THE FLORIDA PROJECT (10/10)

These are the rooms we’re not supposed to go in… But let’s go anyways!

Aus der Perspektive von Kindern zu drehen ist schwierig und gelingt daher nicht oft, ohne sich in Klischees zu ergehen. Mit THE FLORIDA PROJECT, der leider jetzt erst in den deutschen Kinos kam, ist Sean Baker dieses Kunststück gelungen. Einen Sommer lang begleiten wir die sechsjährige Moonee. Sie lebt mit ihrer Mutter Halley in einem billigen Motel in Sichtweite der Glitzerwelt von Disneyland als Dauergast, deren Zauber sie nur aus der Ferne bewundern kann. Halley ist zwar eine liebevolle aber unreife Mutter, die es nicht schafft, ein verantwortungsvolles Leben aufzubauen und Moonee eine unbeschwerte Kindheit zu bieten. So füllt Moonee diese Lücke selbst, größtenteils auf sich allein gestellt. Auf den Streifzügen mit ihren Freunden entdecken wir mit ihr eine Welt von Parkplätzen, Touristenfallen, Grünstreifen und Motelrezeptionen unter der brennenden Sommersonne Floridas. Und es wird bald klar, dass ihr selbstgebautes magisches Königreich nicht von ewiger Dauer sein kann.

Ich kannte Sean Baker Regisseur vorher nicht, möchte aber jetzt dringend alles andere von ihm auch anschauen, denn THE FLORIDA PROJECT hat genau das, was ein Film für mich braucht, um perfekt zu funktionieren: Fokus auf glaubhafte Charaktere mit vor allem leisen Töne ohne viel Brimborium, der einfach zeigt, ohne alles durchzuerklären und ein Blick in eine Welt, die ansonsten im Verborgenen bleibt. Ein Film, den ich unbedingt noch einmal von vorne sehen möchte, um all die detailliert ausgebauten Szenen und die schöne Dynamik zwischen den großen und kleinen Schauspielerinnen und Schauspielern zu bewundern. Neben den bemerkenswerten Neuentdeckungen BROOKLYNN PRINCA  und BRIA VINAITE  glänzt WILLEM DAFOE mal ganz unprätentiös als Manager Bobby, eine Art inoffizieller Sozialarbeiter, der die Gemeinschaft der im Motel Gestrandeten zusammenhält und der immer wieder für sehr berührende und manchmal herrlich absurde Momente sorgt.

10/10 Eiscremehörnchen

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THE SHAPE OF WATER / RED SPARROW / THE REVENANT

Wenn ich schon mal aktuelle oder relevante Filme sehe, sollte ich darüber bloggen. Und wenn es drei hintereinander waren, dann erst recht!

SHAPE OF WATER (2017)

He’s a wild creature. We can’t ask him to be anything else.

Der Grund warum ich es besser finde, hier wenig zu schreiben: ich wusste leider zu viel. Und so baute ich Erwartungen an den Film auf, die er einfach nicht erfüllen konnte. Ich ging schon völlig vorbegeistert hinein und verließ den Kinosaal mit einem vagen Gefühl “das war alles?” und selbst dies verpuffte so schnell, dass ich vergaß, noch am selben Abend eine Rezension zu schreiben. Ich befürchte dass jetzt, wo er frisch oskarprämiert ist, die Erwartungen sogar noch steigen. Mich hat er einfach nicht gepackt, ich kam mir ständig vor wie das Publikum in einer Sitcom, vor dem Schilder zum Lachen und Weinen hochgehalten werden. Aber ich kenne durchaus viele Menschen, die der Film sehr glücklich machte – vielleicht gehört ihr ja dazu. Allen anderen empfehle ich stattdessen das Videospiel Mass Effect 2 und die Quest des Charakters Thane Krios zu spielen.  In jedem Fall habe ich mich aber über das Wiedersehen mit Doug Jones, der mich erst kürzlich in STAR TREK: DISCOVERY begeisterte und Sally Hawkins, die ich in PADDINGTON auch schon sehr mochte, gefreut.

5/10 gekochten Eiern

RED SPARROW (2018)

The Cold War did not end, it merely shattered into a thousand pieces.

Hier das komplette Gegenteil: über diesen Film wusste ich rein gar nichts außer dem Titel und dass Jennifer Lawrence die Hauptrolle spielt. So musste ich mich aktiv in den Plot hineindenken und konnte mich etwa ein Viertel der Spiellänge nicht entscheiden, ob ich den Film jetzt gut oder schlecht fand. Nicht geholfen hat dabei der schwere russische Dialekt, in dem alle miteinander redeten. Ey, mal im Ernst jetzt, Hollywood – was soll das? Dreh doch entweder mit russischsprechenden Schauspieler*innen und untertitle oder tu halt so als ob, wie immer und lass sie alle Englisch reden. Aber bei so Sätzen wie “Yur bahdy belahngs to ze steht!” hatte ich echte Schwierigkeiten, ernst zu bleiben.

