“Aber wenn’s doch nicht schadet”

An dieser Stelle möchte ich auf eine sehr unterstützenswerte Organisation aufmerksam machen, das Informationsnetzwerk Homöopathie. Die dahinterstehenden Menschen klären nicht nur mit Fachkompetenz, sondern auch mit unerschüttlicher Geduld und Empathie über Homöopathie auf. Hier wird nicht von oben herab auf Unwissende eingeredet, sondern versucht zu verstehen, warum Menschen zu diesen Mitteln greifen und warum es so schlimm ist, dass sie in Deutschland von Ärzten und Apotheken gleichermaßen geadelt werden.

Das INH sammelt derzeit auf Twitter Geschichten von Fällen, wo Homöopathie, die ja angeblich so nebenswirkungsfrei, sanft und sicher ist, tatsächlich Menschen geschadet hat. Hier ein sehr dramatischer Fall, der glücklicherweise gut ausging.

Ganz so schlimme Erlebnisse hatte ich bisher nicht, aber eine Begegnung mit der in meinem Fall sehr unsanften “Alternativmedizin” ist mir noch gut im Gedächtnis.

Homöopathie in der Notfallambulanz

Im Sommer 2012 bekam ich an einem sehr heißen Wochenende auf einer Geburtstagsfeier einen kratzigen Hals. Was ich erwartete, war eine aufziehende Erkältung, was ich bekam, waren so schlimme Halsschmerzen, dass ich frühzeitig nach Hause ging und mich hinlegte. Am nächsten Tag war mein Hals so entzündet, dass selbst das Schlucken des eigenen Speichels zu viel war – ich spuckte ihn stattdessen in einen Eimer.

Wegen einer Erkältung gehe ich normalerweise nicht zum Arzt und erst recht nicht ins Krankenhaus (und ihr solltet das bitte auch nicht tun), doch es war Sonntag und die Schmerzen kaum noch auszuhalten. Also bat ich meinen Mann, mich in das nächste Krankenhaus mit Notfalldienst zu fahren. Mit aller Geduld, die ich noch aufbringen konnte, wartete ich, bis ich an der Reihe war.

Die diensthabende Ärztin stellte sich mir vor – und rollte erst einmal eine Ledermappe vor mir aus. Inhalt: eine sorgsam erstellte Sammlung von Glasröhrchen mit Zuckerkugeln.

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CC0 Creative Commons

Verdammt.

Wäre es mir möglich gewesen, hätte ich wohl geschluckt. Hier saß ich, mein Hals stand mehr oder weniger in Flammen, und die Person, die mir doch helfen sollte, hatte in meinen Augen jegliche Vertrauensbasis zwischen Ärztin und Patientin ausradiert.

“Ich, äh, ich möchte keine homöopathischen Mittel”, brachte ich hervor. Sie schaute mich überrascht an. Eine derartige Gegenwehr war sie wohl nicht gewohnt. Die üblichen Argumente kamen, wer heilt hat recht, kann ja nicht schaden, und so weiter. Ich blieb standhaft. “Das mag alles sein, aber ich halte davon nichts und möchte daher damit nicht behandelt werden.” An ihrem Gesichtsausdruck sah ich, dass ich einen schwerwiegenden Fehler gemacht hatte.

Jetzt war ich keine Patientin mehr, die Mitgefühl und Hilfe verdiente, sondern eine Ketzerin, jemand, der ihre Kompetenz ankratzte und sich wohl auch noch anstellte – denn wären meine Schmerzen wirklich so schlimm, würde ich ja wohl alles tun, um sie zu beenden.

Keine Globuli – kein Mitleid

Ab diesem Zeitpunkt behandelte mich die Ärztin schroff und distanziert. Für sie bestand kein Zweifel: ich simulierte. Für eine Angina fehlten Symptome, teilte sie mir mit,  ich hatte kein Fieber, keine geschwollenen Lymphknoten. Ja, stimmte ich zu, gerade deswegen sei ich ja hier. Diese aus dem Nichts kommenden und starken Schmerzen würden mich sehr beunruhigen. “Ich glaube Ihnen. Keine Sorge, Sie bekommen Ihre Antibiotika schon,” blaffte sie – und würde dies noch mehrfach wiederholen. Dass ich nur dann Antibiotika wollte, wenn eine bakterielle Infektion vorlag, erwähnte ich schon gar nicht mehr. Ich wollte nur noch heil hier heraus.

Die Ärztin fragte ich, ob ich Medikamente nähme und ich sagte, bis auf meine Hyposensibilisierung gegen meine Stauballergie, die ich am Freitag erhalten hatte, nichts. Ein Schnauben sollte mir wohl klar machen, wie wenig sie davon hielt. Dort, obwohl ich bisher keinerlei solche Nebenwirkungen erlebt hatte, vermutete sie die Ursache meiner mysteriösen Halsschmerzen.

