Fantasy Filmfest 2016: Cell (4/10)

It’s the start of a war.

STEPHEN KING und ich – it’s complicated. Viele seiner Kurzgeschichten, Romane und die Filme, die daraus hervorgingen, liegen mir immer noch sehr nah am Herzen. THE DARK TOWER, auf dessen Serienadaption ich mich sehr freue, STAND BY ME, SHAWSHANK REDEMPTION, um nur ein paar zu nennen. Aber was Stephen King einfach nicht kann ist einen Schlussstrich zu ziehen. Die Enden von vielen seiner Geschichten haben mich im besten Fall nicht überzeugt, im schlimmsten Fall verärgert. Die Kunst, dann aufzuhören, wenn es am schönsten ist, beherrscht er leider auch bei seinem Lebenswerk nicht, die neueren Bücher habe ich größtenteils gar nicht erst angefangen. Bei CELL wird dies nach dem höchstens mittelmäßigen Film sicher nicht anders werden. Denn wenn ich mir das Krückstockgefuchtel eines alternden Mannes antun will, dann brauche ich dafür neben einer verschwendeten Kinokarte nicht auch noch ein Buch zu kaufen.

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Fantasy Filmfest 2016: Desierto (9/10)

Welcome to the land of the free

JONÀS CUÀRON bewies schon mit GRAVITY, dass er mehr als nur seinen berühmten Namen vorzuweisen hat. Sein schon lange geplanter Film DESIERTO hat durch den Wahlkampf von Donald Trump jetzt eine traurige Aktualität bekommen. Viele muss darüber gar nicht gesagt werden. Um es mit einem Zitat meines Sitznachbarn zu sagen: “Erstauntlich, dass mich ein Film, den man nur in einem Satz beschreiben kann, so mitreißt.” Mexikanische Emigranten fliehen auf dem Weg über die Grenze vor einem, nun ja, “besorgten Bürger” mit Scharfschützengewehr durch die Wüste. Das war es schon. Dennoch reicht dieses Setting, um die Spannung bis zum Schluss zu halten, auch dank der großartigen schauspielerischen Leistung von GAEL GARCÌA BANAL und JEFFREY DEAN MORGAN, den ich aus WATCHMEN noch gut in Erinnerung hatte.

Ich habe mich gewundert, warum der Film so niedrig auf der IMDB bewertet wurde und fand die Antwort in einem vor Wut schäumender Trump-Fan, der es diesem Gutmenschenstreifen mit einer Ein-Stern-Bewertung mal so richtig zeigen wollte. Um so besser, dass er existiert. Nur schade dass diejenigen, die ihn sehen sollten, es garantiert nicht werden.

9/10 Hundepfeifen

Fantasy Filmfest 2016: The Devil’s Candy (7/10)

They don’t let me play it loud.

(Aus irgendeinem Grund gibt es den Trailer nur auf Russisch, sorry!)

Heavy Metal und Satanismus – die Verbindung hat Tradition. THE DEVIL’S CANDY spielt mit den bekannten Vorurteilen gegen Liebhaber gitarrenlastiger Musik und stellt mit den Hellmans (!), der netten Metalfamilie von Nebenan, sehr liebenswürdige Protagonisten in den Mittelpunkt. Leider suchen sie sich ausgerechnet das ehemalige Domizil eines vom Satan besessenen Killer als neues idyllisches Heim auf dem Lande aus. Was dann folgt ist unterhaltsamer, klassischer Horror mit einem ordentlichen Soundtrack.

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Fantasy Filmfest 2016: Imperium (6/10)

Just because you’re not looking at something doesn’t mean it’s not there.

Mein zweiter Fantasy Filmfest-Tag sollte ein unfreiwilliger Themenabend werden. Zuvor hatte ich UNDER THE SHADOW gesehen, der sich mit der Angst von Menschen in Kriegsgebieten befasst. IMPERIUM thematisiert nun die Angst vor Fremden, die oft aus genau diesen Ländern in die westliche Hemisphäre fliehen. Ich hatte ihn mir deswegen ausgesucht, weil DANIEL RADCLIFFE mal in einer anderen Rolle als den ewigen Zauberlehrling sehen wollte. Und ja, er kann definitiv auch anders, wie er in diesem soliden aber grundsätzlich harmlosen Thriller beweist.

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Fantasy Filmfest 2016: Under the Shadow (7/10)

They will always know how to find you.

Filme außerhalb der persönlichen Komfortblase zu schauen ist für mich meistens etwas Bereicherndes. Ja, es kann auch furchtbar daneben gehen, das ist mir aber auch schon mit Filmen passiert, wo der/die Empfehlende sich ganz sicher war, dass er mir garantiert gefallen würde.  UNDER THE SHADOW erschien mir nach kurzem Blick auf die Zusammenfassung als zu deprimierend. Gerade mit der derzeitigen politischen Situation vor Augen wollte ich zumindest im Kino Pause vor der Realität haben. Aber ich ließ mich dann doch überreden und habe es nicht bereut.

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Fantasy Filmfest 2014: Oculus – Spieglein, Spieglein an der Wand

“You promised me you would never forget what really happened.”