Doch irgendwann war ich drin im Geflecht der Intrigen und sehr gut unterhalten, insbesondere das Ende gefiel mir sehr. Für diejenigen, die den Roman kennen, auf dem der Film basiert: es wurde geändert und ist, wie ich finde, besser und stärker. Und es gibt Fortsetzungen. Anscheinend gehen auf Büchern basiert Actionfilme mit Jennifer Lawrence und einem Vogelnamen im Titel ganz gut derzeit.

7/10 Floppydisks

THE REVENANT (2015)

Ein Film, den ich schon sehr lange sehen wollte. Letzten Sonntag wurde er zur Einstimmung für die Oskarnacht von Pro7 zur Primetime gesendet, oder besser gesagt: verhackstückt. Sie haben es wirklich geschafft, fast alle 20 Minuten Werbung einzublenden und das in teils sehr stillen oder spannenden Momenten. Ich hatte wegen den überragenden Landschaftsaufnahmen (bis auf eine Szene mit natürlichem Licht gedreht!) kurz bedauert, doch nur per Stream zuzuschauen, aber spätestens beim zweiten fröhlichen “Bitte ein Bit!” mit dem ich aus dem Überlebenskampf im eisigen Wald gerissen wurde, verflog das. Wenn ich nicht mit #twilm livegeweetet hätte, ich wäre nach einer Stunde ausgestiegen und hätte ihn mir auf Amazon in HD gekauft. Anders als bei THE SHAPE OF WATER finde ich hier den Hype und vor allem Leonardo DiCaprios Oskar mehr als verdient. THE REVENANT ist nichts für schwache Gemüter, doch zwischen den fiesen Szenen immer wieder von wirklicher Schönheit –  und  er zeigt, das in einem Film  gar nicht so unbedingt viel passieren und explodieren muss, damit er fesselt.

9/10 Büffellebern

Ponies, Metaphern, Replikanten

Diese Woche war ich nicht in einem, nicht in zweien, sondern in gleich drei aktuellen Filmen, ein höchst seltenes Ereignis der letzten Jahre. Dreimal Kino, drei höchst unterschiedliche Filme – hier meine Kurzrezensionen.

MY LITTLE PONY (9/10)

Die Punktevergabe ist ein wenig voreingenommen, denn es war der erste Kinobesuch zu dritt und somit der erste Kinofilm für das Kind und daher ein ganz besonderes Ereignis – eine dicke rosarote Brille muss also eingerechnet werden. (Mein erster Kinofilm war übrigens dieser hier). Dennoch haben sich auch die drei anwesenden Erwachsenen sehr gut unterhalten. Von einem Franchise mit so viel Merchandisedurchlauf erwartet man meistens nicht viel, seichte Zusatzbeschallung, die Käufe anregen sollen. Das ist bei MY LITTLE PONY absolut nicht der Fall, weder in der Serie, noch im ersten Kinofilm. Die Geschichte ist spannend, die Charaktere haben alle Tiefe, selbst die Lieder sind nicht besonders nervig (dass ich in diesem Leben einen Villain-Song von Maite Kelly hören würde, hätte ich auch nicht gedacht). Vor allem stimmen die Botschaften:  Haltet zusammen, verurteilt nicht nach Aussehen, es ist okay, wenn ihr auch mal Fehler macht. Zudem gibt es für Erwachsene fast in jeder Szene irgendeine popkulturelle Referenz oder Situationskomik, es ist also keineswegs langweilig.

MOTHER! (6/10)

Ich habe ihm genau die Mittelpunktzahl plus Bonus für Jennifer Lawrence wirklich gute Schauspielleistung gegeben, weil ich ihn einfach nicht so richtig einsortieren kann. Ich glaube, hier hätte der Film mir ausnahmsweise besser gefallen, hätte ich gewusst, worum es geht. So musste ich es erst herausfinden, und der Weg dahin ist nicht unbedingt sehr unterhaltsam und oft zäh. Wenn ihr lieber wissen wollt, was ihr da auf der Leinwand seht: lest durch, was die Bedeutung ist, der Regisseur hat es bereits dargelegt. Vieles passt für mich trotzdem nicht, ein weiterer Grund für die mittelmäßige Bewertung. Die Frage bleibt: Muss man das so machen? Ich weiß es nicht. Gut gespielt  und inszeniert ist er ohne Zweifel, aber wie alle abstrakte Kunst ist es eben auch Geschmackssache. Ich kann seine künstlerische Qualität anerkennen, nochmal sehen und alles entschlüsseln möchte ich ihn aber nicht.