“Aber bislang ist so etwas doch noch nie passiert.”
“Der menschliche Körper ist kein Auto! Man kann nichts drücken und dann erwarten, dass immer dasselbe passiert!” wurde ich belehrt und auf eine Liege bugsiert. Sie machte sich daran, mir etwas aus einem Beutel intravenös zu verabreichen, Fenistil, ein Antihistaminika.  Ich konnte nur vermuten, dass sie die Halsschmerzen für eine allergische Reaktion hielt, denn eine Erklärung für die Wahl des Mittels bekam ich nicht. Der Schweiß brach mir aus. Seit einem traumatischen Erlebnis als Kind im Krankenhaus machen mir Kanülen Angst.

Ohnehin bereits völlig eingeschüchtert warf ich ein: “Nur eine Warnung: ich bin etwas empfindlich, was Nadeln angeht, daher kann es sein, dass ich mich erschrecke. Nur dass Sie es wissen.” Schweigen. Als die Nadel in meinen Handrücken fuhr, zuckte ich, wie vorhergesehen. “Nun stellen Sie sich doch nicht so an!” war die Reaktion und inzwischen liefen mir  die Tränen über das Gesicht.

Erst nachdem ich bereits an der Kanüle hing, fragte sie mich, ob ich alleine gekommen wäre. Glücklicherweise konnte ich dies noch verneinen, bevor mir von dem Mittel zunehmend schwindlig wurde. Autofahren wäre in diesem Zustand unmöglich gewesen. Als der Beutel leer war, wollte ich diese Praxis nur noch verlassen, nahm ein Rezept in Empfang, ohne es zu lesen und ließ mich benommen von meinem Mann in unseren Wagen führen. Dort wurde ich von dem Fenistil immer erschöpfter, die Schmerzen aber gleichzeitig immer schlimmer und so weinte ich den ganzen Weg nach Hause. Die verschriebenen Paracetamoltabletten halfen kaum – am nächsten Tag erklärte mir mein völlig entsetzter Hausarzt, dass es für diesen Zweck auch die falschen gewesen waren.

Wer mir also erzählen möchte, dass Homöopathinnen und Homöopathen sich ja immerhin Zeit lassen, um ganzheitlich und sanft auf Patienten einzugehen – das tun sie anscheinend nur, wenn sich die Patienten auf das Märchen der allheilenden Globuli einlassen. Ungläubige verdienen keine sanfte Behandlung.

Ihr habt auch so eine Geschichte? Schreibt sie dem Netzwerk:

 

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Star Trek Discovery – Hoffnung auf Sektion 31


Da ich die meisten Abende der letzten zwei Wochen im Kinosaal für das Fantasy Filmfest verbracht habe, konnte ich erst gestern die ersten Folgen der neuen Star-Trek-Serie DISCOVERY schauen. Ich sollte vielleicht erwähnen, dass Star Trek mein erstes richtiges Fandom war – angefangen mit Wiederholungen der Originalserie um Kirk, Spock und McCoy im ZDF. Als 1990 die Nachfolgeserie, THE NEXT GENERATION, in der Zeitung angekündigt wurde, war ich zutiefst traurig und wollte diesen Quatsch sofort boykottieren. Es kam dann doch etwas anders. Ich wurde das, was man wohl als “Trekkie” bezeichnet. Ich sammelte jeden Fetzen, jedes Buch über die Serie, das ich in die Finger bekam und ein Plakat der NCC-1701-D hing noch bis in meine Zwanziger über meinem Bett.

Diese Liebe überstand einige harte Proben. Die letzten Staffeln von DEEP SPACE NINE zogen mich schon nicht mehr so wirklich mit, die TNG-Filme redete ich mir noch gerade so schön (und hörte die Soundtracks auf Klassenfahrten auf meinem Walkman). VOYAGER war die erste Star Trek-Serie, die ich nach ein paar Staffeln abbrach, bei ENTERPRISE reichten mir ein paar Folgen. Die J. J. Adams-Filme, von vielen “alten” Trekkies abgelehnt, fand ich sogar recht erfrischend, aber STAR TREK – BEYOND habe ich bis heute nicht gesehen.

Als DISCOVERY angekündigt wurde, hielt ich mich zurück. Ich las nichts, keine Spekulationen, schaute nicht mal den Trailer. Ich wollte möglichst unvoreingenommen an die Serie herangehen und ich denke, das war gut so. Es war auch gut, dass ich die ersten drei Folgen in einem Rutsch sehen konnte, denn ich glaube die ersten zwei alleine hätten mich nicht sonderlich überzeugt – ich kann verstehen, dass viele Fans sich unter #NotMyTrek davon abwenden. Folge 3 allerdings, in der das namensgebende Schiff “Discovery” unter Captain Lorca überhaupt erst auftaucht, überzeugte mich doch, am Ball zu bleiben. Und der Grund heißt Sektion 31. Ab jetzt folgen Details zur dritten Folge, wer ungespoilert bleiben möchte, sollte hier aufhören.