Spiegel sind wohl mit das beliebteste Objekt in Spukgeschichten. Man erinnere sich beispielsweise an die Legende der Bloody Mary, die angeblich erscheint, wenn man ihren Namen dreimal vor einem Spiegel ausspricht.

Auch der Spiegel in OCULUS hat es in sich – das denkt zumindest Kaylie. Sie und ihr jüngerer Bruder Tim mussten als Kinder mitansehen, wie ihr Vater ihre Mutter brutal quälte und ermordete.  Kaylie kam ins Waisenhaus, Tim in die psychiatrische Anstalt. Jetzt wird Tim entlassen und muss widerwillig mitansehen, wie Kaylie dem Geheimnis des Spiegels auf den Grund gehen will.

OCULUS läuft auf zwei Zeitebenen, beide nach bekanntem Muster gestrickt. In der Gegenwart findet eine paranormale Investigation statt, die langsam außer Kontrolle gerät. In Flashbacks sehen wir, was damals vor der Katastrophe geschah – oder auch nicht, denn schließlich könnten die Kinder es sich auch eingebildet haben.

Ich glaube, ich hätte OCULUS mehr genossen, wenn ich vorher nicht THE CANAL gesehen hätte, der in meinen Augen (…haha) all das richtig gemacht, was mich an OCULUS stört. Zunächst tendiert OCULUS dazu, dem Zuschauer durch die Geschwisterfiguren haarklein zu erzählen, was doch offensichtlich ist. Dazu fand ich Karen Gillian (Amy Pond aus DR. WHO) als Kaylie einfach nicht überzeugend. Sie läuft mit zusammengepressten Lippen, harschen Gesten und Worten durch die Gegend, gibt aber der Figur ansonsten kaum Tiefe (ganz im Gegenteil zu ihrer jüngeren Kollegin Annalise Basso, die Kaylie als Kind spielt). Außerdem ist bei der Frage “verrückt vs. Geist” recht bald relativ klar, in welche Richtung der Film geht. Die Gruseleffekte sind gut gesetzt, verlieren aber mit zunehmendem Einsatz an Schlagkraft.

Dem Film, der einige schöne Gruselmomente und Effekte bietet, geht so etwa nach drei Vierteln die Puste aus, so dass zumindest ich das Ende eher augenrollend herbeisehnte, anstatt mich am Sitz festzuhalten.

6/10 Spiegelscherben

 

 

Fantasy Filmfest 2014: The Canal – Vatersorgen

Für mich ist das Fantasy Filmfest 2014 aus Termingründen schon wieder vorbei, aber ein paar Rezensionen bin ich euch ja noch schuldig.

Fangen wir an mit THE CANAL, einem irländischen Horrorfilm von Regisseur Ivan Kavanagh.

“There is something back in the room with you”

Eigentlich hat der Filmarchivist David ein tolles Leben: er ist glücklich verheiratet mit einer wunderschönen Frau, zusammen haben sie einen kleiner Sohn und leben im idyllischen Eigenheim in einer ruhigen Stadt am Kanalufer. Doch Alice kommt abends immer später nach Hause und bei der Durchsicht von altem Filmmaterial entdeckt David, dass schreckliche Dinge in seinem Haus geschehen sind. Dann verschwindet Alice, nachdem David sie  beim Fremdgehen beobachtet. Er ist sich sicher, dass die böse Präsenz, die er hinter den Wänden hört und auch immer wieder auf Film sieht, dafür verantwortlich ist. Aber niemand glaubt ihm und so ist er bald auf sich alleine gestellt, sich und seinen Sohn vor dem vermeintlichen Dämon zu schützen.

Ist der Protagonist nun einfach verrückt oder hat das Übernatürliche wirklich die Hand im Spiel – ein Thema, so alt wie das Horrorgenre. THE CANAL schafft es tatsächlich, bis zum bitteren Ende sowohl den Zuschauer als auch seinen Protagonisten im Unklaren zu lassen, was hier geschieht. Die bedrückende Atmosphäre des Films war durchgehend spürbar, im Saal herrschte Totenstille, was beim verwöhnten Fantasy Filmfest-Publikum nicht unbedingt selbstverständlich ist. Szenenaufbau, Bildkomposition und Soundtrack wurden so gewählt, dass man sich auch in ruhigen Momenten nie so wirklich ganz wohl fühlen konnte. Die Schockeffekte waren gut gesetzt und wirkten nur am Schluss ein bisschen übertrieben, so dass der Film zwar nicht unbedingt das Genre neu erfindet, aber von mir eine klare Empfehlung erhält.

Ein wenig mehr in die Tiefe hätte es hier und da ruhig gehen können, aber das sind reine Schönheitsfehler. Besonders gefallen hat mir auch das nüchterne Ende, das gleichzeitig final ist und dennoch alles offen lässt. Ein Horrorfilm, der den Namen auch verdient hat – in jeglicher Hinsicht. Auch die Besetzung lässt keine Wünsche offen, insbesondere der kleine Calum Heath verdient einen Orden für “Bester nicht ständig nervender Junge in einem Horrorfilm”. Ein bekanntes Gesicht ist Antonia Campell-Hughes, die ich zuletzt in der Verfilmung von Natascha Kampuschs Biografie “3096 Tage” in der Hauptrolle bewundert habe.

9/10 Filmrollen