BLADE RUNNER 2049 (10/10)


Es muss für einen Film sprechen, wenn man ihn in einem Saal mit über hundert lärmenden Teenagern gesehen hat und ihn trotzdem gut findet. (An dieser Stelle: Liebe Lehrer, was sollte das? Die Schüler*innen waren offensichtlich gelangweilt, müde und überfordert, was ich ihnen auch nicht ankreide. Ich verstehe nicht, warum man sie dann mitten in der Woche um 21 Uhr in ein Programmkino zu einem solchen Film schleift, ohne eine Sondervorstellung abzumachen.) Eine sinnvolle Fortführung, die visuell und auch durch ihre Musik direkt Eindruck schafft, diesen durch einen guten Plot und hervorragende Darsteller auch halten kann. Der Film vermeidet nicht nur Klischees eines Sequels nach so langer Zeit, er spielt auch gekonnt mit ihnen. Sehenswert, und ich würde auch behaupten, wer den ersten Film nicht kennt, ist hier gut unterhalten.

Fantasy Filmfest 2017: I REMEMBER YOU & Fazit


Mein letzter Film des diesjährigen Fantasy Filmfest und gleichzeitig mein zweites Highlight ist die Verfilmung eines Krimis mit Geisterlementen aus Island. Ein Film, über den ich einmal wieder eigentlich nicht viel schreiben möchte, da man ihn am besten unvoreingenommen sehen sollte.

Wie auch das Buch läuft der Film über zwei Handlungsstränge. Einmal forscht der Arzt Freyr (Jóhannes Haukur Jóhannesson) mysteriösen Todesfällen nach, bei denen die Toten seltsame Wunden in Kreuzform auf dem Rücken davontragen. Dann verbringt Katrin (Anna Gunndís Guðmundsdóttir), die mit ihrem Mann und einer Freundin ein Bed & Breakfast in einer verlassenen Fjordsiedlung eröffnen möchten, dort immer gruseliger werdende Nächte. Beide tragen ihre Sorgen mit sich herum – das nie aufgelöste Verschwinden von Freyrs Sohn hängt ihm immer noch nach. Auch Katrin hat ein Kind verloren und versucht zudem, ihre bröckelnde Beziehung zu kitten.

I REMEMBER YOU lebt von seinen Charakteren, deren Geschichten man unbedingt erfahren möchte. Durch die geschickt wechselnden Perspektiven der zwei Hauptcharaktere bleibt die Spannung erhalten. Dazu kommt noch das kalte und unheimliche Setting des verlassenen Hesteyrarfjörður – hier hätte der Film gar nicht so mit Blaueffekten und düsterer Musik auffahren müssen, wie er es oft getan hat, sondern sich einfach auf das, was sowieso schon da war, verlassen können. Das ist auch der einzige Grund für meinen Abzug für diesen ansonsten perfekt inszenierten Horrorthriller, dessen Grauen sich erst langsam beim Zuschauen entwickelt und den man mit neugewonnenem Wissen eigentlich sofort nach dem Abspann noch einmal schauen will. Ich habe mir gleich danach das Buch bestellt, auf dem der Film basiert (Affiliatelink).

9/10 Polarfüchsen

Das war das Fantasy Filmfest 2017 für mich

Gesehene Filme: 12

Durchschnittspunktzahl: 6,75

Am meisten gegruselt bei: IT

Am meisten gegähnt bei: THE VAULT

Am meisten gelacht bei: MY FRIEND DAHMER

Zufälliges Oberthema: Coming of Age und verschwundene Kinder

Alle Rezensionen finden sich hier.

Fantasy Filmfest 2017: BLADE OF THE IMMORTAL (8/10)

There is a man somewhere in Edo who will not die.

Manji (gespielt vom in Japan wohl sehr berühmten Takuya Kimura)  war einmal ein Samurai und verdiente sich den Namen des “Hundred Killers” – doch jetzt ist er des Lebens und Kämpfens müde und kann nicht sterben. Durch einen Fluch leben Blutwürmer in seinem Körper, die ihn immer wieder zusammenheilen, ob er will oder nicht. Da bittet ihn das junge Mädchen Rin (Hana Sugisaki, ihr bei ihrer Rache zu helfen: Der Schwertkämpfer Anotsu  (Sōta Fukushi) will alle Kampfschulen Japans unter seiner Führung vereinen. Die Dojos, die sich weigerten mitzumachen, wurden inklusive ihrer Besitzer von Anorak und seinen Anhängern niedergemacht – auch das von Rins Eltern. Manji hat auf Rachefeldzüge eigentlich nur wenig Lust. Doch dann macht er sich mit Rin auf die Reise und schnetzelt sich auf der Suche nach Anotsu durch das antike Edo.