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#aufaugenhöhe – auch 2016

Lieber Andreas,

heute spülte mir Twitter dies auf die Timeline.

 

Ich folgte dem Link, las ihn und tippte erst einmal mindestens eine halbe Stunde in Rage vor mich her. Dann erst merkte ich, dass der Blogpost, den du dort verlinkst, schon anderthalb Jahre alt ist. Und das Leute schon ausführlich darauf geantwortet haben. Wie Mama Notes zum Beispiel. Eine ganze Blogparade entstand, #aufaugenhöhe – die hab ich verpasst. Und du wohl auch.

Denn heute du verlinkst denselben Blogpost noch einmal. Unverändert. Vielleicht ist das ja auch nur ein Missverständnis. Vielleicht ist auch nur dein Twitterprogramm so eingestellt, dass es immer mal wieder ältere Links streut. Aber es wird Leute geben, die den Eintrag lesen. Und vielleicht ausdrucken und ihren Frauen hinlegen, wie du es vorschlägst. Und das möchte ich verhindern.

Auch anderthalb Jahre später ist die Situation immer noch dieselbe. Zwei Drittel der Arbeitszeit von Frauen ist unbezahlt – dazu zählt Kinderbertreuung und Haushaltsführung. Bei Männern ist es weniger als die Hälfte. Bei der Elternzeit hat sich auch kaum etwas getan. 80 % aller Väter, die Elternzeit nehmen, tun dies nur für 2 Monate. Haushalt und Kinder sind größtenteils weiterhin Frauensache. Dass viele Frauen (und auch viele Männer) diese Situation nicht zufriedenstellend finden, hast du im Feedback zu #aufaugenhöhe lesen können.

Auch ich sehe nicht ein, mich damit abzufinden, dass “Männer halt so sind”, wie du es schreibst:

” Wir haben bei vielen Dingen einen ganz andere Hemmschwelle als Frauen. Das muss genetisch sein.”

Gene sind eine tolle Sache. Es gibt Theorien, dass sogar Dinge wie die Tendenz zu Scheidungen genetisch veranlagt sein können (ich empfehle Interessierten an dieser Stelle immer die Bücher von Stephen Pinker). Aber obwohl ich mich als Lain gehörig aus dem Fenster lehne,  bin ich mir ziemlich sicher: Es gibt kein Gen, das leere Kühlschränke voll und volle Mülleimer als leer erscheinen lässt.

 

Alles andere ist eine Ausrede und auch dieser Brief ist nichts anderes, hübsch verpackt in Komplimente.  Wenn das “anbetungswürdige Geschöpf” namens Frau, das alles im Griff hat, nicht zur Arbeit ruft, dann wird wohl auch nichts sein. Und wenn die Göttin dann doch Hilfe von ihrem treuen Diener möchte, muss sie nur drei winzig kleine Dinge beachten:

“Wir sehen viele Aufgaben nicht, selbst wenn sie uns beißen.
Sagt uns was wir tun sollen und wir tun es.
Sagt es uns so, dass wir es verstehen.”

Frauen in einer derartigen Konstellation müssen sich nur leider wesentlich mehr als diese drei Dinge merken, denn auch wenn man jemanden zum Einkaufen abkommandiert, muss man sich ja erst mal grundsätzlich selbst merken, was gerade fehlt. Merken, wann das Kind vom Kindergarten geholt werden muss. Merken, wann die Waschmaschine gelaufen ist. Eine Liste, die ins Unendliche geht. Und wenn man müde ist oder hungrig oder einfach keine Lust auf diesen ganzen Kram hat, fällt uns Frauen das Merken genetisch kein bisschen leichter als Männern. Da landen diese drei Punkte höchstens auf Platz 334-336.

Daher, meine Bitte:

Liebe Männer, die diesen Brief auch im Jahr 2016 noch ausdrucken möchten, um ihn ihrer Frau vorzulegen:

Lasst es.

Wenn ihr euch nicht merken könnt, dass kein Brot mehr da ist, oder euer Kind abgeholt werden muss, dann liegt das nicht an eurem Männerhirn. Sondern daran, dass diese Dinge keine besonders hohe Priorität für euch haben. Werden im Radio die Staus durchgesagt, hört man bei der Autobahn der Gegenrichtung ja auch nicht mehr richtig zu.  Ich wette, zum Treffen mit Euren Freunden und ins Büro schafft ihr es meistens pünktlich und mit der richtigen Hose an. Und wenn ihr euch das wirklich, wirklich nicht merken könnt – dafür gibt es Kalender. Oder Apps. Oder einfach einen Zettel und einen Stift.

Dreht diesen unsäglichen Brief um und fangt direkt an.

 

bloggerfuerfluechtlinge

#bloggerfuerfluechtlinge – Glück

bloggerfuerfluechtlinge

Bevor ich dieses Blog für trivialere Themen (Film- und Buchrezensionen stehen an sowie ein paar Techniktagebuchbeiträge) wieder aus der Versenkung hole, ist es mir ein Anliegen zu einem weitaus weltbewegenderem Anlass zu schreiben.

