spuckespuren auf der Reisetasche nicht angekreidet werden.

Daher, liebe Mitreisende: Wenn ihr im ICE bequem sitzen wollt – reserviert. Oder bleibt stehen. Aber setzt euch nicht ohne Kind ins Familienabteil.