BLADE OF THE IMMORTAL basiert auf einem  Manga von Hiroaki Samura und ist von Regisseurlegende Takashi Miike verfilmt worden, beides Bereiche, mit denen ich eher zufällig in Berührung komme. 13 ASSASSINS hätte ich beim Fantasy Filmfest 2010 gern gesehen, aber leider funktionierten die Untertitel in unserem Kino nicht, ansonsten kenne ich nur seine Real-Life-Verfilmung von Videospiel ACE ATTORNEY. Dennoch ist es auch für eine Außenstehende, wie ich es bin, ein sehr unterhaltsamer Film. Trotz der stolzen Länge von 151 Minuten passiert eigentlich immer etwas und Manji kann man sich als eine Art japanischen Wolverine vorstellen, ein Mann, der kein Held sein will und es trotzdem wird. Die Dynamik zwischen ihm und Rin haben mich mehr als einmal an Arya und Sandor Clegane aus GAME OF THRONES erinnert.

Die Kämpfe sind trotz typisch völlig überzeichneten Waffen und Gegnern packend und auch die Geschichte leicht nachvollziehbar, wobei ich bei japanischen Filmen oft Schwierigkeiten habe. Es fließt eine Menge Blut und Körperteile fallen links und rechts,  dennoch hat man nicht das Gefühl, dass das nur passiert, weil der Film sonst nichts zu bieten hat. Kein tiefgreifendes Epos, das ich jetzt mehrfach sehen würde, aber auf jeden Fall empfehlenswert, wenn man gepflegte Schwertkampfchoreos und wilde Mangafrisuren mag.

8/10 rollenden Köpfen

Fantasy Filmfest 2017: RESET (4/10)

Finish your experiments. Go back to the past.

Science-Fiction-Filme werden beim Fantasy Filmfest nicht ganz so oft gespielt, hier hatte ich mit DISTRICT 9 und SNOWPIERCER schon richtige Glücksgriffe. Der Trailer von RESET sah sehr vielversprechend aus, leider liegt das wohl vor allem an dem Budget, das in Effekte und Setup gepustet wurde.

Die Storyidee an sich ist nicht schlecht: Die Forscherin Xia Tan arbeitet an einem Institut, das Zeitreisen durch künstliche Wurmlöcher möglich machen will, wird erpresst und nutzt die neue Technologie, um ihren Sohn vor dem Tod zu bewahren. Die Geschichte aber steckt sich selbst so einen kleinen Rahmen, dass man sich fragt, ob es hier ein Kammerspiel nicht auch getan und man das Geld für teure Verfolgungsjagden und Hightecheffekte nicht lieber in einen besseren Drehbuchautor investiert hätte. Zudem ergeben die Motivationen vieler Charaktere einfach gar keinen Sinn, auch der Twist überzeugt deswegen überhaupt nicht und wirkt forciert und somit langweilig.

Da gibt es einige bessere Spielereien mit Raum, Zeit und parallelen Universen, die ihr Blockbusterversprechen auch einlösen, INCEPTION und INTERSTELLAR sind nur zwei, die mir gerade einfallen.

4/10 Datenmodulen

Fantasy Filmfest 2017: THE VAULT (4/10)

No lies, short answers.

Das verzweifelte Geschwistertrio Vee, Leah und Michael braucht dringend Geld und überfällt eine Bank. Leider stellt sich heraus, dass in der Bank selbst viel zu wenig Bargeld vorhanden ist. Von einer der Geiseln bekommen die Gangster den Tipp, dass in der verlassenen, alten Tresor im Keller der Bank Unmengen herumliegt und was anfängt, wie ein Krimithriller, löst sich in der Art von FROM DUSK TIL DAWN in eine Horrorgeschichte auf.

Ich muss noch vier Reviews schreiben und möchte über schlechte Filme, eigentlich nicht mehr Energie und Zeit verwenden, als unbedingt nötig. Also, halten wir es kurz: THE VAULT setzt eine schon eher ungute Idee mittelmäßig bis schlecht um. Es gibt ein paar okaye Schockmomente und einen ganz netten Twist, denkt man aber mehr als fünf Minuten über all das nach, bröckelt alles recht schnell auseinander. Für einen Fernsehabend in Ordnung, wenn wirklich nichts anderes läuft, aber gebt bitte kein Geld dafür aus. Wer hiernach wirklich noch wissen will, worum es geht, Spoiler folgen – wobei man sowohl dem Trailer als auch dem Filmplakat eigentlich alles entnehmen kann.

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