Das Thema Flüchtlinge lässt mich seit Wochen nicht los, insbesondere nicht die Wellen der Intoleranz und Abneigung, die in Deutschland durch alle Netzwerke schwappt.

In einer Unterhaltung kam die Frage auf “war die Welt schon immer so voller Elend und Katastrophen und wir haben es nicht mitbekommen oder wird es tatsächlich immer schlimmer?”. Ich habe Schwierigkeiten bei solchen Fragen ruhig zu bleiben, denn die Fragestellung allein zeigt, wie ich finde, schon das Kernproblem.

Dazu muss ich ein wenig ausholen.

Ich wurde in einem Land geboren, in dem etwa 30% der Bevölkerung arm sind, was schon eine erhebliche Verbesserung zu früheren Zeiten darstellt. Arm bedeutet, unter dem festgelegten Existenzminimum zu leben, ca. 340 € im Monat für eine vierköpfige Familie.  Pro Kopf verdient ein Durchschnittskolumbianer knapp unter 2000 € – im Jahr. Im Alltag heißt das: Wer es hier zu etwas gebracht, lebt beispielsweise mit seiner dreiköpfigen Familie in einer 60 m² Wohnung und fährt zur Arbeit in die Stadt, anstatt auf’s Feld, wie es die Eltern noch getan haben. “Man lebt bescheiden”, würde es ein deutscher Reisender beschreiben, aber das trifft es nicht – es ist keine noble Zurückhaltung oder eine Sehnsucht zur Ursprünglichkeit wegen der in bestimmten Kreisen hierzulande auf das Auto verzichtet oder das Brot selbstgebacken wird, es ist die Normalität.

Die Hauptstadt des Landes lag im Guiness-Buch der Rekorde lange auf Platz 1 für die höchste Kriminalitätsrate der Welt. Die Situation hat sich schon rapide gebessert, aber dennoch: Das Auswärtige Amt warnt bei Reisen nach Kolumbien stark vor den Grenzgebieten, die weiterhin fest in den Händen der Drogenmafia liegen. Eine Zeitlang starben die meisten kolumbianischen Männer an einer Schusswunde und nicht an einem Herzinfarkt, inzwischen ist diese Todesursache immerhin auf Platz 2 gerückt.

Warum nun dieser Exkurs?  Um zu zeigen, dass man nicht einmal in ein kriegszerrüttetes Land blicken muss, um zu sehen, in welchem Luxus wir leben, was wir als selbstverständlich empfinden.  Elektrizität und sauberes Wasser jederzeit auf  Knopfdruck. Fremdsprachen lernen. Nachts in der Großstadt als Schlimmstes zu befürchten, dass man die Bahn nach Hause verpasst. Bei Krankheit auf uneingeschränkte medizinische Versorgung zurückgreifen zu können.  Das, was wir als “schlimme Nachrichten” empfinden, Entführungen, Gewalt, Kriminalität, Hunger, ist in vielen Ländern seit Generationen schlicht und ergreifend Alltag.

Der einzige Grund, warum es nicht mein Alltag ist? Glück. Ich hatte das unfassbare Glück, als Baby nach Deutschland zu kommen und von einer deutschen Familie großgezogen zu werden. In Sicherheit aufzuwachsen, meine Ausbildung und meinen Beruf frei wählen zu können, stets umgeben von einem Netz, das mich bereit war aufzufangen. Werde ich bestohlen, kümmert sich die Polizei darum, ohne dass ich sie erst bestechen muss. Mein Kind habe ich in einem Krankenhaus mit ausgebildeten Ärzten unter erstklassigen hygienischen und medizinischen Bedingungen zur Welt gebracht. Mein Kühlschrank ist voll und Nachschub nur wenige Schritte von meinem Haus entfernt während mein Geburtsland weiterhin auf Platz 10 des Welthungerindexes steht.

Und nun strömen Menschen nach Deutschland die nur das wollen, was wir in Deutschland jeden Tag haben. Nicht unser Geld, nicht unsere Jobs, nicht die Smartphones oder Waschmaschinen, die Neider so schnell dabei sind, aufzuzeigen. Sie wollen lediglich nicht mehr in Angst leben müssen, dass ihr Kind im Kindergarten einem Anschlag zum Opfer fällt. Bei blauem Himmel an einen Ausflug ins Grüne denken und nicht daran, dass die Drohnen jetzt fliegen. Ein Postpaket mit Vorfreude öffnen und nicht in der grausigen Erwartung, dort die Körperteile eines entführten Verwandten vorzufinden – diese Geschichte einer ihrer Schüler erzählte mir die Lehrerin eines Deutschkurses für Flüchtlinge.

Dass ausgerechnet diesen Menschen Hass, Neid und Missgunst entgegenschlägt macht mich nicht nur traurig, sondern wütend. Ich habe nichts dazu beigetragen, in diesem Land aufgewachsen zu sein. Es war schlicht ein Zufall. Hätte es das Schicksal anders gewollt, hätte ich mit größter Wahrscheinlichkeit weder die Mittel noch die Gelegenheit diesen Beitrag zu schreiben. Denke ich an die Notfall-Blinddarmoperation in meinen späten Teenagerjahren, nehme ich sogar eher an, dass ich gar nicht mehr am Leben wäre. Dieser Zufall gibt mir nicht das Recht, mich an all die schönen Dinge und bequemen Umstände des Lebens in einer Industrienation zu klammern, wie Förmchen auf dem Kinderspielplatz und sie anderen Leuten zu verwehren, die nicht so viel Glück hatten, wie ich.

Viel kann ich nicht tun, außer versuchen ein wenig Zeit, ein wenig Materielles, ein wenig Engagement dafür zu investieren, diesen flüchtenden Menschen die Ankunft hier zu erleichtern, mit Vorurteilen aufzuräumen, ein Zeichen zu setzen wie es so viele andere Blogger und Bloggerinnen vor mir schon getan haben.

Hier ein paar Links, die in den letzten Tagen in meinen Tabs hängengeblieben sind:

Initiative #bloggerfuerfluechtlinge

Familengeschichte von Volker König

Deutlich sein von Pia Ziefle

Wir Weltbürger und Flüchtlingskinder von Kerstin Hoffmann

Jetzt lernen Sie meine Oma kennen – und meine Meinung von Kurzhaarschnitt

Weitere Links füge ich gerne hinzu. Mehr findet man noch bei Volker Königs Blogparade zum Thema.

Wer sich direkt in der Kölner Region engagieren möchte, erfährt mehr beim DRK oder den Johannitern und dem Twitteraccount @RefugeesRPKoeln.

Mehr Kopf, weniger Herz

Liebe Impfgegner im Internet,

ich bin kurz davor, zu kapitulieren. Es hat ja doch keinen Sinn mit euch.  Als Beispiel dieses Facebook-Post.

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Ja. Was soll man dazu noch sagen. Entweder gar nichts, oder sehr viel.

Bitte, nehmt euch mal eine halbe Stunde Zeit und versucht wenigstens nachzuvollziehen, worum es mir und den anderen Impfbefürwortern geht.

Zunächst eine kleiner Kurs in Sachen Immunsystem. Kurz und unterhaltsam.

Alles klar?

Dann ein bisschen Nachhilfe zum Thema  “Argumentieren im Internet”. Es gäbe eine Menge zu sagen (Stichwort: Anekdotische Evidenz) aber ich bleibe beim Kernproblem:

Korrelation ist nicht gleich Kausalität. Das klingt kompliziert, heißt aber lediglich:

Zwei Dinge, die gleichzeitig auftreten, müssen sich nicht zwangsläufig bedingen.

Sagen wir, ihr kennt viele Männer mit Bart und sie alle haben Übergewicht. Ihr würdet doch auch nicht auf die Idee kommen, dass Bärte Übergewicht verursachen, oder?

Ungeimpfte Kinder können gesund und sozial sein. Geimpfte chronisch krank und furchtbar anstrengend. Das eine hat aber mit dem anderen allerdings wenig bis gar nichts zu tun.

Wie Kinder krank werden

Wie im Video beschrieben, ist das Immunsystem eines Menschen besser, je mehr Erfahrung es hat. Das Immunsystem eines  Kindes ist noch in der Ausbildung, sozusagen. Daher sind Kinder anfälliger für ansteckende Krankheiten. Zum Anstecken müssen sie natürlich anderen kranken Kindern begegnen. Ein Kind, das keinen Kindergarten besucht, hat also ein geringeres Risiko, häufiger krank zu werden. In dem Punkt hat die Dame im Facebook-Post also höchstwahrscheinlich recht.

Kinderkrankheiten sind kein Kinderspiel

Es gibt nun zwei Arten von Krankheiten, mit denen sich das Kind anstecken kann. Ein Schnupfen oder eine Bindehautentzündung sind lästig, aber bald vorbei und lassen sich gut auskurieren.  Sie geben dem Immunsystem etwas zu tun und schon beim nächsten Mal ist die Chance gestiegen, dass es gar nicht zu einem Krankheitsausbruch kommt. Ein guter Deal, oder?Warum nicht auch beispielsweise bei Masern so vorgehen? Da ist man sogar immun, wenn man sie einmal gehabt hat. Durchmachen, immun sein, fertig. Und keiner muss gepiekst werden. Allerdings ist dies bei Masern ein Spiel mit dem Feuer. Es sterben jedes Jahr Tausende Kinder daran. Die Krankheit kann außerdem gefährliche Spätfolgen haben und daher wurde ein Impfstoff dagegen entwickelt. Wie im Video beschrieben, können so die Abwehrkräfte mobil gemacht werden, ohne dass die Krankheit durchlitten werden muss.

Geimpfte Kinder schützen ungeimpfte

Jetzt ist aber das ungeimpfte Kind so gesund. Und die Tante Frida war auch nicht geimpft und hatte nie Masern. Irgendwas muss man ja richtig gemacht haben. Nein, hier handelt es sich um einen weiteren Fehlschluss. Wir erinnern uns: Korrelation ist nicht Kausalität. Die wahre Ursache für die Gesundheit des Kindes und der Tante ist der sogenannte Herdenschutz.  Masern können sich in einer Population nicht ausbreiten, in der die meisten Menschen dagegen immun sind. Davon profitieren alle, die nicht geimpft werden wollen oder können.

Verantwortung für die anderen

“Jeder soll seinen Weg gehen” schreibt die Mutter auf Facebook. Das mag stimmen – bei Dingen, die nur einen selbst etwas angehen. Bei der Wahl des Babybettchens, des Kindergartens, der Schuhmarke – das alles sind persönliche Entscheidungen, die nur das eigene Familienleben betreffen. Aber Impfungen betreffen leider alle. Sobald nicht mehr genug Menschen immun gegen Masern sind, brechen sie aus. Das ist ein Fakt, der in den USA leider schlimme Realität geworden ist.

Ganz besonders tragisch ist dies für Menschen, die nicht immunisiert werden können. Beispielsweise Neugeborene oder Kinder, deren Immunsystem durch eine Chemotherapie geschwächt wurde. Selbst wenn ihre Eltern sie vor Masern schützen lassen wollten, es ist nicht möglich. Infiziert sich so ein Kind  – und solche Fälle gibt es leider immer wieder – wird es auf den Weg der Impfgegner mitgerissen, gnadenlos, im schlimmsten Fall bis in den Tod. Für solche  Menschen ist der Herdenschutz eigentlich gedacht – die Stärkeren schützen die Schwachen und nehmen für sie auch das Risiko auf, das eine Impfung mit sich  bringt.

Impfschäden

Ja, es gibt das Risiko für Impfschäden und schönreden oder ignorieren möchte das niemand.  Es wird geschätzt, dass bei etwa zwei Millionen Masern-Röteln-Mumps-Impfungen eine Komplikation auftritt. Und niemand will, dass sein eigenes Kind dieser eine Fall ist. Ich möchte das auch nicht. Aber: Dieses geringe Risiko einzugehen bedeutet nicht nur, andere Menschen zu schützen, sondern dazu beizutragen, dass die Krankheit für immer ausgerottet wird. Dass es auch dieses kleine Risiko gar nicht mehr geben wird. Dann haben wir alle gewonnen und müssen auch der Pharmaindustrie weniger Geld in den Rachen werfen, die uns Impfbefürworter ja angeblich alle am Nacken hat.

Ich möchte nur darum bitten, mehr mit dem Kopf zu denken, und nicht mit dem Herzen. Auch wenn uns das bei den eigenen Kindern sehr oft schwerfällt.

P.S: Bei all dem Linksuchen und Nachlesen habe ich den Absatz glatt übersprungen, wo Impfen u. A. mit dem Mitlaufen im Dritten Reich verglichen wird. Dazu nur ein letzter Link: Godwin’s Law. Den Rest behalte ich lieber für mich.

Die bizarre Welt der Kinderliteratur

Über den seit ein paar Jahren grassierenden Wahn, Produkte für Kinder in rosa und blaue Sortimente zu unterteilen, um doppelt so viel Geld zu machen gibt es inzwischen so viele gute Posts, dass ich mir die Mühe spare und euch einfach weiterverlinke

http://dasnuf.de/zeug/nicht-oder-nicht-oder-und-und/

http://cloudette.net/2014/09/04/madchen-oder-junge-oder/

http://www.stilhaeschen.de/?p=2478

Nun hat die Verfasserin des ersten Artikels darum gebeten, einmal die Augen nach ebensolchen Produkten aufzuhalten. Beim heutigen Einkauf lief ich prompt hieran vorbei:

 

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Bei Amazon schaute ich nach der Inhaltsangabe und stellte fest, dass hier weitaus mehr zu entdecken gab, als die ärgerliche Jungs/Mädchenaufteilung.

Wer das Angebot für ein Schnäppchen hält (immerhin nur 2 Cent pro Geschichte), sollte zuerst bedenken dass 365 nur durch eine sehr großzügige Zählung zusammenkommt, bei der auch Abzählreime wie “Häschen in der Grube” eine Geschichte ist.

In beiden Büchern finden sich ganz klassische Kinderlieder und Märchen, die seit Jahrhunderten sowohl Mädchen als auch Jungen vorgelesen werden, oft auch in beiden Bänden abgedruckt. Ein weiterer Beweis dafür, dass hier nur den Eltern das Geld zweimal aus der Tasche geleiert werden soll.

Ansonsten die übliche Trennung. Bei den Mädels kann man über “Ballerina Bella”  und “Tessa, die schusselige Tierärztin” lesen (“… und dann hab ich meine Armbanduhr IN DER KUH VERLOREN”), bei den Jungs begegnet man “Freddy, dem furchtlose Feuerwehrmann” und “Harry, dem hurtigen Handwerker” – mangelnder Realismus ist bei Kinderbüchern ja nun wirklich keine Seltenheit. Angesichts des Alliterationstornados frage ich mich, ob sich hierein RTL2-Reality-Soap-Texter ein Zubrot verdient hat.

Andere Titel lassen Schlimmes ahnen:

“Frau Beckers Becken” (oder: “Die 10 besten Orthopädenwitze”)

“Stinki” (“Wie ich trotz Körpergeruch Freunde fand”)

“Der kleine Mischling Monty” (Bitte, bitte, lass Monty ein Tier sein)

“Schwänzchenjagd” (…)

 

Meine Produktempfehlung: Anzünden und schnell weglaufen.

 

Begriff gesucht

Im Englischen gibt es das Wort “mansplaning“, zusammengesetzt aus “man” und “explaining” (erklären). Es gibt unterschiedliche Definitionen, eine davon ist: wenn ein Mann einer Frau etwas erklärt, da er annimmt, sie habe keine Ahnung davon, allein aus der Tatsache heraus, dass sie eine Frau ist. Wenn ich in die Technik- oder Videospielabteilung eines Multimedialadens wandere, passiert mir das derweil, wenn auch immer seltener.

Auf den Artikel, den ich heute gelesen habe, trifft “mansplaining” nicht zu. Zwar wurde der Artikel in der Tat von einem Mann geschrieben, aber es geht um Menschen mit Kindern, die Familie mit Beruf vereinbaren wollen und damit ihre Probleme haben, Mütter wie Väter (obwohl diese leider etwas zu kurz kommen, später mehr dazu).

Ich bräuchte hier einen Begriff der greift, wenn kinderlose Menschen Familien ihre Welt und vor allem ihre Probleme erklären. Nicht zum ersten Mal, übrigens (“geh doch nicht immer gleich hin, wenn es weint, du verwöhnst das Kind nur!” etc.). Im konkreten Fall geht es um den Artikel “Sonst noch was?” von Tobias Haberl aus der SZ, auf den ich über Twitter stieß.

 

 

 

Der Autor hat ein, so sagt er, stress- und sorgenfreies Leben – er hat keine Kinder. Das Wort “weil” oder “denn” fällt hier nicht. Ich fühle mich an dieser Stelle dennoch gezwungen, daran zu erinnern:  Das eine hat mit dem anderen nur bedingt zu tun, sondern vor allem mit einem sicheren Einkommen und einem gewissen sozialen Status. “Ich kann verreisen, wann und wohin und so lange ich will” – das kann leider längst nicht jeder behaupten, der keine Kinder hat.

Tobias Haberl möchte aber Kinder und will vorbereitend die Spezies Eltern, zu denen er einmal zählen möchte, kennenlernen. Wie einst Jane Goodall die Gorillas beobachtet er sie.

“Worüber sprechen, worüber jammern sie? Wirken sie gestresst oder glücklich? Zerrissen oder zufrieden? Lieben sie ihre Kinder oder dekorieren sie sich nur mit ihnen?”

Wenn es nur immer so einfach wäre, all diese Dinge von außen beurteilen zu können. Ich nehme mich da absolut nicht aus – aber ich bin mit meinen Urteilen vorsichtiger geworden, seit ich selbst ein Kind habe.

Von dieser seiner Warte stellt er jedenfalls fest, es sind vor allem wir, die Frauen,

“die verzichten oder sich aufreiben, weil sie es allen recht machen wollen: ihren Kindern, ihrem Mann, ihrem Chef, ihren Freunden und sich selbst.”

Das stimmt. Eine nicht unerhebliche Anzahl Frauen reiben sich zwischen Karriere und Familie auf, weil sie es vielen Menschen rechtmachen wollen. Beispielsweise ihren Vermietern, den Gaswerken, dem Finanzamt und ihrem freundlichen Sachbearbeiter bei der Bank.

Das ist mein größtes Problem an diesem Artikel. Er blickt, wie anfangs schon angedeutet, über den Tellerrand des Privilegs nicht hinaus. Den ganzen Stress mit Kindern und Karriere, so der Artikel, macht man sich, wenn man den Hals nicht vollkriegen kann – und wieder sind es vor allem die Frauen, die dadurch schon ein “bisschen neurotisch” auf den Autor wirken.

“Wenn eine junge Frau aus der Mitte der Gesellschaft in Panik verfällt, weil sie sich nicht vorstellen kann, wie sie das schaffen soll: ein Kind haben, einen Job haben und nicht unter die Räder kommen – wohlgemerkt in einem der reichsten und sichersten Länder der Erde, nämlich Deutschland, mit einem Sozialstaat, der Betreuungsgeld, Kindergeld, Elterngeld, Mutterschaftsgeld bereitstellt – alles Wohltaten, von denen drei Viertel der Menschheit noch nie etwas gehört hat.”

Bewusst überspitzt: Liebe Frauen, wir hören uns also ungefähr so an:

“Mimi! Mimimimi! Miii miii!”

Es geht! Alles geht. Wir dürfen nicht nur so verdammt gierig sein. Und immer dran denken: anderen geht es wesentlich schlimmer als uns.

Letzteres ist wohl richtig, aber ist es relevant? Darf ich nicht für höhere Löhne kämpfen, nur weil ich weiß, dass anderswo Menschen noch weniger verdienen? Muss ich dankbar vor jeder Entscheidung der Regierung resignieren, weil wir immerhin nicht in einer Diktatur leben, ich ein Dach über dem Kopf habe und nicht hungern muss? All dies ist furchtbar und verdient Engagement und Aufmerksamkeit, es heißt aber nicht, dass man nicht mehr danach streben darf, sein eigenes Leben zu verbessern. Aber alles, was ich aus dem Artikel heraushöre ist, dass genau das Jammern auf verdammt hohem Niveau ist.

“Wir gehen davon aus, dass uns alles zusteht und wir es uns redlich verdient haben, jeden Aspekt des Lebens kennenzulernen und auszukosten – aber das ist falsch. [Es gibt] keine unschuldige Emanzipation. Immer wird der Konflikt auf irgendjemandes Rücken ausgetragen, jahrhundertelang auf dem der Frauen und heute eben auf dem der Kinder.”

Ja. Mist auch. Jetzt haben wir den Salat.

“Es ist eine Tatsache, dass den Frauen der Zugang in die Chefetagen und damit zu beruflicher Verwirklichung ermöglicht werden muss. Es ist aber auch eine Tatsache, dass sich jetzt auch noch die andere Hälfte der Menschheit in die Hände einer Effizienz- und Wachstumslogik begeben hat, die erstens Stress auslöst und zweitens Mütter und Väter immer mehr zu Konkurrenten werden lässt.”

Wir Dr. Mutti in ihrem schönen Essay schreibt:

“Das ganze Gegeier der Frauen nach Jobs macht also nicht nur die armen Kinder, sondern auch noch die Beziehungen kaputt.”

Was mir in diesem Artikel fehlt  (neben den alleinerziehenden Müttern und Vätern und sowieso allem, was vom klassischen Familienbild abweicht, aber das steht auf einem ganz anderen Blatt) sind die Väter, und das obwohl der Text von einem Mann geschrieben wurde, der mal ein Vater sein möchte. Es ging bisher größtenteils  um jammernde, fordernde, neurotische Frauen. Familie und Beruf zu vereinen geht nicht ohne Kompromisse und Opfer, da stimme ich dem Autoren absolut zu. Aber es geht tatsächlich, ohne dass sich Frauen sich zwischen Job und Familie zwangsläufig kaputtbiegen müssen – indem es für die Männer ebenfalls leichter wird, mehr für die Familie zu tun. Mit flexibleren Arbeitszeiten. Durch Firmenkindergärten. Teilzeitjobs. Mit einer familienfreundlicheren Politik und Arbeitslandschaft also. Die Väter würden gerne, sehr gerne sogar – auch sie gehören schließlich zu den vom Autor zitierten 90 Prozent der Deutschen im Familienreport, die so lauthals nach all diesen Erleichterungen schreien, die wir, so der Artikel, eigentlich nicht brauchen.

” Ausgerechnet in dem Land, das weltweit die beste Infrastruktur bereitstellt, ein Kind zur Welt zu bringen und zu einem gesunden und glücklichen Menschen zu erziehen, werden fast keine mehr geboren, weil sie uns beim Leben und Arbeiten stören.”

Eine Schlussfolgerung, die meiner Meinung nach hakt.

Wenn ein Haus angeblich perfekt geschnitten, günstig und gut angebunden ist und trotzdem niemand einzieht, stimmt meistens irgendetwas nicht, und der Grund liegt selten bei den verwöhnten Wohnungssuchern.

Wenn es in einem Land, das angeblich ein wahres Paradies für Kinder und Familien ist, nicht Kinder links und rechts hagelt, sollte man ebenfalls über die Ursachen nachdenken. Wenn es nur an den karrieregeilen Müttern liegt, die auf nichts verzichten wollen, warum führte Schweden 2012 die Ranglisten der Frauenerwerbstätigenquote in der EU mit 71,8 % an, schafft aber trotzdem eine Geburtenrate von 1,9?

“Experten führen dies unter anderem auf die politischen Rahmenbedingungen zurück, die Familien optimal unterstützen: Die Familiengründung wird finanziell durch einkommensabhängiges Elterngeld und Elternurlaub unterstützt. Zudem begünstigen die Gleichstellung der Geschlechter sowie ein gut ausgebautes Kinderbetreuungssystem eine hohe Erwerbstätigkeit von Frauen. “

Vielleicht haben die Schwedinnen einfach lauter “MIMIMI” gebrüllt als wir.

In diesem Sinne: